Kognitives Fertigkeitstraining in der polizeilichen Praxis Mario Staller Konferenz „Didaktik der Polizeipsychologie“, Frankfurt a. M., Juni 2013 1 Kognitives Fertigkeitstraining in der polizeilichen Praxis - Möglichkeiten eines psychologisch gestützten Einsatztrainings Mario Staller University of Liverpool Zusammenfassung Der vorliegende Beitrag zeigt Möglichkeiten eines kognitiven Fertigkeitstrainings in der polizeilichen Praxis auf. Dabei werden vier Verfahren der angewandten Sportpsychologie vorge- stellt, um die Leistungsfähigkeit in kritischen Bewährungssituationen auf psychischer Ebene op- timal zu unterstützen. Im Einzelnen sind dies die Atementspannung im Rahmen der Aktivations- regulation, die Selbstgesprächsregulation, das Mentale Training und die Erhöhung der Selbst- wirksamkeitserwartung mittels Prognosetraining. Die Wirkungsweise der Verfahren wird erläutert und Transfermöglichkeiten in den polizeilichen Bereich vorgestellt. Einleitung Die Leistungen von Polizeivollzugsbeamten in kritischen Situationen ist vergleichbar mit Athleten, welche im leistungssportlichen Kontext im Wettkampf Leistung erbringen müssen. Derartige Situationen sind geprägt von negativen Konsequenzen im Versagensfall, der Nicht- wiederholbarkeit der Situation, einer öffentlichen Leistungserbringung sowie der Fremdbe- stimmtheit des Zeitpunktes der Leistungserbringung (DeWiggins, Hite & Alston, 2010; Driskell & Johnston, 1998; Mayer & Hermann, 2009; Staller, 2011). Optimale Leistung zum definierten Zeitpunkt ist hierbei das oberste Ziel (Immenroth, Eberspächer & Hermann, 2008). Entspre- chend erscheint es nicht verwunderlich, dass Murray (2004) darauf hinweist, dass in Bezug auf das Versagen unter Druck Parallelitäten zwischen Athleten und Polizeibeamten bestehen. Der regelmäßig trainierende Polizeibeamte bereitet sich üblicherweise im sogenannten Einsatztraining auf den „Ernstfall“ vor. Das Training dient dazu, im Ernstfall die persönliche Leis- tung abrufen zu können, um das präventive und repressive Spektrum des polizeilichen Handelns abzudecken. Der Leistungssportler folgt einer ähnlichen Systematik: Er oder sie trainiert, um im Wettkampf die individuelle Leistung auf höchstem Niveau zu präsentieren und Handlungen stabil auszuführen zu können. Neben dem körperlichen Training nutzen Leistungssportler die Expertise von Sportpsy- chologen, um im Rahmen der Vorbereitung auf Wettkampfhöhepunkte kognitive Fertigkeiten gezielt zu erwerben, zu stabilisieren und zu optimieren (Birrer & Morgan, 2010; de Guast, Golby, Van Wersch & d'Arripe-Longueville, 2013; Eberspächer, Immenroth & Mayer, 2002). Im Mittel- punkt steht hierbei stets die Steigerung der Kompetenz, um mit Belastungen in Leistungssituati-