Bericht zum 50. Kongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft 2004 S.188-190 Stüdeli, T. & Menozzi, M. 2004: Analyse visueller Tätigkeiten [Analysis of Visual Tasks], In: Bericht zum 50. Kongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft vom 24. bis 26. März 2004 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich/ herausgegeben von der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft e.V., Dortmund: GfA-Press, 2004. 187-190. ISBN 3-936804-00-1. Analyse visueller Tätigkeiten Thomas STÜDELI und Marino MENOZZI Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich ETH-Zentrum, Clausiusstrasse 25, CH-8092 Zürich Kurzfassung. Die Leistungsfähigkeit des visuellen Systems kann ein bestimmender Faktor der Arbeitsleistung sein, insbesondere bei fordernden oder belastenden Tätigkeiten, welche heute mehr und mehr zunehmen. Die computerunterstützte Arbeit ist oft reich an visuellen Arbeitsaufgaben und visuell belastenden Tätigkeiten, die Verbesserung der visuellen Arbeitsfähigkeit und die Reduktion der visuellen Beanspruchung stellen deswegen hohe Anforderungen an den Spezialisten. Als Grundlage für Massnahmen in der 'Visuellen Ergonomie' hat sich die auf die visuellen Fähigkeiten des Menschen fokussierte 'Visuelle Tätigkeitsanalyse' mit einer Bewertung der visuellen Belastung und/oder Beanspruchung bewährt. Die Arbeit stellt eine umfangreiche Analyse der visuellen Arbeit und einen systematischen Ansatz zum Umgang mit tätigkeitsspezifischen visuellen Beschwerden vor (Reduktionsmethode). Schlüsselwörter: Visuelle Arbeitsplatzanalyse, Visuelle Belastungs- faktoren, asthenopische Beschwerden, Reduktionsmethode 1. Einleitung Die Ergonomie als Wissenschaft der menschengerechten Arbeitsgestaltung beinhaltet sowohl das Verständnis der Fähigkeiten und Bedürfnissen des Menschen als auch die fundierte Auseinandersetzung mit der Arbeitssituation. Eine Verbesserung der Leistung kann durch Anpassung der Tätigkeit an die spezifischen Fähigkeiten des Menschen erreicht werden. Für die Leistung kann die Fähigkeit des Sehapparates eine wesentliche Rolle spielen, insbesondere bei visuell fordernden oder belastenden Tätigkeiten (u.a. Megaw 1979). Heute existieren für visuelle Qualitätskontrollen, für Fahr- und Steuertätigkeiten, aber auch für Bildschirmarbeit visuelle Standards zur Erhaltung von Qualität, Sicherheit oder Gesundheit. Die auf Expertengutachten gestützten visuellen Standards von Grundfunktionen des visuellen Systems (z.B. Sehschärfe, Farbsehen) sind Gegenstand heftiger Kontroversen. Es kommt vor, dass Leute, welche eine Arbeit problemlos bewältigen können, durch die Standards ausgeschlossen werden und Leute, die einer Arbeit nicht gewachsen sind, zugelassen werden (Margrain 1998). Als Hauptkritikpunkt der heutigen visuellen Minimalanforderungen wird angeführt, dass die gemessenen Leistungen der visuellen Grundfunktionen nicht mit der Arbeitsbefähigung korrelieren. Die Bedeutung der Koordinationsfähigkeit der verschiedenen visuellen Grundfunktionen und der kognitiven Aspekte ist für die visuelle Leistungsfähigkeit unbestritten. Unklar ist aber die Bedeutung einzelner visueller Grundfunktionen, der Erfahrung und der Kompensationsmechanismen und -möglichkeiten. Vorhandene diskutierte Lösungsansätze sind: Prüfung der Arbeitsbefähigung direkt bei der Arbeit oder am Simulator, Entwicklung neuer Teststandards für integrale Funktionen (Krueger 2000). Für die Prüfung der Arbeitsbefähigung ist die 'integrative