Wiener Medizinische Wochenschrift Printed in Austria The work of child protection groups in Austria Summary. Aim: To document the number of child pro- tection groups (CPG) in children’s hospitals and paediat- ric surgeries in Austria. Further to document detection fre- quency of abuse syndromes per inpatients per year and structural differences between departments with and with- out CPGs. Methods: Self-compiled questionnaire was distributed to all pediatric (43) and all pediatric surgery units (7). Results: 68 % of children’s hospitals and 100 % of paediatric surgical units had a CPG. Average detection fre- quency was reported to be 0.8 ± 0.67 % (range 0–3.5). Distribution of CPG diagnoses is comparable, only sexual abuse was reported more frequently than reported inter- nationally. Departments with CPG have more beds, more personnel, and especially more psychosocial workers and higher detection frequency. Conclusions: Frequency of CPGs is comparable to US and Swiss data. Detection rates are low normal, but in Departments without CPG far below international stand- ards. Key words: Child protection group, child abuse, sex- ual abuse, child neglect. Zusammenfassung. Ziel der Studie: Erhebung der Versorgung mit Kinderschutzgruppen (KSG) und der Zu- sammensetzung und Arbeitsweisen sowie des Vergleichs der Abteilungen mit und ohne KSG hinsichtlich Personal, Betten und psychosozialen Mitarbeitern. Weiters wurde die Frequenz der Zuweisungen zur Kinderschutzgruppe / stationärer Aufnahmen und der Kinderschutzdiagnosen erhoben. Methodik: Fragebogenerhebung an allen Kinderspitä- lern (43) und Kinderchirurgien (7) Österreichs. Ergebnisse: 68 % aller Kinderspitäler und 100 % aller Kinderchirurgien verfügen über eine KSG. Zu gleichen Tei- len arbeiten sie konsiliarisch und übernehmen Patienten- verantwortung. Die durchschnittliche Meldefrequenz be- trägt 0,8 ± 0,67 % (range 0–3,5). Die Diagnoseverteilung ist vergleichbar, wenngleich in Österreich viel mehr sexu- eller Missbrauch diagnostiziert wird. Abteilungen mit KSG verfügen über mehr Betten und Personal, insbes. psycho- soziale MitarbeiterInnen und haben eine doppelt so hohe Entdeckungshäufigkeit. Schlussfolgerungen: Österreich verfügt über eine Dichte an KSG, die der USA oder Schweiz entspricht, aber in Europa sonst einzigartig ist. Entdeckungsrate ist normal niedrig, allerdings bei jenen Abteilungen ohne KSG deut- lich unter dem internationalen Schnitt. Schlüsselwörter: Kinderschutzgruppe, Misshand- lung, Missbrauch, Vernachlässigung. Einleitung Kindesmisshandlung und -missbrauch sind die häufigsten vermeidbaren Ursachen kindlicher Morbidität und Mor- talität. Gewalthandlungen sind in den letzten Jahren nach Angaben des National Incidence Institutes (NIS) of Child abuse and neglect (USA 1996) im Steigen begriffen. Kör- perliche Misshandlung stieg im Zeitraum zwischen 1986 und 1993 nach Angaben dieses Institutes um 42 %, sexu- elle Misshandlung um 83 % und die Zahl vernachlässig- ter Kinder stieg zwischen 100 und 300 % im genannten Zeitraum. Der Unicef-Report 2003 über Tote als Folge von Kindesmisshandlung berichtet, dass ca. 3500 Kinder unter 15 Jahren pro Jahr an körperlicher Misshandlung und Vernachlässigung sterben [1]. Das Risiko ist für Kin- der unter einem Jahr sechsmal so hoch wie für Kinder über fünf Jahren. Das US-Department of Health and Hu- man Services berichtet in seinem 2003 erschienen Bericht eine Opferhäufigkeit von 12,3 auf 1000 Kinder [2]. In der Kinderschutzgruppenarbeit in Österreich* Leonhard Thun-Hohenstein Jugendpsychiatrie, Universitätsklinik für Psychiatrie I, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg, Österreich Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, Institut für Fortbildung und Forschung, Salzburg, Österreich Eingegangen am 10. Juni 2005, angenommen nach Revision am 8. Juli 2005 © Springer-Verlag 2005 Wien Med Wochenschr (2005) 155/15–16: 365–370 DOI 10.1007/s10354-005-0202-4 Korrespondenz: OA Dr. Leonhard Thun-Hohenstein, Landes- klinik für Psychiatrie I, Christian-Doppler-Klinik, Ignaz-Har- rer-Straße 79, 5020 Salzburg, Österreich. Fax: +43-662-44834304 E-Mail: L.Thun-Hohenstein@salk.at Originalarbeit *) Studienfinanzierung: Licht ins Dunkel