Z Epileptol 2012 · 25:125–127
DOI 10.1007/s10309-012-0238-6
Online publiziert: 14. April 2012
© Springer-Verlag 2012
B.J. Steinhoff
Epilepsiezentrum Kork, Kehl-Kork
Frühzeitiger Einsatz
von Everolimus
Frage an den Experten
Sachlage
Die Expertenfrage beschäftigt sich dies-
mal mit einem wichtigen neuen neuro-
pädiatrischen Thema, das Dr. Silvia Vie-
ker (Witten-Herdecke) angesprochen hat.
Die Therapie mit Immunmediatoren wie
Everolimus eröffnet eine faszinierende
Perspektive, ergeben sich doch Hinweise
auf die Möglichkeit der ursächlichen The-
rapie der subependymalen Riesenzellas-
trozytome („subependymal giant cell as-
trocytoma“, SEGA) bei Kindern mit tube-
röser Sklerose (TSC), die darüber hinaus
als ermutigende Begleiterscheinung einen
erheblichen antikonvulsiven Effekt haben
kann. Da liegt es nahe, daran zu denken,
die Substanz möglicherweise auch außer-
halb der ureigenen Indikation als Anti-
konvulsivum oder auch schon sehr früh-
zeitig bei Patienten mit TSC einzusetzen.
Diese Fragestellung ist Thema der Falldar-
stellung und Frage von Frau Vieker, zu der
sie selbst Stellung bezieht und zu der sich
nach Anfrage der Zeitschrift für Epilep-
tologie Rudolf Korinthenberg (Freiburg)
und Adelheid Wiemer-Kruel (Kork) als
Experten erklären.
Falldarstellung
Es handelt sich um einen jetzt 19 Monate
alten Jungen mit einer TSC. Erstsymptom
war ein febriler Status im Rahmen eines
Luftwegsinfekts im Alter von 10 Monaten.
Die psychomotorische Entwicklung
des Kindes ist sehr gut. Im Gegensatz da-
zu zeigt das MRT das „volle Programm“:
zahlreiche Tubera und subenpendymale
Knötchen; ein kontrastmittelanreichern-
der Knoten subependymal links am Fo-
ramen Monroi ist verdächtig auf ein SE-
GA. In der aktuellen MRT-Verlaufskon-
trolle zeigte sich keine Veränderung bzw.
Wachstumstendenz.
Der Junge wurde nach Diagnosestel-
lung auf Oxcarbazepin (OXC) eingestellt.
Er hatte bisher nie unprovoziert epilepti-
sche Anfälle. Somit erfüllt er, streng ge-
nommen, nicht die Kriterien einer Epi-
lepsie. Das EEG dokumentierte vor anti-
konvulsiver Einstellung eine kontinuier-
liche irreguläre Verlangsamung und aus-
geprägte epilepsietypische Aktivität links
temporal okzipital. Nach Einstellung be-
standen nur noch eine diskrete regiona-
le Verlangsamung sowie ausschließlich im
Schlaf nachweisbare seltene epilepsietypi-
sche Aktivität links temporal parietal und
okzipital.
Jetzt kam es das zweite Mal nach Ein-
stellung zu einem schweren konvulsiven
febrilen Status, der sogar eine Thiopental-
narkose erforderte. Glücklicherweise hat
das Kind den Status ohne neurologische
Schädigung überstanden. Expertenfrage:
Wie ist Ihre Meinung in diesem Fall
zum Einsatz von Everolimus?
Expertenantworten
Silvia Vieker (Witten-Herdecke)
Meine Entscheidung
Ich habe mich gegen Everolimus entschie-
den.
Bei einem Kind mit häufigen fieber-
haften viralen Infekten möchte ich kein
T-Zell-immunsuppressives Medikament
einsetzen.
Die antikonvulsive Wirkung von
Everolimus ist zwar aufgrund des Wirk-
mechanismus wahrscheinlich, aber
(noch) nicht belegt. Um einen antikon-
vulsiven Effekt zu erreichen, wäre ja auch
eine Dauer- bzw. mindestens sehr lang-
fristige Therapie erforderlich, die ein
recht hohes Risiko einer Immunsuppres-
sion birgt. Es gibt keine Zulassung we-
der in der Altersklasse noch mit der In-
dikation einer antikonvulsiven Therapie.
Das Vorhandensein eines Knoten am Fo-
ramen Monroi rechtfertigt nicht die pro-
phylaktische Therapie eines SEGA.
In der Phase-II-Zulassungsstudie von
Votubia® traten immerhin in 79–84% der
Fälle leichte Infekte der Atemwege auf,
ebenso signifikant häufiger Otitiden, in
der Phase-III-Studie EXIST-1 sehr häufig
Mundulzera und Stomatitis, auch leicht si-
gnifikant häufiger Krampfanfälle und Fie-
ber.
Mein Vorgehen
1. Der Junge hat häufige fieberhafte In-
fekte. Eine konsequente Antipyrese ab
38°C wurde bereits durchgeführt. Bei
dem letzten Status stieg die Körper-
temperatur 2 h nach der letzten Ibu-
profengabe trotzdem bis 39,7°C an;
dies führte zu dem fokal eingeleiteten,
sehr rasch generalisierten Status epi-
lepticus.
Auch während des stationären Auf-
enthalts war im Rahmen des Infekts
ein sehr rascher Fieberanstieg be-
merkbar. Um die Temperatur konse-
quent zu senken, war eine Kombina-
tion von Paracetamol, Ibuprofen und
Metamizoldauerinfusion erforderlich.
Die Eltern haben den Wunsch, das
Kind bei dem nächsten fieberhaften
Infekt umgehend vorzustellen. Das
Kind wird dann stationär für 2 Tage
aufgenommen, um unter kontinuier-
licher Temperaturkontrolle (per Tem-
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