Daniela Rösler Sven-David Müller-Nothmann Claudia Reimers Helmut Mann Vitaminversorgung in westlichen Ländern, Teil 1 Auch in Deutschland unzureichende Vitaminzufuhr in verschiedenen Altersgruppen beider Geschlechter D er Mensch ist auf eine regelmäs- sige Zufuhr von Vitaminen mit der Nahrung angewiesen, da sie für den Stoffwechsel notwendig sind, der Kör- per jedoch nicht oder nur unzureichend zur Biosynthese in der Lage ist. Ein Vitaminmangel kann lebensbedro h l i c h e Formen annehmen. Die Geschichte der Vitamine beginnt schon lange vor der Identifizierung des ersten Vitamins durch die Wissenschaft. Bereits in der vorchristlichen Zeit waren Krankhei- ten bekannt, die sich durch die Gabe bestimmter Lebensmittel besserten. Heute sind Vitamine chemisch identi- fiziert und können als Medikament na- hezu unbegrenzt zugeführt werden. Gleichwohl stellt sich die Frage, inwie- weit Vitaminmangel in unserer Zeit und in unserer industrialisierten Ge- sellschaft überhaupt noch eine Rolle spielt. Dennoch scheint die Vitamin- v e r s o rgung, auch in Deutschland, nicht immer ausreichend zu sein. Historische Aspekte Bereits 2600 vor Christus wurde die Thiaminmangelkrankheit Berberi in China beschrieben. Es handelt sich so- mit um die älteste dokumentierte Man- gelerkrankung [1]. Ebenfalls seit lan- gem bekannt und gefürchtet ist der Skorbut, die Folge eines Vitamin-C- Mangels. Ende des 15. Jahrhunderts verlor Vasco da Gama während der Umseglung von Kap Horn mehr als einhundert seiner 160 Besatzungsmit- glieder durch den Skorbut [1]. Kno- chenkrankheiten aufgrund ungenü- gender Sonnenlichtexposition durch religiöse und kulturelle Bräuche, sind bereits seit dem Altertum bekannt und von WHISTLER im Jahr 1645 beschrie- ben worden [1]. Obwohl es zu jener Zeit noch keine Kenntnis über die genauen Ursachen für solche Erkran- kungen gegeben hat, waren schon The- rapiemöglichkeiten bekannt. Nacht- blindheit wurde bereits 2500 vor Chris- tus mit Leber oder Leberextrakten behandelt [1]. Auch die Erkenntnis, dass frisches Obst vor Skorbut schützt gibt es seit 500 Jahren. Die Zeit der eigentlichen Erforschung der Vitamine liegt in der ersten Hälfte des zwanzigs- ten Jahrhunderts. Im Jahr 1911 be- zeichnet KASIMIR FUNK einen aus Reis- kleie isolierten Faktor, der die Heilung der Beriberi-Krankheit ermöglichte, erstmals als Vitamin [1]. Seitdem ist Vitamin ein Oberbegriff für organische Verbindungen, die für den Menschen Vitaminforschung und ernährungsmedizinische Aspekte des Vitaminmangels haben eine lange Geschichte, die auch in der heutigen Zeit noch nicht abgeschlossen ist. Vita- mine sind essentielle Substanzen, die keine Energie liefern, jedoch für Erhaltung und Wachstum des Körpers notwendige Aufgaben erfüllen. Eine Zufuhr über die Nahrung ist notwendig. Neben neuen Erkenntnissen über die Funktionen und Wirkmechanis- men ist auch der Grad der Vitaminversorgung von Bedeutung. Für den Menschen ist es lebensnotwendig, dass die tägliche Zufuhr den Bedarf deckt. Ist dies nicht der Fall, kommt es langfristig gesehen zu einer Unterversorgung, die sich über unspezifische Symptome schliesslich in den spezifischen, klinischen Symptomen eines Mangels ma- nifestieren kann. Zu den Risikogruppen gehören beispielsweise Schwangere und Se- nioren. Sie haben durch einen erhöhten Bedarf an einzelnen Vitaminen ein höheres Ri- siko, dass die in Mitteleuropa üblichen Ernährungsgewohnheiten ihren Bedarf nicht ausreichend decken. Die Daten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. deuten auf eine unzureichende Vitaminzufuhr in verschiedenen Altersgruppen beider Geschlechter hin. Schlüsselwörter: Vitamine, Vitaminmangel, Bedarf, Zufuhr, Versorgungslage Vitamin deficiency in western countries, part 1 Also in germany insufficient intake of vitamins throughout several age-groups of both sexes The research of vitamins and the medical aspects of vitamin deficiency have got a long history which has not ended yet. Vitamins are essential substances, who do not sup- ply energy, but fulfill necessary jobs for preservation and growth of the body. They have to be provided by the daily diet. Apart from new discoveries concerning the vita- mins’ functions and mechanisms of action, also the degree of vitamin supply is impor- tant. It is essential for the human that daily intake meets the demand. Otherwise a vit- amin deficiency will develop, which will manifest over nonspecific symptoms in spe- cific clinical symptoms. Part of risk groups are pregnant women and elderly people. Caused by an elevated requirement of individual vitamins, they live at higher risk of not meeting their demands through the usual central European nutrition habits. The data published by the German Association of Nutrition (DGE e. V.) verify an insufficient intake of vitamins throughout several age-groups of both sexes. Key words: Vitamins, vitamin deficiency, requirement, intake, situation of supply Schweiz. Zschr. GanzheitsMedizin Jg.17, Heft 3, April 2005 157 Schweiz. Zschr. GanzheitsMedizin 17, 157–161 (2005). © Verlag für GanzheitsMedizin, Basel. www.ganzheitsmedizin.ch Originalien