Diisobutyl(phosphanyl)alan: ein einfaches PH 2 -Transferreagens zur Synthese von polyphosphanylierten Verbindungen des Siliciums und Germaniums M. Driess* und C. Monse  Bochum, Lehrstuhl fu È r Anorganische Chemie I: Moleku Èl- und Koordinationschemie der Ruhr-Universita Èt Bochum Bei der Redaktion eingegangen am 9. November 1999. Professor Gerd Becker zum 60. Geburtstag gewidmet Inhaltsu È bersicht. Durch Einleiten von PH 3 in eine Lo È sung von Diisobutylaluminiumhydrid in Hexan entsteht unter Bil- dung von H 2 die Titelverbindung [iBu 2 AlPH 2 ] 3 (4). Das Alan 4 ist in nichtkoordinierenden Solventien wie in Kohlen- wasserstoffen vermutlich trimer aufgebaut und zeigt in sol- chen Lo Èsungen nur eine geringe Tendenz zur Dissoziation. Eine nucleophile Ûbertragung der PH 2 -Gruppe von 4 auf E±X-Verbindungen der 14. Gruppe (E = Si, Ge; X = Cl) gelingt erst in Gegenwart von THF, das 4 in das koorespon- dierende monomere, THF-solvatisierte Alan 5 u È berfu È hrt. Letzteres ist ein bemerkenswert mildes Phosphanylierungs- reagens, das einen effizienteren Zugang zu Si(PH 2 ) 4 (1), Ge(PH 2 ) 4 (2), MeSi(PH 2 ) 3 (6) und EtSi(PH 2 ) 3 (7) ermo È g- licht. Diisobutyl(phosphaneyl)alane: a Simple PH 2 -Transfer Reagent for the Synthesis of Polyphosphaneyl Compounds of Silicon and Germanium Abstract. Introduction of PH 3 into a solution of diisobutyl- aluminium hydride in hexane furnishes, under evolution of H 2 , the title compound [iBu 2 AlPH 2 ] 3 (4). The alane 4 is probably trimer in noncoordinating solvents such as hydro- carbons and shows only a marginal tendency in such solu- tions to undergo dissociation. A nucleophilic transfer of the PH 2 group in 4 onto E±X-compounds of group 14 elements (E = Si, Ge; X = Cl) succeeds only in the presence of THF which transforms 4 to the corresponding monomeric, THF- solvated alane 5. The latter is a remarkable mild phospha- neylation reagent, which facilitates access to Si(PH 2 ) 4 (1), Ge(PH 2 ) 4 (2), MeSi(PH 2 ) 3 (6), and EtSi(PH 2 ) 3 (7) more effi- ciently. Keywords: Phosphanes; Silicon; Germanium; Aluminium Einleitung PH 2 -substituierte Verbindungen ko È nnen durch elek- trophile und nucleophile Reagentien leicht funktiona- lisiert werden und bieten damit einen Zugang zu einer breiten Palette von molekularen Phosphorverbindun- gen. Daru È berhinaus sind Polyphosphanylelement- verbindungen ohne organische Substituenten poten- tielle Einkomponenten(single-source)-Vorstufen fu Èr die Herstellung von neuen metastabilen bina Èren Element-Phosphor-Phasen im CVD-Verfahren (Che- mical V apor Deposition), die interessante Anwendun- gen als optoelektronische Materialien finden ko È nnten [1]. Wir bescha Èftigen uns daher mit der Synthese von PH 2 -substituierten Silanen und Germanen, die als Vorstufen fu Èr neue Si/P- bzw. Ge/P-Phasen von Inter- esse sind [2]. Wa Èhrend das einfache Silylphosphan H 3 SiPH 2 [3] und das mehrfach phosphanylierte Silan HSi(PH 2 ) 3 [4] schon la È nger bekannt sind, konnten die verwandten Organotriphosphanylsilane erst 1989 her- gestellt werden [5]. Ûber die ersten Tetraphosphanyl- derivate, Si(PH 2 ) 4 (1) und Ge(PH 2 ) 4 (2), die durch die Umsetzung der entsprechenden Tetrachloride mit Li[Al(PH 2 ) 4 ](3) in ma Èûiger Ausbeute zuga È nglich sind, haben wir erst ku È rzlich berichtet [6]. Als schonendes Phosphanylierungsreagens wurde in allen Fa È llen 3 ein- gesetzt, das im Vergleich zu den Alkalimetallphospha- niden (z. B. LiPH 2 ) nur eine geringe Basizita È t besitzt und daher auch fu È r Mehrfachphosphanylierungen ge- eignet ist [7]. Allerdings ist der Einsatz von 3 als PH 2 -Transferreagens stark limiert, da die thermolabile Verbindung nur in Lo È sung besta È ndig ist, was ihre Handhabung aufgrund der hohen Empfindlichkeit ge- genu È ber Luft und Feuchtigkeit erschwert. Nachteilig ist aber auch, dass fu È r seine Synthese ein vielfacher PH 3 -Ûberschuss beno È tigt wird und dass nach den Um- setzungen die Aufarbeitung der Produkte durch das Assoziationsvermo È gen der gebildeten Salze erhebliche Schwierigkeiten bereitet, was in den geringen Ausbeu- ten zum Ausdruck kommt. Um nun zu stabileren und gleichzeitig effizienteren PH 2 -Ûbertragungsreagentien Z. Anorg. Allg. Chem. 2000, 626, 1091±1094 Ó WILEY-VCH Verlag GmbH, D-69451 Weinheim,2000 0044±2313/00/6261091±1094 $ 17.50+.50/0 1091 * Prof. Dr. Matthias Driess, Ruhr-Universita Èt Bochum, Lehrstuhl fu È r Anorganische Chemie I, D-44780 Bochum, Fax: (02 34) 32-1 43 78 E-Mail: Matthias.Driess@AC1.ruhr-uni-bochum.de