594 Dokumentation und Analysen Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 3/2017, S 594 – 613, DOI: 105771/0340-1758-2017-3-594 Das TV-Duell und die Landtagswahl in Schleswig-Holstein: Das Debat-O-Meter als neues Instrument der politischen Kommunikationsforschung Uwe Wagschal, Tomas Waldvogel, Tomas Metz, Bernd Becker, Linus Feiten, Samuel Weishaupt und Kamaljeet Singh 1. Ziele der Echtzeitmessung politischer Debatten TV-Duelle zwischen Spitzenkandidaten politischer Parteien um Spitzenämter sind das me- diale Großereignis eines jeden Wahlkampfes, so auch bei Landtagswahlen Dabei standen die drei Landtagswahlen des ersten Halbjahres 2017 besonders unter dem Vorzeichen der Bundestagswahl am 24 September dieses Jahres, obwohl die agierenden Spitzenpolitiker – wie etwa Hannelore Kraft oder Annegret Kramp-Karrenbauer – der eigenen Aussage nach dies gar nicht wollten, sondern versuchten, die Landespolitik in den Mittelpunkt ihrer Wahlkämpfe zu stellen Für verschiedene Akteure der Landespolitik haben TV-Debatten aus ganz unterschiedlichen Gründen eine herausragende Bedeutung: Für Politiker und Wahlkämpfer liegt der besondere Reiz in der großen Reichweite Vor Hundertausenden Zuschauern können die Spitzenpolitiker auf unmittelbare Weise Positionen beziehen und zentrale Argumente unter weitgehender Meidung medialer Selektionskriterien vortragen Für die Medien sind TV-Duelle deshalb besonders attraktiv, weil sie leicht kommunizierbar sind, einen hohen Unterhaltungscharakter aufweisen sowie dem Trend von Personalisierung und Mediatisierung von Wahlberichterstattung entsprechen 1 Für Wählerinnen und Wäh- ler bieten TV-Duelle eine sehr gute Gelegenheit, das politische Spitzenpersonal der für die Besetzung des Amtes des Regierungschefs relevanten Parteien direkt miteinander zu verglei- chen und deren Programme gegenüberzustellen TV-Duelle eröfnen der Wählerschaft damit ein attraktives Angebot der Wahlinformation und politischen Bildung zur häufg weniger beachteten Landespolitik Und auch für die Kommunikations- und Politikwissenschaft sind sie ein reizvolles For- schungsfeld: Spätestens seit ihrer Etablierung als zentrales Ereignis des Medienwahlkampfes zur Bundestagswahl 2002 hat sich die Wissenschaft intensiv mit den Inhalten, Wahrneh- mungsprozessen und Wirkungsmechanismen von TV-Duellen auf deren Rezipienten be- fasst In der Landespolitik gehören diese Duelle bereits seit der Hamburger Bürgerschafts- wahl 1997 zum medialen Repertoire; seitdem sind sie fester Bestandteil der Landtagswahlkämpfe in der Bundesrepublik Der vorliegende Beitrag präsentiert die erste auf einer großen Fallzahl basierende Echt- zeitanalyse (RTR-Messung = Real Time Response) einer politischen Debatte in Deutsch- land, die nicht unter Laborbedingungen durchgeführt wurde 2 Die Daten hierfür wurden 1 Vgl Harald Schoen, Wahlkampforschung, in: Jürgen W. Falter / Harald Schoen (Hrsg), Hand- buch Wahlforschung, Wiesbaden 2014, S 661 – 728 2 Im Rahmen der German Longitudinal Election Study (GLES) wurde anlässlich der Bundestags- wahl 2013 eine insgesamt 269 Teilnehmer umfassende Laborstudie an unterschiedlichen Stand- orten durchgeführt Dabei wurden Drehregler und Desktop-Computer verwendet Vgl Torsten Faas / Jürgen Maier / Michaela Maier (Hrsg), Merkel gegen Steinbrück Analysen zum TV-Duell vor der Bundestagswahl 2013, Wiesbaden 2017 https://doi.org/10.5771/0340-1758-2017-3-594 Generiert durch IP '54.146.171.93', am 26.11.2021, 00:31:12. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.