3/2009 Die Kataraktoperation im Wandel der Zeit übersichtsarbeit 200 Spektrum Augenheilkd Spektrum Augenheilkd (2009) 23: 200–203 DOI 10.1007/s00717-009-0316-y spektrum der augenheilkunde © Springer-Verlag 2009 Printed in Austria Die Kataraktchirurgie hat eine lange Geschichte. Bereits etwa 800–600 v. Chr. wurden in Indien Staroperationen durchgeführt, indem mit einer scharfen Lanze die Skle- ra eröffnet und die getrübte Linse mit einer Nadel in den Glaskörper luxiert wurde. Diese Methode des „Star- stiches“, auch als „Depression“ oder „Reklination“ be- zeichnet, wurde vom Altertum bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ohne wesentliche Veränderungen beibe- halten. Die Pathogenese der Katarakt blieb bis ins 17. Jahrhundert ungeklärt. Erst eine 1705 veröffentlichte „Arbeit über den wahren Sitz der Katarakt“ konnte die damalige Fachwelt überzeugen, dass es sich dabei um eine Trübung der Augenlinse und nicht wie zuvor ange- nommen um ein Häutchen über der Linse handelt. Da- mit wurde die Grundlage für eine gezielte chirurgische Behandlung geschaffen. Die Geschichte der Kataraktchirurgie von Daviel bis Ridley Im Jahre 1753 beschrieb Jacques Daviel erstmals die Methode der extrakapsulären Kataraktoperation (ECCE), wobei Methodik und Instrumentar in der Folge von De La Faye, Georg Josef Beer, und Albrecht von Graefe verbessert wurden. Ein wesentlicher Fortschritt war die Einführung der Tropfanästhesie durch den Wie- ner Arzt Carl Koller um 1860. Mit der erstmaligen Einpflanzung einer Kunstlinse in den Kapselsack Ende 1949 durch Harold Ridley wur- de die moderne Implantchirurgie begründet. Da seine Full-size-Optik Linse aus Plexiglas für den Zonularap- parat zu schwer und nur mangelhaft im Kapselsack fi- xiert war, konnte sich die Methode der Kapselsackfixa- tion einer intraokularen Kunstlinse (IOL) vorerst nicht durchsetzen. Die 1950er Jahre: Das Desaster der semiflexiblen Vorderkammerlinsen und die Suche nach Alternativen Eine chirurgische Revolution bedeutete die intrakapsu- läre Kataraktextraktion (lCCE) mittels Kryoextraktor, wie sie 1961 Tadeusz Krawics vorstellte. Diese ermög- lichte die komplette Entfernung der getrübten Linse, wodurch postoperative Entzündungen und Nachtrü- bungen aufgrund zurückgebliebener Rinden- und Kap- selreste (Nachstar) verringert werden konnten. Proble- matisch erwies sich jedoch neben der relativ hohen Amotiorate die Befestigung einer IOL. Diese konnte nur im Kammerwinkel oder an der Iris abgestützt werden. Die in den 1950er Jahren populären kammerwinkelge- stützten Vorderkammerlinsen mit semiflexibler Haptik erwiesen sich als wahrer Alptraum, indem sie neben Reizzuständen und Sekundärglaukomen zu massivem progredienten Endothelzellverlust führten, der in 40– 60% der Fälle schließlich eine Explantation der Linse er- forderlich machte. Diese bitteren Erfahrungen führten dazu, dass die Linsenimplantation als solche völlig in Misskredit gelangte und von manchen renommierten Kliniken des deutschsprachigen Raumes über Jahrzehn- te grundsätzlich abgelehnt oder gar bekämpft wurde. In dieser schwierigen Phase setzten einige Chirur- gen die Entwicklung mit alternativen Implantaten fort: Peter Choice entwickelte starre einstückige Linsen aus PMMA für die Kammerwinkelfixation. Wegen des vari- ablen und nicht exakt bestimmbaren Durchmessers und der damals noch unzureichenden Politur der Hap- tikfüsschen kam es bei zu kleinen Linsen infolge der Linsenbewegung zu Endothelschäden, bei zu großen Linsen infolge des Gewebedrucks zu lokalisierter ent- zündlicher Kammerwinkelinfiltration. Cornelius Bink- horst und Jan Worst fixierten ihre Kunstlinse an der Re- genbogenhaut. Während die Iriscliplinse von Binkhorst wegen der Schwierigkeit der Implantation und gelegent- lich doch auftretender Komplikationen wie UGH-Syn- drom und zystoidem Makulaödem sowie von Dislokati- onen wieder verlassen wurde, hat sich die einfach zu fi- xierende Irisklauenlinse von Worst in Entwicklungslän- dern, aber auch bei uns als Sekundärimplantat bei feh- lendem Kapselsupport bis heute gehalten. Von der ECCE mit Hinterkammerlinse zur nahtlosen Clear-Cornea Kleinschnittchirurgie mit Faltlinsenimplantation unter Tropfanästhesie Ein Entwicklungssprung wurde durch das maschinelle Saug-Spülverfahren eingeleitet. Damit konnte der Kap- selsack schonend und vollständig gereinigt und damit die beschriebenen Nachteile der ECCE beseitigt werden. Mit dem Erhalt des Kapseldiaphragmas wurde nicht nur Die Kataraktoperation im Wandel der Zeit R. Menapace Universitätsaugenklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Wien Korrespondenz: Prof. Dr. Rupert Menapace, Universitätsklinikum Wien, Augenklinik, Währinger Gürtel 18–20, 1090 Wien, Öster- reich, E-mail: rupert.menapace@meduniwien.ac.at