Technische Fachhochschule Wildau Wissenschaftliche Beiträge 2004 48 Zusammenfassung Die Fähigkeit der Selbstorganisation eines lebensbeglei- tenden Lernens wird immer entscheidender für die Mit- arbeiter von Unternehmen und modernen Verwaltungen. Eine Kompetenz, die ebenso im Prozess des eLearnings unabdingbar ist. Daher muss die (Fach-)Hochschulaus- bildung im IT-Bereich den veränderten Bedingungen angepasst werden, so dass praxisorientiert an aktuellen, komplexen Themen zunehmend selbstorganisiert gelehrt und gelernt werden kann. Mit der Unterrichtsmethode des selbstorganisierten Lernens (SOL) sollte es im Hoch- schulbereich gezielter als bislang gelingen, Fach-, Me- thoden- und Sozialkompetenz zur Handlungskompetenz unserer Absolventen zu verschmelzen. Die Rolle der Lehrenden geht über in die von Moderatoren, Beratern und Unterstützern der individuellen und kooperativen Lernprozesse. Die Qualität der Qualifizierung unserer Absolventen als spätere Mitarbeiter von Wirtschafts- unternehmen oder öffentlicher Verwaltungen wird in einer „passgenaueren“ Qualifizierung mit verantwor- tungsbewusster Fähigkeit zur Selbstorganisation bei beruflichen Herausforderungen münden. Dieser Beitrag fasst den Lehr- und Forschungsgegenstand der Autorin zum Selbstorganisierten Lernen unter grundsätzlichen Aspekten zusammen und bildet somit die „Langfassung“ bisheriger Präsentationen und Vorträge zum Thema. Mit Blick auf eine Integration von SOL und eLearning wer- den am Ende des Artikels derzeitige Anforderungen an eLearning-Systeme aus der Sicht des selbstorganisierten Lernens zusammengefasst. 1 Motivation Veränderungen in der modernen Berufs- und Arbeitswelt und damit im gesamten Umfeld der Hochschulausbildung geben Anlass, das Lehren und Lernen neu zu überdenken. Das angestrebte selbstorganisierte Lernen (SOL), das im weiteren Verlauf des Beitrags noch eingehend behandelt wird, ist dabei nicht zu verwechseln mit einem gänzlich selbstbestimmten Lernen der Lernenden. Vielmehr wird nach Herold und Landherr [1] angestrebt, den Vorgaben der Lehrenden entsprechend, die Strukturierung des Lernprozesses während der Unterrichtszeit durch die Lernenden selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Dieses Konzept der beiden Studiendirektoren wurde von der Autorin in den vergangenen Semestern in ausgewählten Anwendungsfeldern der IT-Ausbildung am Fachbereich Wirtschaft, Verwaltung und Recht (FB WVR) der Techni- schen Fachhochschule Wildau (TFHW) adaptiert und mit Studierenden der beiden Studiengänge „Verwaltung und Recht“ (VR) und „Wirtschaft und Recht“ (WR) erprobt, deren Hintergrund die öffentliche Verwaltung und die verwaltungs- bzw. dienstleistungsorientierte Wirtschaft bilden. Brandenburg war das erste Bundesland der Bundesrepu- blik Deutschland, das seine ursprünglich interne Ausbil- dung für den gehobenen nichttechnischen öffentlichen Dienst bereits 1997 externalisierte und als eigenständige, modernisierte Studiengänge an der TFHW etablierte. Öffentliche Verwaltung und dienstleistungsorientierte Wirtschaft sind die Informationsverarbeiter per se. Deshalb bleibt der Einsatz der Informationstechnik auch in unseren Studiengängen WR und VR weiterhin und vermehrt von großer Bedeutung, selbst wenn einige Studierende die entscheidende Bedeutung der modernen Medien für ihr späteres Arbeitsleben anfangs nicht im vollen Umfang erkennen. Aktuelle IT-Aktivitäten werden im Umfeld von WR und VR derzeit unter dem Schlagwort „eGovernment“ bzw. „eGovernance“ geführt, sei es im Zuge der Verwaltungsmodernisierung oder sei es durch diverse aktuelle Online-Projekte von Bund, Ländern und Kommunen, in denen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft beispielsweise Internetportale auf- gebaut, Verfahren unter Nutzung der digitalen Signatur getestet und mögliche Abwicklungen von Geschäfts- bzw. Verwaltungsprozessen verfolgt werden. Darüber hinaus verweist eine aktuelle eGovernment-Studie des Institute of Electronic Business (IEB) [2] auf einen für unsere Studiengänge interessanten Aspekt beim Aufbau von Portalen der öffentlichen Verwaltung: „Die von den Unternehmen geäußerten Wünsche bezogen sich zu 14,7 % auf Angebote rund um das Thema Recht. Es sollte ein Informationsportal für Gesetze, Verordnungen und Richtlinien geben, das mit einer intelligenten Suchsoft- ware das leichte Auffinden von Inhalten mit Agenten ... ermöglicht.“ Dieser Gegenstandsbereich wird für unsere zukünftigen Verwaltungswirte und Wirtschaftsjuristen somit von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Die zunehmend praktische Verquickung von Recht und Infor- matik sollte sich verstärkt in der Ausbildung moderner Studiengänge widerspiegeln, wozu allerdings besondere Rahmenbedingungen notwendig sind. Veränderungsprozesse der Berufs- und Arbeitswelt sind immer auch mit Lernprozessen verbunden, die zuneh- mend zum lebensbegleitenden Lernen werden. Alterna- tive Lernwege vor allem auf elektronischem Wege sollen helfen, individuellen Schulungs- und Beratungsbedarf unabhängig vom Ort zeitnah abzudecken und darüber die Qualität der Qualifizierung zu verbessern. Doch der ursprünglichen Euphorie für eLearning folgte die IT-Didaktik: Selbstorganisiertes Lernen in der IT-Ausbildung und eLearning Margit Scholl