© Hesse, Hochschule Magdeburg-Stendal Synergien im Gewässer-, Boden-, Arten- und Klimaschutz am Beispiel von Flussauen Die Begradigung von Fließgewässern und das Drainieren von Auen führten zu einem Landnutzungs- wandel von Grünland zu Ackerbau. In der Folge kam es zur klimaschädlichen Mineralisierung der organischen Bodensubstanz, stiegen Oberfächenabfuss und Bodenerosion, und die Fließgewässer kolmatierten und verschlammten, was vor allem für kieslaichende Fische und Makroinvertebraten problematisch ist. Durch einen integrativ-systemischen Ansatz der Wiedervernässung lassen sich gleichzeitig Verbesserungen beim Gewässer-, Boden-, Arten- und Klimaschutz erzielen. Jürgen Geist und Karl Auerswald 1 Strukturelle Veränderungen von Fließgewässern und ihren Auen Fließgewässer sind vierdimensional vernetzte Systeme, die lon- gitudinal, lateral, vertikal und zeitlich mit ihrer Umgebung interagieren [1]. Durch strukturelle Eingriffe des Menschen wurde dieser Charakter von Fließgewässern und deren Abfuss- regime in nahezu allen dicht besiedelten Gebieten weltweit stark verändert [2], was zu einer besonderen Gefährdung und dem starken Rückgang aquatischer Biodiversität führte, der weit drastischer als in vielen terrestrischen Systemen ausfällt [3], [4]. Bemerkenswert ist dabei, dass die Begradigung und der Verbau von Fließgewässern meist aus einem gesellschaflichen Konsens heraus getragen wurde, um z. B. die Schifarkeit von Gewässern oder die hygienischen Bedingungen zu verbessern. Als klassisches Beispiel hierfür ist die Begradigung des Rheins durch Tulla und seine Nachfolger vor etwa 200 Jahren zu nennen. Auch am bayeri- schen Lech wurde – wie an den meisten Gewässern 1. oder 2. Ordnung – der ursprünglich verzweigte und mäandrierende Flussverlauf durch ein begradigtes Gerinne ersetzt. Aus der Lauf- verkürzung resultiert eine Veränderung des Erosions-Sedimenta- tionsgleichgewichts, die zu einer bis heute andauernden Eintiefung von ca. 2,5 cm/a führte, die mittlerweile zu mehreren Metern Kompakt ¾ Die derzeit oftmals sektorale Betrachtung des Schutzes von aquatischen und terrestrischen Systemen ist unzureichend. ¾ Synergien in Gewässer-, Arten-, Klima- und Boden- schutz sollten besser genutzt werden. ¾ Ein integrativ-systemischer Ansatz der Auen-Wieder- vernässung ist zielführend FORSCHUNG | GEWÄSSER 11 www.springerprofessional.de/wawi 11 | 2019