Feststofffermentation von Ligno-
cellulose-Reststoffen mittels Weiß-
fäulepilzen in einem Bioreaktor mit
modularem Design
Susanne Frömmel*, Ulrike Böhmer, Thomas Bley, Matthias Müller,
Katrin Frankenfeld und Peter Miethe
Weißfäulepilze produzieren verschiedene extrazelluläre Enzyme, die für ein großes Einsatz-
gebiet geeignet sind. Eine Fermentation im Feststoffreaktor ist eine geeignete Kultivie-
rungsmethode, die dem natürlichen Habitat der Weißfäulepilze entspricht. Im vorgestellten
Feststoffreaktor konnten die Weißfäulepilze Trametes hirsuta und Bjerkandera adusta erfolg-
reich auf einem Gemisch aus Kieferhackschnitzeln und Orangenschalen unter Zusatz von
Kupfersulfat und 2,5-Dimethylanilin kultiviert und gute Enzymausbeuten erzielt werden.
Es wurde gezeigt, dass die Feststofffermentation für die Gewinnung großer Enzymmengen
unter Einsatz von kostengünstigem Substrat geeignet ist.
Schlagwörter: Cellulasen, extrazelluläre Enzyme, Feststofffermentation, Laccasen,
Weißfäulepilze
Eingegangen: 15. März 2010; revidiert: 21. Mai 2010; akzeptiert: 21. Mai 2010
1 Problemstellung
Unter dem Begriff Feststofffermentation wer-
den alle Fermentationen zusammengefasst,
bei denen ein mikrobielles Wachstum auf fes-
tem Substrat ohne freies Wasser stattfindet. In
der Biotechnologie wird die Feststofffermenta-
tion zunehmend zur Herstellung von Nah-
rungsmitteln, Medikamenten und Enzymen
verwendet [1]. Von besonderem Interesse ist
dabei die Kultivierung von Weißfäulepilzen.
Sie besitzen ein unspezifisches Enzymsystem,
mit dessen Hilfe sie in der Natur lignin- und
cellulosehaltige Substanzen, aber auch struk-
turell ähnliche Xenobiotika, abbauen können.
Durch diese Fähigkeit eröffnet sich ein breites
Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten für
diese Enzyme. Sie werden zur Klärung, Entfär-
bung und Detoxifikation von Abwässern aus
der Textil- und Zellstoffindustrie, zur Bodensa-
nierung und zur Bioremediation [2–10], sowie
zur Delignifikation, Biopulping und Bioblea-
ching in der Faserstoff- und Faserplattenindus-
trie, in der Zellstoff- und Papierindustrie und
bei der Holzbearbeitung verwendet. Sie kön-
nen ebenfalls zur Erschließung unzugängli-
cher Kohlenhydrate aus einjährigen Pflanzen
und zur Aufarbeitung von Viehfutter verwen-
det werden [11 – 17]. Der Einsatz in Biogasan-
lagen und in der Ethanolproduktion für einen
besseren Aufschluss des Gärmaterials ist mög-
lich [18, 19]. Eine kostengünstige großtechni-
sche Gewinnung dieser Enzyme ist deshalb
von großem Interesse.
Ziel dieser Arbeit war es daher, hohe Enzym-
ausbeuten und ein gutes Mizellwachstum
unter Nutzung der Feststoffkultivierung zu er-
zielen. Zum Vergleich des Potenzials der Fest-
stofffermentation wurden auch Versuche in
Flüssigfermentation unter ähnlichen Bedin-
gungen wiederholt und miteinander ver-
glichen.
2 Messprinzip und Versuchs-
aufbau
2.1 Feststofffermentation
Die Feststofffermentationen wurden mit den
Weißfäulepilzen Trametes hirsuta und Bjerkan-
dera adusta bei 28 °C auf Kieferhackschnitzeln,
Orangenschalen und einem Gemisch beider
Komponenten unter Verwendung verschiede-
ner Zusätze, wie Kupfersulfat und 2,5-Dime-
thylanilin, zur Erhöhung der Enzymaktivität
durchgeführt. Der Feststoffreaktor (Abb. 1)
wurde vom Forschungszentrum für Medizin-
technik und Biotechnologie (fzmb GmbH)
entwickelt. Ein Aufsprühen verschiedener
Flüssigkeiten, wie Wasser zur Befeuchtung
und zum Abwaschen der extrazellulären En-
zyme und Nährlösung (Kirk II-Medium) auf
das Substrat, eine Durchmischung durch Dre-
Unter dem Begriff
Feststofffermen-
tation werden alle
Fermentationen zu-
sammengefasst, bei
denen ein mikro-
bielles Wachstum
auf festem Substrat
ohne freies Wasser
stattfindet.
Feststofffermentation 1191
Chemie
Ingenieur
Technik
Chemie Ingenieur Technik 2010, 82, No. 8 © 2010 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim www.cit-journal.de
DOI: 10.1002/cite.201000047