| HNO 1·2000 Übersicht 18 G. Dyckhoff 1 · T. Hoppe-Tichy 2 · R. Kappe 3 · A. Dietz 1 1 Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. H.Weidauer) 2 Apotheke der Universität Heidelberg 3 Hygiene-Institut der Universität Heidelberg (Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. H.-G. Sonntag) Antimykotische Therapie bei Otomykose mit Trommelfelldefekt* kol, deren Ototoxizität experimentell nachgewiesen wurde. Unser Ziel ist es, für diesen Fall einer Otomykose bei Trommelfellde- fekt eine Therapieempfehlung zu erar- beiten. Ätiologie und Pathogenese Eine endogene Prädisposition für Au- ßenohrentzündungen haben Patienten mit Psoriasis sowie seborrhoischem oder atopischem Ekzem. Bei der Kon- taktdermatitis erfolgt eine Sensibilisie- rung in erster Linie durch topische Arz- neimittel gefolgt von Chemikalien oder Harzen aus Ohrpaßstücken [14]. Ein sehr enger äußerer Gehörgang kann durch die Retention von Keratindetri- tus sowie durch ein chronisch feuchtes Mikroklima ebenso zur Entstehung ei- ner Gehörgangsentzündung beitragen wie ein Austrocknen des Stratum cor- neum durch Mangel an Zerumen. Mikrotraumen (Wattestäbchen) und ein Aufweichen des Stratum corne- um durch Badewasser („Badeotitis“) er- leichtern das Eindringen von Mikroor- ganismen. Dabei sind akute Außenohr- entzündungen meist bakteriell bedingt (hauptsächlich Pseudomonas aerugino- sa und Staphylococcus aureus).Pilze da- gegen sind häufiger Erreger von chroni- schen Gehörgangsentzündungen. Die Inzidenz einer Ohrmykose liegt bei etwa Nicht selten findet man bei der routi- nemäßigen Ohrmikroskopie Pilzfäden auf Zerumen. Der Patient gibt weder Juckreiz noch Schmerzen an. Nach Ent- fernung des Zerumens findet sich dar- unter eine reizlose Gehörgangshaut. Hier ist nach der Reinigung des Gehör- gangs keine weitere spezifische Thera- pie erforderlich. Zeigt sich dagegen bei einem Pati- enten mit Immunmangelsyndrom eine Otomykose mit deutlicher entzünd- licher Affektion der Gehörgangshaut, und klagt der Patient über extremen Juckreiz, Schmerzen, Otorrhoe und ein Völlegefühl im Ohr, dann besteht drin- gender Therapiebedarf. Hier stehen nach entsprechender Gehörgangsreini- gung verschiedene kommerzielle anti- mykotische Ohrentropfen zur Verfü- gung. Ein Risiko stellt allenfalls bei wie- derholter Anwendung die Entwicklung einer Kontaktdermatitis dar, die zu ei- ner Chronifizierung der Otitis externa führen kann [14]. Ein Problemfall ergibt sich dann, wenn neben der Otomykose ein Trom- melfelldefekt vorliegt. Diese Situation kann besonders dann entstehen, wenn bei chronisch purulenter Otitis media über längere Zeit mit lokalen Antibioti- ka vorbehandelt wurde. Da eine iatro- gene Verschleppung der Pilzinfektion in das Mittelohr jedoch sowohl zu einer Schädigung der Gehörknöchelchenkette wie auch des Innenohrs führen kann [7], ist es wesentlich, die Otomykose präoperativ vollständig zu sanieren. Sämtliche im Handel erhältlichen Oh- rentropfen enthalten jedoch Alkohole oder Lösungsmittel wie Propylengly- Übersicht HNO 2000 · 48:18–21 © Springer-Verlag 2000 Zusammenfassung Die Entstehung einer Otomykose, insbeson- dere nach lokaler antibiotischer Therapie, ist nicht selten.Eine Verschleppung von Pilzen in das Mittelohr kann jedoch schwerwiegen- de Komplikationen nach sich ziehen. Insbe- sondere präoperativ ist daher eine Sanierung des äußeren Gehörgangs unbedingt erfor- derlich. Neben der gründlichen mechanischen Reinigung werden antimykotische Ohren- tropfen empfohlen. Alle derzeit auf dem Markt erhältlichen antimykotischen Ohren- tropfen enthalten aber ototoxische Substan- zen.Bei Trommelfelldefekten besteht daher die Gefahr einer Innenohrschädigung. Als Alternative empfehlen wir eine 0,5%ige wässrige Miconazol-Lösung. Schlüsselwörter Otomykose · Trommelfelldefekt · Antimykotika · Ohrentropfen * Herrn Prof. Dr. H.Weidauer zum 60. Geburtstag gewidmet Dr. G. Dyckhoff Universitäts-HNO-Klinik, Im Neuenheimer Feld 400, D-69120 Heidelberg& / f n - b l o c k : & b d y : Redaktion H.P. Zenner,Tübingen