REZENSION
https://doi.org/10.1007/s11612-020-00504-2
Gr Interakt Org
Rezension zu Kauffeld & Othmer (Hrsg.) (2019). Handbuch Innovative
Lehre
Wiesbaden: Springer. 470 Seiten. 59,99. ISBN 978-3-658-22796-8
Niclas Schaper
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© Der/die Autor(en) 2020
Das Thema Digitalisierung wandelt nicht nur die Techni-
klandschaft, auch die Kultur in Organisationen verändert
sich. „Neue Wissensformen gehen einher mit neuen Mög-
lichkeiten des Lehrens und Lernens und werfen Fragen zur
Aktualität vieler traditioneller und als selbstverständlich er-
achteter Lehrformen auf, die nicht zuletzt unser Selbstver-
ständnis als Lehrende und die Hochschule als Ganzes irri-
tieren können. Für jeden und jede Einzelne stellen sich viele
neue, teils sehr konkrete, aber ebenso abstrakte Fragen [...]“
– so formulieren es die Herausgeber.
Noch vor der Beantwortung dieser konkreten Fragen
wird zu Beginn des Buches am Beispiel der TU Braun-
schweig erläutert, wie innovative Lehr- und Lehrideen
nachhaltig an der Hochschule verankert werden können
und diese die Lehr-Lernkultur verändern können. Dies
geschieht, wie insgesamt in diesem Buch, auf eine sehr
anschauliche Art und Weise. Es gibt eine Vielzahl von
Hinweisen, die praxisorientiert vor dem Hintergrund der
aktuellen Literatur zu Veränderungsprozessen reflektiert
werden. Wie kann es gelingen die Universität in Bewe-
gung zu bringen? Wie können einzelne Innovationsprojekte
die Universität verändern? Wie können Innovationsprojek-
te über Transferprojekte in die Breite getragen werden?
Welche Bedeutung können Akademische Fachzirkel für
Neuerung haben? Wie kann eine lebendige Community
aufgebaut und aufrechterhalten werden? Wie kann die
Energie Einzelner, strategisch gebündelt und in Struktu-
ren verortet werden? Wie können Kommunikationsformate
genutzt werden, um den Veränderungsprozess zu unterstüt-
zen? Welche Bedeutung können Lehrpreise einnehmen?
Prof. Dr. Niclas Schaper
niclas.schaper@upb.de
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Institut für Humanwissenschaften – Fach Psychologie,
Universität Paderborn, Paderborn, Deutschland
Wie können diese Veränderungen evaluiert werden? In
einem umfangreichen Rahmungskapitel werden auf die-
se Fragen Antworten gegeben, die zum Weiterdenken für
eigene Veränderungsprozesse im Transformationsprozess
genutzt werden können. Darüber hinaus wird beschrieben,
wie man von der schonungslosen Reflektion des konse-
quent umgesetzten Veränderungsprozesses durch zentrale
Akteure im Prozess profitieren kann.
Die beiden Herausgebenden, Simone Kauffeld, Inhabe-
rin des Lehrstuhls für Arbeits-, Organisations- und Sozial-
psychologie der TU Braunschweig und bis 2018 als Vize-
präsidentin zuständig für den Aufbau der Innovativen Leh-
re und der Medienbildung sowie Julius Othmer, Verant-
wortlicher für die Projektgruppen in Studium und Lehre an
der TU Braunschweig, haben gemeinsam mit weiteren zen-
tralen Akteur/-innen ihren Weg an der TU Braunschweig,
fachkundig beschrieben. Darüber hinaus haben sie in die-
sem Buch 34 praxisrelevante und dennoch theoretisch fun-
dierte Beiträge zusammengebracht, rund um die Themen
forschendes Lernen, mobiles Lernen, problemorientiertes
Lernen, Game-based Learning, Inverted Classroom und Vi-
sualisierung.
Die Begeisterung der Autor/-innen für diese Methoden
und Möglichkeiten neuer Lehr-Lern-Konzepte, spiegelt sich
in diesem Buch. Die renommierten sowie durch Preise und
Fördermittel ausgezeichneten Lehrenden stammen aus un-
terschiedlichen Fachrichtungen sowie verschiedenen Uni-
versitäten und Fachhochschulen in Deutschland. Neben den
Praxisbeispielen von der TU Braunschweig, beschreibt z. B.
Malte Persike von der Universität Mainz seine Erfahrungen
und Erkenntnisse bei der Einführung des „Blended-Learn-
ing-Ansatzes“ in Großveranstaltungen und thematisiert da-
bei nicht nur die Bedeutung digitaler Lernformate, sondern
vor allem den Umgang mit den Studierenden in diesem
Kontext (Thema: Inverted Classroom).
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