S.G. Russo 1  · U. Trieschmann 2  · T. Nicolai 3 1  Klinik für Anästhesiologie, Universitätsmedizin Göttingen 2  Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Köln 3  Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen  Kinderspital, Ludwig Maximilian Universität München Atemwegsmanagement bei  Kinder in Notfallsituationen Probleme im Rahmen der Atemwegs- sicherung stellen einen großen Anteil an Ursachen für Komplikationen im Rahmen der pädiatrischen (Notfall-) Versorgung dar. Ein erfolgreiches Management der Atmungssituation ist daher von zentraler Bedeutung. Hierbei liegt die Betonung bewusst nicht auf der endotrachealen Intuba- tion. Vielmehr geht es um die Sicher- stellung einer ausreichenden Oxy- genierung und Ventilation. Dies lässt sich häufig auch ohne die Platzierung eines Trachealtubus garantieren. Bereits 2011 hat ein Artikel unter der Leitung des Kollegen Landsleitner in die- ser Zeitschrift mit dem Titel „Präklini- sches Atemwegsmanagement bei Kinder“ die hier diskutierte Thematik detailliert aufgearbeitet. Es wurden auch weiterhin aktuelle und gültige Empfehlungen zu Ausrüstung und Monitoring gegeben so- wie ein Handlungsalgorithmus – u. a. ba- sierend auf der Expertise des Anwenders – vorgestellt [14]. Der hier vorliegende Ar- tikel hat nicht den Anspruch, die Arbeit von Landsleitner et al. zu ersetzten. Viel- mehr soll die hier präsentierte Übersicht einzelne Aspekte ergänzen und stellen- weise vertiefen. Ausgenommen von den nachfolgenden Ausführungen soll die neonatologische (Kreissaal-)Versorgung sein. Selbst bei Routineprozeduren unter kontrollierten Bedingungen im Opera- tionssaal sind es v. a. respiratorische Ursa- chen, die schwerwiegende Komplikatio- nen für Kinder zur Folge hatten [17]. Be- reits 1993 stellten Morray et al. fest, dass die Schadensersatzansprüche bei Kindern sig- nifikant häufiger aufgrund respiratorischer Zwischenfälle geltend gemacht wurden und dass das Outcome der Kinder deutlich schlechter als bei Erwachsenen war [15]. Beim Kind alles viel schwieriger? Sowohl physiologische als auch anatomi- sche Besonderheiten lassen die kindliche Atemwegssicherung schwieriger, v. a. aber zeitkritischer werden. Die Apnoetoleranz ist selbst bei optimaler Vorbereitung und Präoxygenierung gering, da 1. der Sauer- stoffbedarf hoch ist, 2. die intrapulmona- len Sauerstoffspeicher aufgrund einer re- duzierten funktionellen Residualkapazität klein sind und 3. es wegen einer erhöhten „closing capacitiy“ schnell und vermehrt zu Atelektasenbildung kommt. Vor al- lem bei Neugeborenen imponiert bei ver- hältnismäßig kleiner Mundöffnung eine relativ große Zunge. Larynx und Glottis liegen im Vergleich zum Erwachsenen weit ventral und kranial und erreichen erst nach ca. 2 Jahren die von Erwachse- nen gewohnte Position ca. auf Höhe des 5. Halswirbelkörpers (. Abb. 1). Die Epi- glottis ist verhältnismäßig lang und häufig U-förmig, sodass die Sicht auf die Glottis im Rahmen einer direkten Laryngoskopie ohne Aufladung der Epiglottis erschwert sein kann. Manipulationen führen an der vulnerablen, kindlichen Schleimhaut schnell zu Schleimhautsschwellungen, die aufgrund des geringen, pädiatrischen Atemwegsdurchmessers mit einer hohen Gefahr einer Atemwegsverlegung assozi- iert sind. Andererseits sind die laryngealen Strukturen innerhalb der Halsweichteile leicht verschieblich, sodass eine Laryngo- skopie durch optimierte Positionierung des Larynx mittels externer Manipulation erleichtert werden kann. Die Gesichts- maskenbeatmung ist bei Kindern ohne erkennbare oder bekannte Atemwegs- anomalien spätestens nach Optimierung (s. unten) nahezu immer möglich. Rahmenbedingungen in der Präklinik Während v. a. unter elektiven Bedingun- gen im Operationssaal in der Regel op- timale Voraussetzungen für das Atem- wegsmanagement von Kindern und Er- wachsenen bestehen, herrschen sowohl in der Präklinik – aber auch auf der Intensivstation – deutlich erschwerte Rahmenbedingungen. Diese lassen sich in logistische sowie patientenbedingte Fak- toren trennen und sind in . Tab. 1  dar- gestellt. Invasivität der gewählten Maßnahmen Die Sicherstellung einer suffizienten Oxy- genierung und Ventilation sowie das Ma- nagement der Atemwegssicherung kann auf verschiedenen Invasivitätsstufen erfolgen (. Abb. 2). Maßnahmen während  Spontanatmung Sämtliche Maßnahmen unter Erhalt der Spontanatmung haben die geringste Inva- Leitthema Notfall Rettungsmed 2014  DOI 10.1007/s10049-013-1808-5 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014 105 Notfall +  Rettungsmedizin 2014 |