A T F - A N E R K A N N T E F O R T B I L D U N G K L E I N T I E R . K O N K R E T – C V E wildlebende Nagetiere (u. a. Ratten und Mäuse) zu sein, die Rolle anderer Wild- tiere (z. B. Reh, Hirsch, Dachs, Fuchs und Biber) in der aktuellen Epidemiologie ist noch unklar. Domestizierte Wiederkäuer können ebenfalls als Träger bzw. Aus- scheider bedeutend sein, weshalb diese Tierarten in vielen Ländern seuchenpoli- zeilich überwacht werden. In mehreren Studien wurden deutlich höhere Prävalenzen bei unkastrierten Rüden als bei Hündinnen beobachtet, was oft durch die erhöhte Exposition der Rüden gegenüber Risikofaktoren in der Umwelt (Harnlecken etc.) erklärt wird. Eine ähnliche Prädisposition bei Män- nern gegenüber Frauen wurde auch in der Humanmedizin berichtet und es wird über eine mögliche Rolle hormonel- ler Faktoren diskutiert. Klinik Zu den wichtigsten klinischen Manifes- tationen der Leptospirose beim Hund ge- hören: ● akutes Nierenversagen ● Hepatopathie ● Lungenblutungen ● Gerinnungsstörungen Die Zusammensetzung der verschiede- nen Organbeteiligungen ist individuell verschieden und der Schweregrad der Erkrankung variiert von leichtgradiger subklinischer Läsion bis hin zum lebens- bedrohlichen multiplen Organversagen. Interessanterweise können sowohl das Spektrum an Organmanifestationen wie auch der Schweregrad der Erkrankung geografsch und von Jahr zu Jahr sehr variabel sein. So prädominiert z. B. an einem Ort oder zu einer gewissen Zeit die Lebermanifestation, während in einer anderen Region oder zu einem anderen Historisch bedingt werden Leptospiren aufgrund ihrer Seroreaktivität in ver- schiedene Serovare eingeteilt. Diese Antikörperinduktion basiert auf unter- schiedlichen Kohlenhydratbestandteilen der Oberfächen-Lipopolysaccharide, so- dass bisher über 250 pathogene Sero- vare identifziert wurden. Antigenetisch verwandte Serovare mit Kreuzreaktion bei serologischen Tests werden in Sero- gruppen eingeteilt. Neuere, auf einer genetischen Typisierung der Stämme basierende Einteilungssysteme wurden vorgeschlagen, um die manchmal ver- wirrende Klassifkation in Serovare zu ersetzen. Diese Systeme haben sich je- doch noch nicht wirklich durchgesetzt. Leptospiren überleben in der Umwelt entweder frei in kontaminiertem Ge- wässer und feuchten Gebieten oder als persistierende asymptomatische Infek- tion in Trägertieren. In unseren Breiten- graden stellt das Trägertum in Wirts- tieren einen wichtigen Mechanismus für das Überleben der Bakterien in den kal- ten Wintermonaten dar, da die der Wit- terung ausgesetzten Leptospiren bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ebenso schlecht überleben wie unter trocken-heißen Umständen. Unter güns- tigen Bedingungen – warm und feucht – können die Erreger allerdings monate- lang in der Umwelt überleben. Empfängliche Wirtstiere infzieren sich v. a. in der Zeit von Frühling bis Herbst: ● vorwiegend indirekt über kontami- nierte stehende Gewässer oder ver- seuchtes Futter ● seltener durch direkten Kontakt mit Trägertieren Die Bakterien treten über Schleimhäute und Hautläsionen in den Körper ein. Eine transplazentare Übertragung oder eine Ansteckung über die Muttermilch wurde beim Menschen beschrieben. Die Haupt- überträger in unseren Regionen scheinen Die Leptospirose ist eine der wichtigsten Zoonosen weltweit. Die Krankheit kann durch über 250 pathogene Serovare von Leptospira interrogans verursacht werden, was ihre Diagnose und Prophy- laxe erheblich erschweren kann. Klinisch manifestiert sich die Infektion beim Hund in den meisten Fällen als Nie- renversagen, z. T. auch als Leberversagen, Lungenblutungen oder selten als syste- misches hämorrhagisches Syndrom. Die einzelnen Manifestationen variieren in- dividuell sehr stark im Schweregrad, von subklinischer Läsion bis hin zum multi- plen Organversagen. Obwohl die Infek- tion v. a. auch beim Menschen typischer- weise in tropischen und subtropischen Ländern auftritt, ist die canine Lepto- spirose in unseren Breitengraden weit verbreitet und gilt als Klassiker unter den Hundekrankheiten, mit in den letzten Jahren wieder steigender Prävalenz. Fun- dierte Kenntnisse ihrer Biologie sind wichtig für eine frühzeitige korrekte Diagnose und somit für einen guten Be- handlungserfolg. Epidemiologie und Pathogenese Leptospirose ist eine bakterielle Zoo- nose, verursacht durch gram-negative spiralförmige Spirochäten der Gattung Leptospira. Sie ist eine der wichtigsten Zoonosen weltweit mit höchster Präva- lenz beim Menschen in Entwicklungs- ländern in tropischen oder subtropi- schen Gegenden. Sie kommt aber auch in Industrieländern vor, wo ihr Auftreten zudem nicht mehr nur auf ländliche Ge- biete begrenzt ist. Weltweit wird ihre Inzidenz auf 1,7 Millionen schwere Fälle und 120 000 Todesfälle pro Jahr ge- schätzt. 30 Francey et al., Leptospirose beim Hund – ein Update Enke Verlag | kleintier.konkret, 2014; 1: 30 – 37 hund.leptospirose 1h Leptospirose beim Hund – ein Update Thierry Francey, Ariane Schweighauser Heruntergeladen von: IP-Proxy CONSORTIUM:SchweizerHochschulen (UniBern), Universitätsbibliothek Bern. Urheberrechtlich geschützt. source: https://doi.org/10.7892/boris.59593 | downloaded: 2.6.2020