10 Praktische Handhabung von AIO−Mischungen Arbeitsgruppe S. Mühlebach (AG−Leiter), C. Franken, Z. Stanga Schlüsselwörter l " Infusionssysteme l " Compounding l " industrielle PE−Systeme l " Stabilität l " Qualitätssicherung Key words l " infusion systems l " compounding l " industrial parenteral nutrition systems l " stability l " quality assurance Bibliografie DOI 10.1055/s−2006−951878 Aktuel Ernaehr Med 2007; 32, Supplement 1: S54 ± S59 Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ´ New York ´ ISSN 1862−0736 Leitlinie Parenterale Ernährung der DGEM S54 All-In-One(AIO)-Mischungen ! Definition und Stellenwert der AIO−Mischungen " Bei PE werden Wasser, Energie (Kohlenhydra− te und Fett), Aminosäuren, Vitamine und Spurenelementen gemeinsam infundiert (B). " Eine sichere, effektive und risikoreduzierte PE hat sich in Form der All−In−One−Ernährung (AIO−Ernährung) für praktisch alle Indikatio− nen und Anwendungen etabliert (B). Kommentar Infusionssysteme Zur Realisierung einer PE werden folgende Infu− sionssysteme eingesetzt: " Verabreichung von einzelnen Substraten (Kohlenhydrate, Fett und Aminosäuren) in einzelnen Flaschen (Mehrflaschen/Baustein− system). " Verwendung von Kombinationslösungen (Kohlenhydrat−/Aminosäure−Gemische) und separater Fettzufuhr. " Das AIO−System, wo die Substrate (Kohlen− hydrate, Fette, Aminosäuren, Elektrolyte und Mikronährstoffe) in einem Behälter gemischt werden und anschließend als gesamte Portion intravenös appliziert werden. Falls die Kom− patibilität und Stabilität dies zulassen, können idealerweise sämtliche Substrate als eine Ta− geseinheit verabreicht werden. Durch dieses System erfolgt eine Reduktion der Manipula− tionsmöglichkeiten sowie des Material−, Zeit− und Personalaufwandes. Dazu wird nur eine intravenöse Leitung benötigt und damit die manipulationsbedingten Infektions−Risiken gesenkt (geschlossenes System). Des Weite− ren besteht ein reduziertes Risiko für eine metabolische Entgleisung (komplettes und parallel zugeführtes Substratgemisch). Diese Ernährungsform stellt für den Patienten, Kli− niker und die Pflegenden ein komfortables System dar und reduziert bei dokumentierter Stabilität (Inkompatibilitäten) auch mechani− sche Risiken (Präzipitate etc.). AIO-Nährmischung Praktisch gesehen ist der Bezug der AIO−Nährmi− schungen auf zwei Arten möglich: " Industriell gefertigte Standard-AIO-Zwei- oder Dreikammerbeutel. Beim Zweikammerbeutel wird kurz vor der Anwendung am Patienten eine Fettemulsion mittels Transferset zugege− ben und damit ein AIO−Gemisch erhalten. Dreikammerbeutel enthalten alle Makronähr− stoffe und Elektrolyte in drei abgeteilten Kompartimenten. Die Substrate werden un− mittelbar vor der intravenösen Applikation gemischt, indem man die Trennvorrichtun− gen/Nähte zwischen den Beutelkammern löst. Vitamine und Spurenelemente werden im Verlaufe der Anwendung in die Beutel dazu− gespritzt oder separat intravenös infundiert. Die Haltbarkeit dieser ungemischten Stan− dardprodukte ist in der Regel länger als 12 Monate. " Andererseits werden individuell gemischte AIO-Nährmischungen (Compounding) ge− braucht. Sie erlauben die Herstellung von patientenspezifischen, am Bedarf orientierten Mischungen (energie−, volumen− und subs− tratadaptiert). Diese werden meist in Klinik− apotheken aus den verschiedenen Kompo− nenten aseptisch hergestellt und sind direkt zur i.v. Anwendung bestimmt; es ist kein Mi− schen oder Zuspritzen vor der Anwendung nötig. Diese Beutel werden wegen der limi− tierten Stabilität in der Regel täglich oder wö− chentlich hergestellt. Ihre Aufbewahrung er− fordert Kühllagerung bei 2 ± 8 8C. Bei beiden Vorgehensweisen ist eine aseptische Arbeitsweise erforderlich, da eine Sterilisation ei− ner AIO−Mischung nach Fertigstellung nicht möglich ist [1]. Mühlebach S et al. Praktische Handhabung von AIO−Mischungen ¼ Aktuel Ernaehr Med 2007; 32, Supplement 1: S54 ± S59