A. Seekamp • G. Regel • T. Pohlemann • U. Schmidt • C. Koch • H.Tscherne
Unfallchirurgische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
Kann der Notarzt
zum Risiko werden?
Analyse der Präklinischen
Traumaversorgung
,,Qualitätssicherung in der
Notfallmedizin ist ein Management-
instrument, mit dem sichergestellt wird,
daß die Leistungen des Rettungs-
dienstes sicher und ethisch vertretbar
sind, daß sie dem Stand der medizini-
schen Wissenschaft entsprechen und
effizient erbracht werden.“
(Moecke 1992)
Ansätze zur Qualitätskontrolle stammen
heute von verschiedenen deutschen
Fachgesellschaften.So sind in der Versi-
on 2,5 des bundeseinheitlich entwickel-
ten Notarztprotokolles der DIVI und
DGAI bereits Instrumente zur Zwi-
schenfall- und Komplikationsdokumen-
tation vorgestellt worden; diese sind
deutlich in der Neufassung (1998) erwei-
tert worden [13, 23]. Auswertungskon-
zepte für die Qualitätskontrolle existie-
ren hingegen nur vereinzelt [8, 9].
Die einzige veröffentlichte Fehler-
analyse im Bereich der Erstversorgung
des Traumapatienten stammt aus einer
amerikanischen Studie, die eine Reihe
Notfall & Rettungsmedizin 1·99
|
3
Leitthema: Risiko „Notarzt“ ?
Notfall & Rettungsmedizin
1999 · 2 : 3–17 © Springer-Verlag 1999
Die Notwendigkeit, einen Arzt am Notfallort
einzusetzen und die primäre Rettung nicht
nur durch Rettungsassistenten/sanitäter
durchführen zu lassen, ist international noch
umstritten.Insbesondere in den Vereinigten
Staaten wird in der Regel kein Arzt am Not-
fallort eingesetzt und die Primärversorgung
erfolgt durch eine direkte Konsultation der
vor Ort eingesetzten Rettungsassisten-
ten/sanitäter mit dem in der Rettungsleit-
stelle tätigen Arzt. Obwohl die U.S. Rettungs-
assistenten (Paramedics) eine kaum höhere
Qualifikation im Vergleich zu zentraleuro-
päischen Rettungssanitätern aufweisen,
belegte eine Studie, in welcher das deutsche
Rettungssystem mit dem amerikanischen
Rettungssystem verglichen wurde, daß die
Versorgung insbesondere von Unfallopfern
bei Präsenz eines Notarztes zielgerechter
durchgeführt werden kann. Dies spiegelt
sich in den endgültigen Behandlungsergeb-
nissen, insbesondere in der Überlebensrate
deutlich wieder [20, 22, 28].
Trotzdem wird in den letzten Jahren im-
mer häufiger über unnötige Einsätze und
Fehlentscheidungen berichtet, so daß auch
Priv.-Doz. Dr. A. Seekamp
Unfallchirurgische Klinik
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30623 Hannover
Redaktion
W. F. Dick, Mainz
P. Lemburg, Düsseldorf
F.W.Schildberg, München
H.-P.Schuster, Hildesheim
hier eine Qualitätsanalyse gefordert wird
[32]. Dieses Konzept wird unter dem Begriff
„Medical Control“ bereits seit Jahren in den
Vereinigten Staaten erfolgreich praktiziert
[23]. Zielgrößen um die Qualität zu definie-
ren und diese im Sinne der Qualitätssiche-
rung einzusetzen, erfordert die Festschrei-
bung von Standards [32].
Im Rahmen der Notfallmedizin sind
Qualitätsstandards bereits von verschiede-
nen deutschen Organisationen (DGU, DIVI,
DGNC, DGAI) zusammengestellt worden. Ein
Bundeseinheitliches Notarztprotokoll konnte
eingeführt werden [13] (Abb. 1). Es gilt nun
die Daten der präklinischen Behandlung un-
ter Berücksichtigung dieser Standards zu do-
kumentieren und eine Qualitätskontrolle
vorzunehmen [12, 23, 32]. Anhand einer Feh-
leranalyse im eigenen Patientenkollektiv soll
auf kritische Punkte der notärztlichen Ver-
sorgung von Unfallpatienten hingewiesen
werden. Neben der immer wieder zu beob-
achtenden unzureichenden Versorgung von
Traumapatienten, häufen sich in den letzten
Jahren auch Fälle in denen nicht indizierte
invasive Maßnahmen durchgeführt werden.
* Die Arbeit basiert auf dem Beitrag
,,Regel G, Seekamp A, Pohlemann T,
Schmidt, Bauer H,Tscherne H (1998)
Muß der verunfallte Patient vor dem Notarzt
geschützt werden. Unfallchirurg 101: 160–175“,
der für NOTFALL & RETTUNGSMEDIZIN
überarbeitet und aktualisiert wurde.