Was ändert sich, was bleibt beim Alten? Ein erster Blick auf die neuen eu- ropäischen Hypertonie-Guidelines Frederick Bierreth a , Claudia Gregoriano a , Thomas Dieterle a,b a Medizinische Universitätsklinik, Kantonsspital Baselland; b Redaktor Primary and Hospital Care Einleitung Weltweit wird bei etwa einer Milliarde Menschen ein erhöhter Blutdruck gefunden. Angesichts einer altern- den Bevölkerung und eines zunehmend sedentären Lebensstils ist von einer weiteren Zunahme der Präva- lenz der arteriellen Hypertonie mit einem Anstieg auf ca. 1,5 Milliarden betrofene Patienten im Jahr 2025 aus- zugehen. Die arterielle Hypertonie bleibt die Hauptur- sache für Morbidität und Mortalität. Im Jahr 2015 wa- ren etwa 10 Millionen Todesfälle, 4,9 Millionen Fälle von ischämischer Herzkrankheit und ca. 3,5 Millionen Schlaganfälle direkt dem Vorliegen einer arteriellen Hypertonie zuzurechnen. Des Weiteren ist die arteri- elle Hypertonie der Hauptrisikofaktor für Herzinsuf- zienz, Vorhofimmern, chronische Nierenerkrankun- gen, periphere arterielle Verschlusskrankheit und kognitive Defzite [1]. Im November 2017 publizierten die American Heart As- sociation (AHA) und das American College of Cardiology (ACC) gemeinsam mit zahlreichen weiteren amerikani- schen Fachgesellschafen neue Richtlinien zur Diag- nostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie. Die augenfälligste Neuerung dieser Richtlinien war mit Si- cherheit eine neue und sehr viel strengere Defnition und Klassifkation des Bluthochdrucks, der als ein per- sistierender Praxisblutdruckwert von ≥130/80 mm Hg defniert wurde [2]. Quasi von einer Minute zu nächs- ten gab es damit in den USA zusätzlich ca. 32,1 Millio- nen Menschen mit arterieller Hypertonie [3]. Das dies Im November 2017 publizierten zahlreiche amerikanische Fachgesellschafen neue Richtlinien zur Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie. In den neuen Richtlinien wurde Bluthochdruck als ein Wert von ≥130/80 mm Hg def- niert. Über Nacht gab es damit in den USA zusätzlich 32 Millionen Menschen mit arterieller Hypertonie. Das führte weltweit zu zum Teil hefigen Diskussionen. Umso gespannter wurden die neuen europäischen Richtlinien zur Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie erwartet. weltweit für Aufsehen und auch Unruhe sorgte ist nachvollziehbar. Umso gespannter wurden die neuen europäischen Richtlinien zur Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie erwartet, deren wichtigste Aspekte und Neuerungen im Juni diesen Jahres anläss- lich des Jahreskongresses der European Society of Hy- pertension (ESH) in Barcelona, Spanien, vorgestellt wurden. Ein erster Blick auf die neuen europäischen Richtlinien Um den Lesern von Primary and Hospital Care bereits vor der «ofziellen» Publikation der neuen europäi- schen Richtlinien zur Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie einen Vorgeschmack zu geben, werden in diesem Artikel die wichtigsten Neuerungen und Änderungen gegenüber den Richtlinien der Euro- päischen Gesellschafen für Hypertonie und Kardiolo- gie aus dem Jahr 2013 dargestellt, aber auch auf Be- währtes hingewiesen [4]. Die vollständige Präsentation der neuen Richtlinien wurde für den Jahreskongress der European Society of Cardiology (ESC) im August in München angekündigt, nach der dann auch die ge- druckte Version verfügbar sein soll (www.eshonline. org, www.escardio.org). Im Folgenden werden die aus Sicht der Autoren für die tägliche klinische Arbeit wichtigsten Aspekte der neuen Richtlinien zur arteriellen Hypertonie kurz dar- gestellt. PRIMARY AND HOSPITAL CARE – ALLGEMEINE INNERE MEDIZIN 2018;18(15):265–269 LERNEN 265 Published under the copyright license “Attribution – Non-Commercial – NoDerivatives 4.0”. No commercial reuse without permission. See: http://emh.ch/en/services/permissions.html