Fernsehen und Video
Renée Winter
Fernsehen und Video in der Zeitgeschichte – bedeutet das ein, zwei oder viele For-
schungsfelder? Und in welcher Weise hat sich die österreichische Zeitgeschichte bis-
her damit auseinandergesetzt? Der vorliegende Beitrag handelt auch vom langen
Übersehen der audiovisuellen Medien in der Geschichtswissenschaf und damit von
vielen Lücken. Die Benennung von Auslassungen kann und soll jedoch auch Pers-
pektiven und mögliche Forschungsfragen zukünfiger Forschungen aufzeigen.
1. Fernsehen und Video – Vorabüberlegungen
Video – als Aufnahme- und Wiedergabetechnik – ist Grundlage der Fernsehpro-
duktion. Im österreichischen Fernsehen, das seinen Sendebetrieb 1955 aufnahm,
wurde nach anfänglicher Verwendung von Film seit 1961 (auch) auf Video aufge-
nommen.
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Somit ist Videogeschichte zu einem Teil auch Fernsehgeschichte und vice
versa. Demgegenüber verstanden sich viele Videogruppen der 1970er- und 1980er-
Jahre explizit als Gegenöfentlichkeit und Alternative und grenzten sich gegen das
als vereinzelnd und entpolitisierend verstandene Fernsehen ab.
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Andere Projekte
hatte den Anspruch, mittels Videotechnik ein anderes, ein lokales und selbstpro-
duziertes Fernsehen zu schafen.
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Ein intertextuelles Verhältnis gehen Fernsehen
und Video außerdem dort ein, wo Home- und Amateurvideos sich einerseits an
Fernsehformaten orientieren, andererseits Homevideos oder ihre Ästhetik in Pro-
1 Herbert Hayduck, Bewegte Bilder sprengen den Rahmen. Audiovisuelles Kulturgut in Fernseh-
archiven – hochwertiges Produktionsmittel und zeitgeschichtliche Quellensammlung, Dipl.-Arb.,
Universität Wien 2012, 64, 137. Laut anderen Darstellungen wurde schon 1960 auf Magnetband
aufgenommen. Vgl. Camillo Foramitti, Chronik, in: Andreas Novak/Oliver Rathkolb (Hg.), Die
Macht der Bilder, Berndorf 2017, 633–651, 634.
2 Garlef Zacharias-Langhans, Bürgermedium Video. Ein Bericht über alternative Medienarbeit,
Berlin 1977, 17.
3 Leo Kellermann/Projektgruppe „Lokales Fernsehen“ im Institut für Informationsentwicklung (IFI-
Wien), Lokales Fernsehen. Projekt Burgenland, Projekt Steiermark, Modell zur Sammlung von
Daten für die Einrichtung lokaler Fernsehstudios, ein Medienversuch der Projektgruppe „Loka-
les Fernsehen“ im Institut für Informationsentwicklung (IFI-Wien), Wien 1977; Sepp Auer/Peter
Hueber/Hans Kronberger, Arbeiter machen Fernsehen. Eine Projektstudie der Österreichischen
Gesellschaf für Kommunikationsfragen, Graz 1980.
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https://doi.org/10.7767/9783205209980 | CC BY-NC 4.0