Methodological Adequacy Ein sozial-, wissenschafts- und medientheoretischer Beitrag zu Selektionspraktiken Andrea Ploder & Tristan Thielmann 1. Einleitung 1 Kapitel 7 der Studies in Ethnomethodology wurde bislang kaum rezipiert, obwohl es gro- ßes Potenzial zur Erschließung einiger zentraler Dimensionen von Garfnkels Werk hat – und das für verschiedene Disziplinen. Aus Sicht der Soziologie handelt es sich um ein besonders greifbares Beispiel für Garfnkels Programm einer Soziologie der Soziologie mit methodenkritischer Stoßrichtung. Der Wissenschaftstheorie liefert der Text die argumen- tative Grundlage dafür, Daten- und Selektionspraktiken allen anderen an sozialwissen- schaftlichen Prozessen beteiligten Größen (wie Populationen, Medien und Mittler) vor- zuordnen. In medientheoretischer Hinsicht stellt er ein Plädoyer dafür da, Daten unter- schiedslos zu betrachten (dazu mehr in Abschnitt 2.2). Aus Sicht der Garfnkelforschung ist bemerkenswert, dass es sich um das erste Ergebnis der Clinic Study handelt, das aber zuletzt veröffentlicht wurde. Der Beitrag wurde von Garfnkel als methodischer Grund- lagentext verstanden und war als erster Abschnitt in einem (nie veröffentlichten) Buch zu Six Studies of ›Suitability‹ for Outpatient Psychiatric Treatment geplant. In diesem Beitrag rekonstruieren wir die wichtigsten sozialwissenschaftlichen Ar- gumente sowie medien- und wissenschaftstheoretischen Dimensionen des Textes (Ab- schnitt 2), gefolgt von einer historischen Kontextualisierung: Auf der Basis von unpu- blizierten Schriften aus dem Harold-Garfnkel-Archiv geben wir einen Einblick in die Entwicklung der Clinic Study (Abschnitt 3) sowie einige andere Projekte und Arbeitszu- sammenhänge, die in die Arbeit an Kapitel 7 Eingang gefunden haben (Abschnitt 4). Im Anschluss daran rekonstruieren wir die Entstehungs- bzw. Publikationsgeschichte 1 W a A Wa Ra Za Ha-Ga-A N, a Aaa a. S Ja T a A a T A a . D F Pa M D Fa (DFG) – P- 262513311 – SFB 1187 »M Ka« (T P01) .