580 © Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Stahlbau 79 (2010), Heft 8
Fachthemen
DOI: 10.1002/stab.201001353
1 Einleitung
Seit dem Ende des Kalten Krieges
steigt die Anzahl der Terroranschläge
stetig. Im Fokus der Anschläge liegen
immer weniger militärisch-strategische
sondern vermehrt zivile Einrichtun-
gen. Die Anschläge werden oft durch
gezielten Fahrzeuganprall oder Explo-
sion oder die Kombination beider ver-
übt. Um die Bevölkerung und die po-
tentiellen Angriffsziele ausreichend zu
schützen, ist auf planerischer und be-
messender Seite ein Umdenken erfor-
derlich. Neben präventiven und un-
mittelbaren invasiven sowie offensi-
ven Maßnahmen des Militärs und der
Sicherheitsdienste ist der passive
Schutz der gefährdeten Einrichtungen
durch konstruktive und bauliche
Maßnahmen zu gewährleisten. Eine
außergewöhnliche Einwirkung aus
Fahrzeuganprall oder infolge einer Ex-
plosionsdruckwelle darf die integrale
Standsicherheit eines Gebäudes nicht
gefährden. Das Versagen einzelner
Gebäudekomponenten ist in diesem
Fall jedoch tolerabel.
Verbundbaukonstruktionen eig-
nen sich wegen der hohen Energie-
aufnahmefähigkeit hervorragend zum
Abtragen extremer dynamischer Be-
lastungen aus Fahrzeuganprall oder
Explosionsdruckwellen. Vor diesem
Hintergrund wurden im Rahmen des
europäischen RFCS-Forschungspro-
jektes COSIMB [1] statische und
auch dynamische Versuche an Ver-
bundstützen und Stützen-Wand-Ver-
bundsystemen aus höherfestem Stahl
und hochfestem Beton durchgeführt.
Ziel der statischen Versuche war
die Bestimmung der maximalen Trag-
last, die Analyse des Last-Verfor-
mungsverhaltens bis in den Resttrag-
fähigkeitsbereich hinein und die Be-
stimmung der Resttragfähigkeit unter
kombinierter axialer und lateraler Be-
lastung für verschiedene Ausfüh-
rungsvarianten. Die Ergebnisse der
statischen Versuche dienten außer-
dem als Grundlage für die Dimensio-
nierung der für die dynamischen
Versuche verwendeten Probekörper.
Anhand der dynamischen Versuche
erfolgte die Bestimmung des Tragver-
haltens der Verbundstützen und Stüt-
zen-Wand-Systeme, die vom Tragver-
halten einem Verbundträger entspre-
chen, unter transienten Belastungen.
Zudem dienten die Ergebnisse als
Grundlage zur Verifizierung der im
Rahmen des Projektes COSIMB
durchgeführten FE-Analysen. Eine
Prinzipskizze der im Forschungspro-
jekt COSIMB [1] untersuchten Ver-
bundkonstruktionen ist in Bild 1 dar-
gestellt.
Alexander Britner
Thomas Ummenhofer
Ahmed Y. Elghazouli
Falko Bangert
Andre Dürr
Anprall und Explosion – Experimentelle
Untersuchungen an Verbundbauteilen
Außergewöhnliche Bauwerksbeanspruchungen aus Explosion und Anprall rücken im-
mer mehr in den Fokus der Bemessung wegen der weltweiten Zunahme terroristischer
Anschläge. Der passive Schutz von Bauten gegenüber Terrorattacken gewinnt immer
mehr an Bedeutung. Die Auswirkungen solcher dynamischen Belastungen aus Anprall
und Explosion unterscheiden sich wegen des dynamischen Systemverhaltens und der
Abhängigkeit vom Impulsverlauf erheblich von statischen Belastungen.
Im Rahmen des europäischen RFCS (Research Fund for Coal and Steel)-For-
schungsprojekts COSIMB (Composite Column and Wall Systems for Impact and Blast
Resistance) [1] wurden an der Universität Karlsruhe, heute Karlsruher Institut für Tech-
nologie (KIT), am Imperial College, London, und bei der HOCHTIEF Construction AG,
Frankfurt, Untersuchungen an Verbundstützen und Stützen-Wand-Verbundsystemen,
bestehend aus höherfestem Stahl und hochfestem Beton, durchgeführt. Die Untersu-
chungen umfassten sowohl statische als auch dynamische Beanspruchungen. Die
realisierten Aufprallgeschwindigkeiten betrugen bis zu 14,5 m/s bei einer Masse des
Aufprallfahrzeugs von bis zu 1460 kg. Die aufgebrachten Explosionsbelastungen ent-
sprachen der Druckwelle einer Sprengladung von bis zu 2240 kg TNT-Äquivalent.
Der vorliegende Beitrag beschreibt die Versuchsdurchführung sowie die erhaltenen
Ergebnisse.
Blast and impact – Experimental investigations on composite structures. Nowadays
civil engineers pay more attention to the extraordinary loads like blast and impact. This
trend was set off by the political development after the Cold War when the risk of terror-
ist attacks increased. The passive protection of the buildings becomes more important.
The effects of such loads are not the same as the effect of a static load with the same
maximum amplitude. It is a fact that currently used structures are not designed for such
extreme events.
Within the European RFCS research project COSIMB [1] experimental study on
composite column and wall systems made out of high performance steel and concrete
was done. The experimental study includes static and dynamic tests. The impact veloci-
ties were up to 14.5 m/s. The mass of the impact moving barrier was up to 1460 kg. The
blast loads corresponds to an explosive charge up to 2240 kg TNT. In this paper the per-
formance of the tests and the test results are presented.