Als Ziel der operativen Versorgung von
Frakturen des oberen Sprunggelenks gilt
die präzise Wiederherstellung der Gelenk-
mechanik.
Über ein umfassendes Verständnis der
Gelenkmechanik des oberen Sprungge-
lenks,in Verbindung mit der Analyse des
Unfallhergangs und der radiologischen
Standarddiagnostik, sollte es dabei mög-
lich sein, das knöcherne und ligamentäre
Gesamtverletzungsausmaß exakt zu defi-
nieren. Die sich daraus ergebenden chi-
rurgischen Konzepte der anatomischen
Reposition und der stabilen Retention der
Fraktur(en) sowie der adäquaten Thera-
pie der begleitenden relevanten ligamen-
tären Verletzung sollten dann zu einer
Wiederherstellung ad integrum führen.
Die operative Versorgung der Fraktur
des oberen Sprunggelenks basiert dem-
nach auf folgenden Prinzipien:
1. Verständnis der Biomechanik des
oberen Sprunggelenks
2. korrekte Definition des Gesamtver-
letzungsausmaßes insbesondere Ein-
schätzung der begleitenden ligamen-
tären Verletzungskomponente
3. adäquates operatives Konzept
4. exakte Wiederherstellung und stabile
Retention der ossären Knöchelgabel
5. adäquate Therapie der vorliegenden
begleitenden ligamentären Verlet-
zung
6. differenziertes, die Pathogenese
sowie Stabilität der Osteosynthese
Leitthema
René Grass · Achim Biewener · Stefan Rammelt · Hans Zwipp
Klinik und Poliklinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie,
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus,TU Dresden,
Aktuelle Überlegungen
zur Behandlung
von OSG-Frakturen
berücksichtigendes Nachbehand-
lungskonzept
Rekonstruktion der Knöchelgabel
Hinsichtlich der knöchernen Rekons-
truktion der Knöchelgabel und der Rei-
henfolge der operativen Schritte
1. Außenknöchel/Fibula
2. Innenknöchel
3. Volkmann-Dreieck
4. Syndesmosebesteht weitgehend
Einigkeit.
Außenknöchel/Fibula
Ziel der operativen Versorgung des(r)
frakturierten Außenknöchel(s)/Fibula ist
die korrekte Wiederherstellung der Fibu-
lalänge, -torsion sowie -achse und Reten-
tion durch Zugschraube und (Neutralisa-
tions)Platte. Zuggurtungs- oder reine
Schraubenosteosynthesen können gele-
gentlich bei dislozierten, peripheren Au-
ßenknöchelfrakturen, wie sie im Rahmen
von Supinations-Adduktions-Frakturen
(Weber-A-Frakturen) gesehen werden,
zur Anwendung kommen.
Innenknöchel
Die stabile Retention der in der Regel offen
und anatomisch exakt reponierten Innen-
knöchelfraktur gelingt über eine typische
Zuggurtungs- oder Schraubenosteosyn-
these. Plattenosteosynthesen zur Reten-
tion von Frakturen des Malleolus media-
lis sind praktisch nie indiziert.
Fraktur des Tuberculum posterius
(Volkmann-Dreieck)
Hinsichtlich der Notwendigkeit einer
Retention dislozierter Abrissfrakturen des
Tuberculum posterius (Volkmann-Drei-
eck) liegen derzeit noch keine wissen-
schaftlich fundierten Richtlinien vor, aus
denen sich anhand der Röntgenmorpho-
logie allein eine präzise Indikationsstel-
Trauma und Berufskrankheit 2 · 2003
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Trauma Berufskrankh 2003 · 5 : 141–148
DOI 10.1007/s10039-003-0726-z
Online publiziert: 15. Mai 2003
© Springer-Verlag 2003
Abb. 1 ▲ Wagstaffe-Fraktur: knöcherner Ausriss
des Lig. tibiofibulare anterius fibulaseitig