Ästungsqualität und Wachstumsreaktion bei Buche (Fagus sylvatica L.) Sebastian Hein Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Freiburg Einleitung Seit den Arbeiten zur Wertästung von MAYER-WEGELIN (1936, 1952) haben sich wesentliche Änderungen der waldbaulichen Rahmenbedingungen ergeben. Zum einen wird eine zunehmend weitständige Erziehung von Laubbäumen zusammen mit kurzen Produktionszeiten angestrebt. Zum anderen führt die ungleichmäßige Zusammensetzung von Sukzessionen und strukturreichen Verjüngungen zur heterogenen Laubbaumqualitäten und verzögerter Astreinigung. In der Baumpflege wurden zur Astreinigung und Barrierebildung an Ästungsschnitten neue Erkenntnisse gewonnen (SHIGO & MARX 1977, SHIGO & HILLIS 1973) und zu praxisreifen Regeln für den Baumschnitt zusammengefasst (e.g. DUJESIEFKEN 1998, 2001). Im forstlichen Bereich gibt es aus neuerer Zeit zwar Auswertungen über die Ästung bei Nadelbaumarten (e.g. PETRUNCIO et al. 1997), für die Wertästung insbesondere der Buche (Fagus sylvatica L.) liegen jedoch keine aktuellen Untersuchungen vor. Die vorliegende Arbeit analysiert deshalb für diese Baumart die Auswirkungen unterschiedlicher Ästungsqualität auf die Wachstumsreaktion, speziell auf das Auftreten von Verfärbungen. Die Befunde sollen zu Überprüfung der Empfehlungen aus der forstlichen Wertästungsliteratur beitragen. Problemstellung und Zielsetzung Die Ästungsempfehlungen für Buche sind widersprüchlich: MAYER-WEGELIN (1952) lehnt wegen der Gefahr von Verfärbungen eine Ästung lebender Äste fast kategorisch ab: „Man unterlasse tunlichst jede Ästung an der Buche“. Falls doch Ästungen notwendig sind empfiehlt er die Äste „…glatt am Stamm ab[zu]schneiden…“ und „Äste über 5 cm nicht mehr zu ästen…“ (jeweils S. 82). Aufgrund verschiedener Ästungsexperimente (Stummeln, Ringeln) rät GELINSKY (1933) dagegen lediglich von einer „Grünästung [ab], die die Äste dicht am Stamm abschneidet“ (S. 319) und schlägt gegebenenfalls eine Stummelung oder Ringelung vor. Auch WINTERFELD (1956a, b, c) übernimmt wegen der schnelleren Überwallung die Forderung MAYER- WEGELIN’s nach einem stammparallelen Schnitt. Nach dem Vergleich von natürlicher und künstlicher Astreinigung hält er die Ästung der Buche jedoch für eine immerhin zweckmäßige Alternative. SOUTRENON (1991) und auch HUBERT & COURAUD (1994) sprechen sogar eine klare Empfehlung für die Ästung aus, jedoch unter Berücksichtigung der richtigen Schnittführung und mit der Auflage, Äste größerer Astbasisdurchmesser (>3 cm) nicht zu entfernen. In der folgenden Untersuchung wird deshalb der Zusammenhang zwischen der Wachstumsreaktion des Baumes (Verfärbung) nach Wertästung und der Ästungsqualität (Schnittführung: Astkragenverletzung) sowie Astmessgrößen (Astansatzhöhe, Astdurchmesser, Astansatzwinkel, Überwallungsdauer, Anzahl der Jahre seit vollständiger Überwallung) in einem statistischen Ansatz untersucht. Dabei sollen Einflüsse von Dimensions- und Wachstumsgrößen des einzelnen Astes und dessen Lage am Schaft auf Signifikanz überprüft werden. Material und Methoden Insgesamt standen 25 Buchen aus Frankreich und Belgien zur Analyse zur Verfügung. Auf den Flächen wurden grundsätzlich nur vorherrschende und herrschende Bäume ausgewählt, die gerade Schäfte, keine Kronen- und Schaftbeschädigungen aufwiesen und vom lokalen Ansprechpartner als geästet gekennzeichnet waren. Auf einem Teil der Fläche „Besançon“ wiesen allerdings einige ausgewählte Bäume deutliche Schaftkrümmungen auf. Der geringe mittlere Brusthöhendurchmesser und die Baumhöhe zeigen das relativ junge Entwicklungstadium der Bäume an (Tabelle 1). Fläche, Region, Ort Standort N (Baum- zahl) Baumalter (0,1m), [J] Baumhöhe [m] d 1,3 [cm] Besançon, Noirente (Franche-Comté, F, „Bois de Noirente“) 300 m ü. N.N., Vorzone franz. Jura, mittlerer Jahresniederschlag: 950 mm, Jahres- mitteltemperatur: 9° C, m.fr., toniger Lehm, Braunerde. 10 24 – 34/ 29 12,2 – 16,5/ 14,2 12,6 – 20,4/ 15,9 Nancy, Bonnet (Lothringen, F, Sur le Val d’Armançon, p.44) Lothringisches Kalkplateau, 350 m ü. N.N., mittlerer Jahresniederschlag: 1100 mm, Jahresmitteltemperatur: 8,5° C, m. fr. Lehm, Braunerde. 10 38 – 42/ 40 16,2 – 21,4/ 18,2 14,0 – 25,5/ 16,7 Virton, Lamorteau (Belg.-Lothringen, BE, „Le Petit Chenoi“) Mittlerer Jura (Bajocien) im Ardennen- vorland, 320 m ü. N.N., mittlerer Jahresniederschlag: 850 mm, Jahres- mitteltemperatur: 9° C, m.fr., toniger Lehm, Braunerde. 5 34 – 42/ 38 13,3 – 17,3/ 16,3 14,5 – 22,4/ 18,2 Tabelle 1: Kennzahlen der Flächen und entnommenen Bäume (Min-Max/ x ), Gesamtbaumzahl = 25 1