Linguistische Berichte Sonderheft 16 . © Helmut Buske Verlag 2009 . ISSN 0935-9249 Überlegungen zur pränominalen Nicht-Restriktivität Cathrine Fabricius-Hansen 1 Einstieg * Die Dichotomie restriktiv  nichtrestriktiv (auch: appositiv, parenthetisch, ex- plikativ, ...) ist mit Bezug auf Relativsätze allgemein verbreitet. Bekanntlich können Relativsätze in dieser Hinsicht auch mehrdeutig sein  wenigstens in der Schrift und losgerissen vom Kontext; vgl. (1). (1) a. Die Studierenden, die weitgehend von Stipendien leben, erhalten einen Mietzuschuss. b. Diejenigen Studierenden, die weitgehend von Stipendien leben, erhal- ten einen Mietzuschuss. c. Die Studierenden  sie leben weitgehend von Stipendien  erhalten einen Mietzuschuss. Gegenstand dieses Beitrags sind jedoch nicht in erster Linie Relativsätze, son- dern nichtrestriktive pränominale Adjunkte. Denn auch vorangestellte Attribute kommen zumindest in den germanischen Sprachen in restriktiven und nichtre- striktiven Varianten vor; vgl. (2) und die nichtrestriktive Modifikation in (3). (2) a. Die schlecht verdienenden Studierenden erhalten einen Mietzuschuss. b. Diejenigen Studierenden, die schlecht verdienen, erhalten einen Miet- zuschuss. c. Studierende  sie verdienen schlecht  erhalten einen Mietzuschuss. (3) Eine Therapie, so fürchtete beispielsweise der norwegische Maler Ed- vard Munch (18621944), könne seine Schaffenskraft auslöschen. Ich möchte diese Leiden behalten, sie sind Teil von mir und meiner Kunst, erklärte der manisch-depressive Norweger seinen extremen Stimmungs- schwankungen zum Trotz. (Gehirn & Geist 5/2004: 52) Interessant ist diese Thematik aus mehreren Gründen: Zum einen ist der Begriff der (Nicht-)Restriktivität nicht so wohl definiert, wie es zunächst scheint. Zum anderen stellt die Beschreibung nichtrestriktiver Adjunkte insofern eine theoreti- sche Herausforderung dar, als Syntax und Semantik  wie die Paraphrasen (1b), * Vorstadien dieses Beitrags wurden auf dem Symposium zu Ehren von Arnim von Stechow in Tübingen 03/2007, auf dem 9. LIPP-Symposium in München 06/2007, der Budapester Germanisten- konferenz Zwischen Grammatik und Pragmatik 10/2007, am Institut fur Deutsche Sprache in Mannheim 12/2007, an der Universität Oslo 11/2008 und beim Kolloquium zu Ehren von Marga Reis in Tübingen 03/2009 präsentiert. Ich danke den Teilnehmern an diesen Veranstaltungen für sehr nützliche Kommentare und Diskussionen. (S. auch Fabricius-Hansen 2009). Die vorliegende Fassung widme ich Marga Reis anlässlich ihrer Verabschiedung  mit einem herzlichen Dank an beide Herausgeberinnen für wohl angebrachte Straffungsvorschläge.