THE BIG LEBOWSKI (1999) Jürgen Müller Man kann das Kino der Coen-Brüder aus vielen Gründen lieben. Da ist zunächst einmal ihr Sinn für Absurdität. Dies gilt sowohl in Be- zug auf ihre verwirrenden Plots, als auch auf die Darsteller. Wo be- kommen wir es schon mit einem so merkwürdigen Außenseiter zu tun wie Barton Fink? Und wo gibt es einen derartig durchgeknallten Mörder wie in Fargo? Auch Walter (John Goodman) und der Dude (Jef Bridges), die Haupt fguren in The Big Lebowski, sind beide auf ihre Weise obsessive Charaktere, die den mehr oder weniger ›nor- malen‹ Donny (Steve Buscemi) erst so richtig bemerken, als er nicht mehr da ist. Der Dude verkörpert einen extremen Phlegmatiker, Walter einen ausgeprägten Choleriker. Die Qualität des Films hängt mit dieser komplementären Struktur zusammen. Bis zum Ende blei- ben beide in ihrer Welt gefangen. Walter hat einen sehr eingeschränkten Blickwinkel und stilisiert sich selbst zum Vietnamveteranen. Er liebt es, seinem Gegner im Kampfanzug gegenüberzutreten und gibt vor, für alles eine Lösung zu haben. Die Übergabe des Lösegeldes aber vermasselt er, auch bei der Befragung des Teenagers, von dem sie vermuten, er könne das Geld genommen haben, gelingt es ihm nicht einmal, auch nur eine Antwort zu erhalten. Daraufhin demoliert er das vermeintliche Auto des jungen Mannes, bis der Nachbar als eigentlicher Besitzer hinzu- kommt, um nun seinerseits durchzudrehen. Man denke nur an den armen Smokey, den er beschuldigt, beim Bowlen die Linie übertre- ten zu haben, woraufhin er ihn mit seiner Wafe bedroht, weil es sich um ein Ligaspiel handelt. Walter verkörpert einen Menschen, der das Leben als durch Re- geln bestimmt ansieht. Deshalb kennt er keinen Selbstzweifel. Er lebt ein Phantasma, das er für die Wirklichkeit hält. Nur bei der Luftbestattung von Donny scheint er für einen kurzen Moment ein