Radiologe 2007 · 47:301–309 DOI 10.1007/s00117-007-1480-1 Online publiziert: 7. Februar 2007 © Springer Medizin Verlag 2007 T.R.C. Johnson 1 · K. Nikolaou 1 · C. Fink 1 · A. Becker 2 · A. Knez 2 · C. Rist 1 · M.F. Reiser 1 · C.R. Becker 1 1 Institut für Klinische Radiologie, Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München 2 Abteilung Kardiologie, Medizinische Klinik I, Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München Dual-source-CT in der Diagnostik des Thoraxschmerzes Leitthema: Herzbildgebung Bei bis zu 7% der Vorstellungen in der Notfallmedizin steht der Thoraxschmerz im Vordergrund [1]. Die Thoraxschmerz- Arbeitsgruppe der European Society of Cardiology stellte fest, dass die meisten Studien, die die Schwere von Symptomen in Relation zum klinischen Ergebnis be- urteilen, auf Patienten mit akutem Koro- narsyndrom oder Herzinfarkt beschränkt sind und berücksichtigt werden sollte, dass andere Diagnosen wie Aortendissek- tion, Lungenembolie und Pneumothorax ebenso ein sofortiges Einschreiten erfor- dern [2]. Die Leitlinien „Akutes Koronarsyn- drom“ der Deutschen Gesellschaft für Kar- diologie, Herz- und Kreislaufforschung [3] empfehlen ein EKG und Serummyo- kardmarker als erste diagnostische Maß- nahmen sowie, abhängig von der Anam- nese, Thoraxröntgenaufnahmen, Venti- lations-Perfusions-Szintigraphie, Myo- kardszinigraphie in Ruhe, Echokardio- graphie, Computertomographie, „Aor- ten-Bildgebung“ oder Pulmonalisangio- graphie als weitere diagnostische Schritte. Die primären Symptome des einzelnen Patienten sind jedoch häufig nicht cha- rakteristisch [4, 5], und die verschiedenen Untersuchungen, die für die Diagnose- stellung nötig sind, können sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und erhebliche Kos- ten verursachen. Daher sollte man sich zunächst auf die Diagnose bzw. den Aus- schluss akut lebensbedrohlicher Zustän- de einschließlich akuter Koronarischä- mie, Aortendissektion und Lungenembo- lie konzentrieren [6]. Während die Mehrschicht-CT-Angio- graphie (MSCTA) in der Diagnostik der Lungenembolie und der Aortendissektion allgemein akzeptiert ist und in der Routi- ne angewendet wird, zeigen neuere Studi- en , dass die MSCTA mit aktueller Tech- nik zudem die Möglichkeit bietet, eine re- levante koronare Herzerkrankung in vie- len Fällen zuverlässig auszuschließen [7, 8, 9]. Bisher erforderten die Untersuchungs- zeiten in der CT-Angiographie verschie- dene Untersuchungsprotokolle, um ei- ne ausreichende Kontrastierung des je- weiligen Gefäßgebiets sicherzustellen, die für die Beurteilung von Lungenembolien, Koronarstenosen oder -verschlüssen und Aortendissektionen benötigt werden. In 2 kürzlich erschienenen Studien wurde gezeigt, dass eine EKG-getrigger- te MSCTA in der Notfalldiagnostik lo- gistisch machbar ist und als viel verspre- chende Methode für die Beurteilung des kardialen und nichtkardialen Thorax- schmerzes bei kreislaufstabilen Nothil- fepatienten betrachtet werden kann [10] und die MSCTA für die Triage von Pati- enten mit akutem Koronarsyndrom geeig- net erscheint [11]. Mit der Entwicklung neuer CT-Geräte mit schnelleren Rotationsgeschwindig- keiten, zusätzlichen Detektorzeilen und leistungsfähigeren Röntgenröhren ist jetzt eine ausreichende Volumenabdeckung verfügbar, um den gesamten Thorax EKG-getriggert in einer einzigen Ateman- haltephase zu untersuchen. Erste Studien haben bereits gezeigt, dass eine gleichzei- tige Darstellung der verschiedenen Gefäß- gebiete des Thorax technisch machbar ist [12] und eine gute diagnostische Genau- igkeit erzielt wird [13]. Ein Problem blieb in diesen Studien allerdings, dass bei Pa- tienten mit Thoraxschmerz und entspre- chend hohen Herzfrequenzen die Abbil- dungsqualität der Koronararterien häufig zwar zu einer orientierenden Beurteilung einer Atherosklerose, nicht jedoch für ei- ne differenzierte Diagnostik von Steno- sen der Koronararterien ausreichte. Erste Tab. 1 Körpergewichtsadaptiertes Kontrastmittelinjektionsprotokoll Gewicht (kg) Volumen (ml) Fluss (ml/s) 50 106 3,5 55 111 3,7 60 116 3,9 65 121 4,0 70 125 4,2 75 130 4,3 80 134 4,5 85 138 4,6 90 142 4,7 95 146 4,9 100 150 5,0 105 154 5,1 110 157 5,2 115 161 5,4 120 164 5,5 301 Der Radiologe 4 · 2007 |