Fax +49 761 4 52 07 14 information@karger.com www.karger.com Accessible online at: www.karger.com/kkp ÜBERSICHTSARBEIT Asthma bronchiale und belastungsinduzierte Bronchokonstriktion Harshani Jayasinghe Zoe Kopsaftis Kristin Carson  Clinical Practice Unit, Respiratory Medicine, The Queen Elizabeth Hospital, Basil Hetzel Institute for Translational Health Research, Woodville South, S.A. , Australia Schlüsselwörter Asthmatische Bronchokonstriktion · Atemwegserkrankungen · Entzündung Zusammenfassung Regelmäßige Bewegung wirkt sich in vielfältiger Weise gesund- heitsfördernd aus, insbesondere ist ein positiver Beitrag zum Ma- nagement chronischer Krankheiten wie beispielsweise Asthma umfassend dokumentiert. In manchen Fällen kann körperliche Be- lastung aber auch die Verschlimmerung einer Asthmaerkrankung und entsprechende akute Anfälle von Atemnot, Husten, Enge- gefühl in der Brust und pfeifenden Atem (Giemen) auslösen. Dieser physiologische Prozess wird als belastungsinduzierte Bronchokon- striktion (exercise-induced bronchoconstriction, EIB) bezeichnet und ist als Abnahme der Einsekundenkapazität nach körperlicher Belastung um 10–15% gegenüber dem Ausgangswert definiert. Während EIB unter Asthmatikern sehr weit verbreitet ist und sich mit einer ähnlichen respiratorischen Symptomatik manifestiert, sind Asthma und EIB nicht zwingend miteinander vergesellschaf- tet. Das Ziel der vorliegenden Übersichtsarbeit ist es, einen umfas- senden Überblick über beide Krankheitsbilder zu geben, um die Kenntnisse über ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszu- bauen und ihre Unterscheidung als zwei separate Entitäten zu schärfen. Die Pathophysiologie und die Mechanismen, die der Dr. Kristin Carson Respiratory Medicine, Te Queen Elizabeth Hospital 28 Woodville Road Woodville South, SA 5011, Australien kristin.carson@health.sa.gov.au Karger Kompass Pneumol 2016;4:130–136 • DOI: 10.1159/000446897 Übersetzung aus Respiration 2015;89:505–512 (DOI:10.1159/000433559) Asthmaerkrankung zugrunde liegen, sind umfassend beschrieben; derzeit konzentriert sich die Forschung darauf, Phänotypen für ziel- gerichtete Managementstrategien zu definieren. Die zugrunde lie- genden Mechanismen der EIB hingegen sind noch weitgehend ungeklärt. Für beide gibt es ähnliche etablierte Diagnosepfade so- wie ähnliche pharmakologische und nichtpharmakologische Be- handlungs- und Managementansätze, die bei früherer Erkennung bessere Erfolgsaussichten zeigen. Angesichts der Gefahr von Asth- maanfällen meiden viele Asthma-Patienten körperliche Anstren- gung. Dies ist jedoch kontraproduktiv, da aktuelle Daten belegen, dass Bewegung gut verträglich ist und die Lebensqualität verbes- sert. Die Literatur, die sich für einen Nutzen von körperlicher Akti- vität bei EIB ausspricht, ist gegenwärtig sehr positiv eingestellt, je- doch von äußerst begrenztem Umfang. Daher sollten zukünftige Forschungsbemühungen sich sowohl mit diesem Aspekt als auch mit der weiteren Erforschung der Pathophysiologie und der Me- chanismen, die EIB und Asthma zugrunde liegen, befassen. © 2016 S. Karger GmbH, Freiburg © 2016 S. Karger GmbH, Freiburg Einleitung Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich in vielfältiger Wei- se gesundheitsfördernd aus; sie kann das Risiko für Herzkrank- heiten, Diabetes und viele andere gesundheitliche Probleme ver- ringern. Bewegung stärkt außerdem das Immunsystem, fördert die Freisetzung von «Wohlfühl»-Endorphinen ins Blut und kann zur Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts beitragen [1]. Viele Studien haben außerdem ergeben, dass körperliche Be- wegung helfen kann, die Symptome verschiedener chronischer Krankheiten wie z.B. Asthma zu beherrschen und zu lindern [2, 3]. Asthma ist eine verbreitete chronische Atemwegserkrankung,