DÜNEN AUF DEM MARS
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PLANETENFORSCHUNG
nur ein paar Male in einem Jahrzehnt vor,und zwar während
der heftigsten Staubstürme [1]. Wenn schon die Häufigkeit
solcher Windböen gering ist,dann ist deren Zeitdauer noch
verblüffender: Die sechs Jahre dauernde Viking-Mission
konnte an den Landeplätzen der Sonden nur ein einziges
Mal einen Transport von Sand beobachten, und dieses Er-
eignis dauerte nur rund vierzig Sekunden lang [1]. Hätten
so selten auftretende Winde die heutigen Marsdünen über-
haupt formen können?
Physik der Dünen
Die Antwort auf diese Frage können seit kurzem numeri-
sche Computersimulationen liefern. Sie basieren auf einer
Modellierung der wesentlichen Prozesse, die die Physik der
Dünen umfasst. Dünen entstehen durch äolischen Sand-
transport: Darunter verstehen Geologen die Windverfrach-
tung von Feinmaterial aus Lockergestein. Der wesentliche
Mechanismus ist die „Saltation“: Dabei fliegen die Sand-
körner ab einem minimalen Wert der Windgeschwindigkeit
auf ballistischen Bahnen. Treffen sie wieder auf den Boden
auf, dann lösen sie beim Aufprall weitere Körner aus dem
Boden heraus (engl. Splash), die ebenfalls vom Wind mit-
getragen werden. So sammeln sich nach und nach immer
mehr Sandkörner in der Saltationsschicht.
© 2008 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 5/2008 (39)
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Phys. Unserer Zeit
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Die Sanddünen auf dem Mars haben ähnliche
Formen wie irdische Dünen. Seit ihrer Ent-
deckung durch die ersten Marsmissionen
blieb jedoch eine Frage offen: Wann und wie
sind sie entstanden? Computersimulationen
zeigen nun, wie starke Marswinde sie unter
den heutigen atmosphärischen Bedingungen
des Roten Planeten geformt haben könnten.
D
ie Bilder vom Nordpol, vom südlichen Hochland und
den einsamen Kratern des Roten Planeten zeigen:
Sanddünen sind nicht nur für irdische Wüsten typisch, son-
dern auch auf der Marsoberfläche allgegenwärtig. Marsia-
nische Dünen gibt es in reicher Formenvielfalt. Typisch sind
die markanten Wanderdünen, die sogenannten Barchane,
wie man sie im Arkhangelsky-Krater beobachten kann (Ab-
bildung 1). Dieser Krater liegt auf der Südhalbkugel, nord-
östlich der auffälligen, kreisrunden Tiefebene Argyre Pla-
nitia (Marskarte siehe „Internet“, S. 230). Die Barchandünen
entstehen,wenn die Menge des beweglichen Sandes gering
ist und der Wind immer aus derselben Richtung weht. Cha-
rakteristisch sind die beiden hornförmigen Fortsätze auf
der windabgewandten Seite.
Die Beobachtung der Marsoberfläche seit den ersten
Marsmissionen vor fast vier Jahrzehnten vermittelt aller-
dings den Eindruck, dass die Marsdünen sich heutzutage
scheinbar nicht bewegen. Dies führte zu der Hypothese,
dass sie vor einer langen Zeit gebildet wurden, als die Mars-
atmosphäre wesentlich dichter war und so zumindest phy-
sikalisch den irdischen Bedingungen ähnelte. Uns ist es nun
gelungen, mit Computersimulationen zu zeigen, unter wel-
chen Bedingungen und in welchen Zeiträumen Marsdünen
entstehen und sich verändern können.
Heute ist die Dichte der Marsatmosphäre etwa hun-
dertmal geringer als die der irdischen Luft auf Meereshöhe.
Deshalb sind die Winde, die heute auf dem Mars wehen,
meist viel zu schwach, um Sand zu bewegen. Nur Marswin-
de mit der zehnfachen Geschwindigkeit der irdischen Wüs-
tenwinde wären in der Lage, Sandkörner in Bewegung zu
setzen. Solche starken Winde kommen auf dem Mars aber
Dünenbildung auf dem Mars
Die Entdeckung
der Langsamkeit
E RIC J. R. PARTELI | HANS J. HERRMANN
DOI: 10.1002/piuz.200801171
Krater und
Dünenfeld im
Einschlagbecken
Argyre Planitia
auf der Südhalb-
kugel (Bild:
ESA/DLR).