NEUE HISTORISCHE LITERATUR / BUCHBESPRECHUNGEN 19.–21. JAHRHUNDERT 277 Eine zunehmende „Eroberung“ (S.361) der Region durch Bukarest war ab 1920 ein erster Schritt eines forcierten Zentralisierungsprozesses, der in wenigen Jahren die siebenbürgische Verwaltung zu einem verlängerten Arm der Regierung degra- dieren und die Bruchstellen der „großrumänischen“ Gesellschaft vertiefen sollte. Spätestens mit der Verfassung von 1923 wurde das Vorgehen als „einseitiger Kultur- transfer“ und sukzessive als „Nivellierung auf ,walachisches‘ Niveau“ (S.15) emp- funden. Daraus resultierte jedoch auch ein paradox anmutender regionaler und na- tionaler Integrationsprozess, der vor allem parteipolitisch motiviert war. Ein Groß- teil der Siebenbürger Rumänen „wehrte sich auf gesamtstaatlicher Ebene gegen das, was sie auf regionaler Ebene selbst“ (S.372) vollzogen: „Die soziale Nivellierung, die im ,großrumänischen‘ Rahmen für Siebenbürgen Nachteile brachte, war auf regio- naler Ebene – entlang ethnonationaler Leitlinien – erwünscht“ (S.372). Nach 1933 war die „,Transsilvanisierung‘ Rumäniens“ (S.375) gescheitert – das demokratische Fundament „Großrumäniens“ hatte sich als kaum tragfähig erwie- sen. Neben enttäuschten Erwartungen und der Wirtschaftskrise führte auch eine „Gefahr, die von der Heterogenität der rumänischen Gesellschaft auszugehen schien“ (S.375), zu einer Radikalisierung und Autokratie. Dadurch erhält die Unter- suchung einen wertvollen aktuellen Bezug, denn autoritäre Gesellschaftskonzepte zeigen sich auch gegenwärtig in politischen Debatten und nationalen Geschichts- schreibungen in Teilen Europas, und es wiederholen sich ideologische Argumenta- tionsmuster und diskursive Strategien. Indem Kührer-Wielachs Untersuchung deutlich macht, worauf sie basieren können, trägt sie auch dazu bei, diese zu erken- nen und zu entlarven. Armin Heinen / Oliver Jens Schmitt (Hrsg.), Inszenierte Gegenmacht von rechts. Die „Legion Erzengel Michael“ in Rumänien 1918–1938. (Südosteuropäische Arbeiten, 150.) München, Oldenbourg 2013. 400 S., € 54,95. // doi 10.1515/hzhz-2016-0361 Edda Binder-Iijima, Göttingen Die rumänische faschistische Bewegung, bekannt unter der Bezeichnung „Die Legi- on des Erzengels Michael“ oder „Die Eiserne Garde“, wurde in der Zeit von 1927 bis 1938 zu einer der populärsten und stärksten Faschismusbewegungen in Europa. Ge- führt von ihrem charismatischen Begründer Corneliu Zelea Codreanu, zeichnete sie