S. Haldeman 1 · F. J. Kohlbeck 2 · M. McGregor 3 1 Department of Neurology, University of California, Irvine, California 2 Department of Health Services, School of Public Health, University of California, Los Angeles, California 3 Kinex JHA Corporation, Plano, Texas Vertebrobasiläre Dissektion nach zervikalem Trauma und Wirbelsäulenmanipulation Risikofaktoren und vorangehende Halsbewegungen* Zusammenfassung Studiendesign: Potentielle vorangehende Bewegungen und Risikofaktoren einer ver- tebrobasilären Dissektion wurden in einer Analyse der englischsprachigen Literatur vor 1993 beurteilt. Studienziel: Ziel der vorliegenden Untersu- chung war die Beurteilung der Literatur über vorangehende Halsbewegungen und Risko- faktoren einer vertebrobasilären Dissektion hinsichtlich einer Reduktion der Inzidenz dieser Komplikation. Hintergrundinformationen: Dissektionen und Verschlüsse im vertebrobasilären Sy- stem, die zu einer Ischämie bzw. Infarzierung des Hirnstamms und des Kleinhirns führen, sind eine seltene, aber verheerende Kompli- kation einer zervikalen Manipulation bzw. eines zervikalen Traumas. Obwohl verschie- dene Arbeitsgruppen potentielle Riskofakto- ren und vorangehende Ereignisse erarbeitet haben, sind die Grundlagen dieser Faktoren weiterhin unklar. Methoden: Eine detaillierte Literatursuche wurde unter Einsatz von drei bibliographi- schen Datenbanken computergestützt durchgeführt, um englischsprachige Artikel von 1966 bis 1993 zu finden. Die Literatur vor 1966 wurde mittels des Index Medicus durchsucht. Die Literaturangaben der mittels der Datenbanken gefundenen Artikel wur- den untersucht, um zusätzliche relevante Artikel zu finden. Die Daten der Artikel, die die Einschluûkriterien erfüllten, wurden zu- sammengefaût. Ergebnisse: Die 367 Fallberichte, die in diese Studie eingeschlossen werden konnten, be- schrieben 160 spontane Dissektionen bzw. Okklusionen, 115 Fälle nach einer Wirbel- säulenmanipulation, 58 Fälle nach einem Bagatelltrauma und 37 Fälle nach einem massiven Trauma. Drei Fälle wurden jeweils zwei Kategorien zugeordnet. Die Art des vorangehenden Traumas, der Halsbewegun- gen oder die angewendete Manipulations- form waren in der Literatur nur schlecht be- schrieben. Aus den vorliegenden Daten war es nicht möglich, eine bestimmte Halsbewe- gung oder ein spezifisches Trauma als auslö- sende Ursache für die Mehrheit der Fälle zu identifizieren. Die in der Literatur beschriebenen Fälle bestanden aus 208 Männern (57 %) und 158 Frauen (43 %) mit einem mittleren Alter von 39,3 12,9 Jahren. Eine arterielle Hyperto- nie war bei 13,4 % der Patienten vorhanden, Migräne bei 6,5 % der Patienten. 4,9 % der Patienten rauchten und 18 % der weibliche Patienten nahmen orale Kontrazeptiva ein. Nur in Einzelfällen war eine spezifische Ge- fäûerkrankung (z. B. Fibromuskuläre Hyper- plasie) bekannt. Schluûfolgerungen: Die Literatur über Dis- sektionen im vertebrobasilären Stromgebiet ermöglicht keine Identifikation von Risiko- patienten und keine eindeutige Klärung be- züglich des auslösenden mechanischen Traumas, vorangehender Halsbewegungen oder der Manipulationsform. Nach dem ak- tuellen Stand der Literatur ist es daher un- möglich, Patienten oder ¾rzten Richtlinien zur Vermeidung einer Dissektion im verte- brobasilären Stromgebiet bei zervikaler Ma- nipulation, spezifischen Sportarten, Übun- gen mit Halsbewegungen oder einem Trau- ma zu geben. Schlüsselwörter Halswirbelsäule · Chiropraktik · Dissektion · Manipulation · Trauma · Vertebrobasiläres Stromgebiet Eine Dissektion oder ein Verschluû im vertebrobasilären Stromgebiet mit der Folge einer Ischämie oder Infarzierung der Hirnstamms oder des Kleinhirns sind eine seltene, aber verheerende Ur- sache eines Schlaganfalls [12, 153]. Cha- Manuelle Medizin 1´2000 3 Manuelle Medizin 2000 ´ 38: 3±16 Springer-Verlag 2000 Übersicht * Übersetzt von S. Fatehi, Heidelberg: Risk Fac- tors and Precipitating Neck Movements Cau- sing Vertrebrobasilar Artery Dissection After Cervical Trauma and Spinal Manipulation; aus: Spine (1999) 24, No. 8, pp. 785±795