Macht und Frieden nach dem "11. September" Literaturbericht, vorgesehen für Zeitschrift für Politik, Heft 1/2003 Alexander Siedschlag Alain de Benoist (Hg.), Die Welt nach dem 11. September. Der globale Terrorismus als Herausforderung des Westens, Tübingen/Zürich/Paris 2002, Hohenrain-Verlag, 286 S. Strobe Talbott/Nayan Chanda (Hg.), Das Zeitalter des Terrors. Amerika und die Welt nach dem 11. September, München/Berlin 2002, Propyläen Verlag, 205 S. Sabine Sielke (Hg.), Der 11. September 2001. Fragen, Folgen, Hintergründe, Frank- furt/M. u. a. 2002, Verlag Peter Lang, 277 S. Petra Bendel/Mathias Hildebrandt (Hg.), Im Schatten des Terrorismus. Hintergründe, Strukturen, Konsequenzen des 11. September 2001, Wiesbaden 2002, Westdeutscher Verlag, 234 S. Die sichtbarsten Folgen des 11. September 2001 für das internationale System bestehen in zwei gegensätzlichen Trends: einerseits einer weiteren Auflösung der restlichen Formationen des Kalten Krieges (z. B. die im November 2002 beschlossene zweite Runde der Osterweiterung der NATO und die enge Anbindung Russlands an ihr strate- gisches Antiterror-Konzept), andererseits einem Wiederauftauchen bekannter Figuren internationaler Politik (z. B. die Marginalisierung der UNO und die Tendenz zur Ineins- setzung von Macht und Moral). Auch im 21. Jahrhundert und angesichts der Sicher- heitsbedrohung durch einen globalisierten Terrorismus gibt es kein Entrinnen aus den Grundgesetzen und moralischen Dilemmata der Staatenwelt. Angesichts dessen über- sehen (oder übergehen) viele, dass die Folgen des 11. September ein Validitätsbeweis für die Axiome der realistischen Schule internationaler Politik sind, insbesondere für die Außenpolitik-Theorie des Realismus, 1 wie sie klassischerweise Hans J. Morgenthau in seinem Buch Macht und Frieden 2 entworfen hat. Gerade von daher ist es übertrieben, die gut zehn Jahre zwischen dem Ende der Bi- polarisierung und dem 11. September 2001 als namenlose Zwischenzeit abzutun, die nun in eine völlig neue Struktur der Weltpolitik gemündet habe. Das ist nur dann 1 Zuletzt fehlgehend insbesondere Ernst-Otto Czempiel, Neue Sicherheit in Europa. Eine Kritik an Neorealismus und Realpolitik, Frankfurt/M. u. a. 2002, der sich zu der Behauptung versteigt, der Realismus insgesamt befasse sich nicht mit der Ebene der Außenpolitik. 2 Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963 (Am. Orig. Politics Among Nations, 1948).