{ DUECK- β -INSIDE / SWITSCH! MENSCH ALS SCHALTKREIS Switsch! Mensch als Schaltkreis Zisch! Ist das heiß! Ich ziehe die Hand zurück. Zuck! Mamas Zorn! Ich lasse es lieber. Jemand greift nach einem Hamburger. Das Was- ser läuft mir im Mund zusammen, weil es ein MacRib ist. Mein Paw- lowkörper nimmt so etwas blitzartig wahr. Anschließend tut er etwas, was schon in ihm programmiert zu sein scheint. ,,Kalt!“, zuckt der Kör- per und bringt den Verstand dazu, Gründe zu erfinden, warum eine Le- derjacke angezeigt wäre. ,,Autsch!“, spürt der Manager. Es ist die Geburt seines Action Plans. Immer wird et- was angeschaltet, dann gehandelt. Switsch! Ist der Wille denn frei? Be- stimmt nicht. Wie aber sehen die Algorithmen in uns aus, die da et- was tun? Gibt es eine Informatik des Menschen? Ich gebe Ihnen eine Idee. Das ganze Erkennen und das bloß aufmerkende Wahrnehmen Vieles nehmen wir in Ja/Nein-Form wahr. Schmerz und Lust. Noch mehr wollen wir so wahrnehmen, obwohl es differenzierter ginge – aber es reicht uns 0 oder 1. Deshalb schrei- ben wir Rot und Grün für ,,Gut“ und ,,Schlecht“ in Papiere, als Zeichen für das Abwärts und Aufwärts, für Ge- fahr oder Zufriedenheit. Über dieses bloße Zucken der Eingeweide hinaus, die immer nur 0 oder 1 signalisieren, hat uns der liebe Gott das analytische Gehirn geschenkt, was uns das Che- cken mehrerer Merkmale erlaubt und daher das Berufsbild des Managers oder Beraters möglich gemacht hat. Natürlich gibt es noch Manager, die nach ihrem Bauch führen, der allein ihnen in Allmacht Hüh! und Hot! si- gnalisiert, aber die heißen Leader. Manager im engeren Sinne können zwischen zwei (z.B. Kosten, Umsatz) oder sogar mehr Größen entscheiden, wobei der Nutzen der letzteren Vari- ante zweifelhaft ist. ,,Mehr als zwei“ ist einfach zu esoterisch, solange es noch zu wenige ,,educated brains“ gibt. Wenn Sie zum Beispiel Innova- tion noch zusätzlich zu Umsatz und Kosten managen müssen, passt es ins Hirn meist nicht rein. Da helfen sich die meisten Manager damit, die Kos- ten wegzulassen und dann nur noch Umsatz und Innovation zu managen. Aber das gehört zu den normalen Managementweisheiten. ,,Nimm drei, zähl zwei.“ 50% Rabatt. Ich ärgere Sie einmal und er- kläre den ganzen Gedankengang in dieser Kolumne ,,mit etwas Ma- thematik“, sonst kommen wir aus der seichten Argumentiererei nicht heraus. Ich stelle Ihnen einige Ge- danken aus der Informationstheorie vor, die von Claude E. Shannon während des Zweiten Weltkrieges begründet wurde. Es geht in die- ser Theorie darum, Informationen über gestörte Kanäle an andere Kom- munikationsteilnehmer zu senden, die die gesendete Nachricht um die Störungen oder Übertragungsfehler bereinigen, also die Nachricht de- codieren, wie man sagt. Leser des Buches Omnisophie kennen so etwas wie diese Passage schon. Ich will hier aber nicht genau auf dasselbe hin- aus. Ich möchte Sie am Ende dieser Kolumne einmal auffordern, an den wichtigen Dingen der Menschheit zu forschen. Ich gebe Ihnen jetzt eine Idee von der mathematischen Problemstellung des Codierens und Decodierens – das ist im praktischen Fall ein schwieriger Prozess, den Computer für uns erledi- gen. Danach zeige ich Ihnen kurz die Idee, wie man es anstellt, nur Ja! oder Nein! von etwas wissen zu wollen. Instinktiv! Das ist offenbar einfacher für unser Gehirn! Und jetzt – Tusch! Prof. Dr. Gunter Dueck IBM Distinguished Engineer DUECK@DE.IBM.COM www.omnisophie.com DOI 10.1007/s00287-006-0065-0 142 Informatik_Spektrum_29_2_2006