Vedolizumab in der Behandlung der Colitis ulcerosa und des Morbus Crohn ein Konsensus der Arbeitsgruppe Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie G. Novacek 1 , C. Dejaco 1 , H. P. Gröchenig 2 , C. Högenauer 3 , P. Knoflach 4 , W. Miehsler 5 , A. Moschen 6 , W. Petritsch 3 , H. Vogelsang 1 , H. Tilg 6 Bibliografie DOI http://dx.doi.org/10.1055/ s-0042-103694 Z Gastroenterol 2016; 54: 112 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York · ISSN 0044-2771 Korrespondenzadresse Prof. Gottfried Novacek Medizinische Universität Wien Abt. Gastroenterologie und Hepatologie, Univ.-Klinik Innere Medizin III Währinger Gürtel 1820 1090 Vienna Austria Tel.: ++ 43/1/4 04 00 47 410 Fax: ++ 43/1/4 04 00 47 350 Gottfried.Novacek@ meduniwien.ac.at Einleitung Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind die beiden Hauptformen chronisch entzündlicher Darmer- krankungen (CED) [1, 2]. Sie sind durch abdomi- nelle Schmerzen, Diarrhoen, die im Falle der Coli- tis ulcerosa häufig blutig sind, und Müdigkeit sowie einen oft chronisch-relapsierenden Verlauf gekennzeichnet. Intestinale Komplikationen wie Stenosen, Fisteln, Abszesse und das Auftreten von kolorektalen Karzinomen können Operationen er- forderlich machen. Das Therapieziel ist die kortisonfreie Remission [3, 4]. Aufgrund ihrer prognostischen Aussage- kraft erlangt auch die mukosale Heilung zuneh- mende Bedeutung [5, 6]. Die gängigen Therapien reichen von Mesalazin, über Glukokortikoide, Im- munsuppressiva (z. B. Azathioprin, 6-Mercapto- purin, Methotrexat) bis hin zu Tumornekrosefak- tor-(TNF)-α-Antikörpern [3, 4, 7 16]. Ein Teil der Patienten spricht jedoch auch auf die Therapie mit TNF-α-Antikörpern nicht an, hat trotz primä- ren Ansprechens einen sekundären Wirkungsver- lust oder entwickelt Nebenwirkungen, die ein Ab- setzen der Therapie erforderlich machen [7 16]. Ein Versagen auf eine Therapie mit einem TNF-α- Antikörper verringert die Ansprechrate auf einen zweiten Vertreter dieser Medikamentengruppe, sodass nicht nur der Bedarf für weitere wirksame Medikamente im Allgemeinen, sondern auch mit einem anderen Wirkmechanismus im Speziellen gegeben ist [8, 17]. Vedolizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper, der spezifisch an das α 4 β 7 -Inte- grin bindet und dadurch ein neues und darm- selektives Wirkprinzip besitzt. Vedolizumab ist seit Mai 2014 in der Europäischen Union für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit mit- telschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa und mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn zu- gelassen, die entweder auf konventionelle Thera- pie oder einen der TNF-α-Antikörper unzurei- chend angesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entsprechende Therapie aufweisen [18, 19]. Die empfohlene Dosierung beträgt unabhängig vom Körpergewicht 300mg i. v., die zu Woche 0, 2 und 6 und danach alle 8 Wochen verabreicht werden. Zulassungstext für Colitis ulcerosa Vedolizumab ist indiziert für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa, die entweder auf konven- tionelle Therapie oder einen der Tumornekrosefak- tor-alpha (TNF-α)-Antikörper unzureichend ange- sprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entspre- chende Behandlung aufweisen. Zulassungstext für Morbus Crohn Vedolizumab ist indiziert für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn, die entweder auf kon- ventionelle Therapie oder einen der Tumornekrose- faktor-alpha (TNF-α)-Antikörper unzureichend an- gesprochen haben, nicht mehr darauf ansprechen oder eine Unverträglichkeit gegen eine entspre- chende Behandlung aufweisen. Dosierung Die empfohlene Dosierung beträgt für beide Indi- kationen 300 mg i. v., die zu Woche 0, 2 und 6 und danach alle 8 Wochen verabreicht werden. Der vorliegende Konsensusbericht der Arbeits- gruppe Chronisch Entzündliche Darmerkrankun- gender Österreichischen Gesellschaft für Gastro- enterologie und Hepatologie (ÖGGH) soll ein praktischer Leitfaden für den Einsatz von Vedolizu- mab bei Patienten mit einer CED sein und entstand in ähnlicher Art wie frühere Konsensusstatements dieser Arbeitsgruppe [20, 21]. Die Teilnehmer des Konsensus, die auch die Autoren dieses Berichts sind, wurden von GN ausgesucht und erarbeiteten Entwürfe für Text und Empfehlungen zu den von GN vorgeschlagenen Themen (Delphi-Prozess). Alle Konsensusteilnehmer sind Mitglieder der Arbeitsgruppe Chronisch Entzündliche Darmer- krankungender ÖGGH und haben langjährige Er- fahrung in der Behandlung von ambulanten und stationären Patienten mit CED. Empfehlungen und Text basieren auf der verfügbaren Literatur (syste- matische Literatursuche mittels MedLine/PubMed und Cochrane Database sowie Abstracts der gro- ßen internationalen Kongresse) und wurden hin- sichtlich Evidenzgrad (Level of Evidence, EL) und Empfehlungsgrad (Grade of Recommendation, RG) entsprechend dem Oxford Centre for Evidence Based Medicine bewertet ( Tab. 1). Die Statements wurden im Rahmen eines Treffens am 21.1.2015 von den Konsensusteilnehmern erarbeitet und am 18.4.2015 im Rahmen des jährlich stattfindenden Treffens der Arbeitsgruppe Chronisch Entzündli- che Darmerkrankungenin Weyregg (Österreich) der ÖGGH vor einer größeren Teilnehmerzahl prä- sentiert, diskutiert und zur Abstimmung gebracht. Ein Statement galt als angenommen, wenn es eine Zustimmung von mindestens 80 % erhielt. Die Ka- pitel des Konsensusberichts wurden von den je- weiligen Teilnehmern verfasst, von allen anderen Autoren überarbeitet, und die finale Version wurde von allen akzeptiert. Mitteilungen Novacek G et al. Vedolizumab in der Z Gastroenterol Heruntergeladen von: Bibliothek der Medizinischen Universität Graz. Urheberrechtlich geschützt.