Endokrine Organe | Der Radiologe 4•2003 284 Zusammenfassung Zielsetzung. Die vorliegende Arbeit be- schreibt die Wertigkeit der verschiedenen bildgebenden Verfahren zur Diagnostik von Nebennierentumoren. Methodik. Die Ergebnisse in der Literatur zur Diagnostik von Nebennierentumoren mit Schnittbildverfahren werden aufgearbeitet. Ein optimales Untersuchungsprotokoll für Computertomographie (CT) und Magnetre- sonanztomographie (MRT) bei unklaren Raumforderungen der Nebennieren soll vorgestellt werden. Ergebnisse. In der CT-Diagnostik spielen v. a. Dichtemessungen im nativen Scan und Mes- sungen der Kontrastmittelauswaschung eine Rolle für die differenzialdiagnostische Einordnung von Nebennierentumoren. In der MRT kann mit Hilfe der Chemical-shift- Bildgebung und durch Analyse der Signal- charakteristik auf T1- und T2-gewichteten Bildern in den meisten Fällen eine richtige Charakterisierung erreicht werden. Schlussfolgerung. In der bildgebenden Diagnostik von Nebennierentumoren spie- len die Schnittbildverfahren eine wichtige Rolle.Während die CT kostengünstiger und breiter verfügbar ist, bietet die MRT aufgrund ihres hohen Weichteilkontrastes Vorteile in unklaren Fällen. Schlüsselwörter Nebenniere · Nebennierenadenom · Phäochromozytom · Nebennierenkarzinom · Nebennierenmetastase Der zufällig entdeckte Tumor in der Nebenniere (Inzidentalom) ist eine große diagnostische Herausforderung an die Radiologie. Autopsiestudien zei- gen eine Inzidenz von Nebennierentu- moren in bis zu 12% der Untersuchun- gen [13]. Die meisten dieser Raumforde- rungen sind hormoninaktive Nebennie- renadenome, welche harmlose, gutartige Tumoren darstellen ohne Behandlungs- notwendigkeit [11]. Durch die stark an- gestiegene Häufigkeit von Schnittbild- untersuchungen des Abdomens sowohl mit der Computertomographie (CT) als auch mit der Magnetresonanztomogra- phie (MRT) fallen viele dieser an sich asymptomatischen Läsionen auf und müssen dann differenzialdiagnostisch eingeordnet werden, um einerseits un- nötige Diagnostik und Therapie der be- nignen Tumoren zu vermeiden, ander- seits Phäochromozytome und die selte- nen malignen Tumoren der Nebenniere, v. a. Nebennierenmetastasen und Karzi- nome, sicher zu erkennen [3, 10, 20]. Die Differenzierung von hormon- aktiven und hormoninaktiven Tumoren stützt sich auf die klinische Sympto- matik des Patienten und v. a. auf die spe- zielle endokrinologische Labordiagnos- tik. Die Frage, ob es sich um eine benig- ne oder maligne Läsion handelt, ist da- gegen mit Hilfe der bildgebenden Ver- fahren zu klären [11]. Neben den nukle- armedizinischen Verfahren spielen da- bei CT und MRT eine wichtige Rolle [6, 22]. Befunde und Untersuchungs- technik in der CT Eine Vielzahl von Studien hat sich mit der nativen CT zur Charakterisierung von Nebennierentumoren beschäftigt und der Methode sowohl eine relativ gute Sensitivität als auch Spezifität be- scheinigt [15, 19, 33, 35]. Die meisten Inzi- dentalome fallen bei Untersuchungen des Oberbauchs bzw. des Abdomens auf, die nicht primär zum Nachweis oder Ausschluss von Läsionen der Nebennie- ren indiziert sind. Diese werden aber in der Mehrzahl der Fälle primär mit Kon- trastmittel durchgeführt. Um die Läsion dann sicher einzuordnen, müsste der Patient nachträglich einer nativen Un- tersuchung zugeführt werden. Daher wurde versucht, die Dignität von Neben- nierenläsionen anhand des unterschied- lichen Kontrastmittelenhancements zu differenzieren. In der venösen Verstär- kungsphase (50–70 s nach dem Beginn der Kontrastmittelinjektion) zeigt das Enhancement von benignen und malig- nen Nebennierenläsionen eine breite Überlappung, sodass daraus keine zu- verlässige Differenzierung abgeleitet Endokrine Organe Radiologe 2003 · 43:284–292 DOI 10.1007/s00117-003-0883-x C. J. Zech 1 · M. Weiss 2 · S. O. Schoenberg 1 · K. A. Herrmann 1 · T. Helmberger 1 · M. F. Reiser 1 1 Institut für Klinische Radiologie, Klinikum der Universität München-Großhadern 2 Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Klinikum der Universität München Tumoren der Nebenniere: Gegenwärtiger Stand der bildgebenden Diagnostik © Springer-Verlag 2003 Dr. C. J. Zech Institut für Klinische Radiologie, Klinikum der Universität München-Großhadern, Marchioninistraße 15, 81377 München E-Mail: czech@ikra.med.uni-muenchen.de