3 Lebensraum Altwasser im Initial-, Optimal- und Terminalstadium Altgewässer sind natürliche Landschaftselemente in den breiteren Auen. Zu den natürlich entstandenen Altgewässern sind im Zuge der anthropogenen Nutzung der Auen durch ingeni- eurtechnische Maßnahmen wie Laufverkürzungen und Bau von Umfluten, künstliche Altgewässer hinzugekommen. Alle Typen, natürliche wie künstliche, stellen wichtige aquati- sche Lebensräume in der heutigen, oft weitgehend ausgeräumten Kulturlandschaft dar. Altgewässer beherbergen außerdem zahlreich typische und zunehmend gefährdete Arten und Lebensgemeinschaften. 3.1 Pflanzen Dominique Remy Im Vergleich mit Stillgewässern außerhalb der Aue erschließen sich Altgewässer nicht auf den ersten Blick als spezielle Lebensräume für Pflanzen. Doch solange Altgewässer noch in die dynamischen Prozesse der Aue eingebunden sind, unterliegt ihre Vegetation einem auen- typischen Regime, das durch periodische Wasserstandschwankungen, den Wechsel von Strömung und Stagnation, periodische Nährstoffeinträge und periodische Akkumulati- on/Erosion gekennzeichnet ist. Diese Kombination von Standortfaktoren fehlt der Mehrzahl typischer Stillgewässer. Im Grundsatz sind die Phytozönosen von Altgewässern in der Initial- und Optimalphase denen nährstoffreicher Flussseen, das sind strömungsarme, breite Tief- landsgewässer, am stärksten verwandt. Dem Arteninventar von Altgewässern fehlen im Allgemeinen ausgesprochen strömungsliebende Arten sowie oligotraphente Arten und Arten überwiegend kaltstenothermer Standorte. Trotz der starken Prägung der Landschaft durch die anthropogene Nutzung gibt es keine Standardgewässer, die sich ohne weiteres typisieren lassen. So sind auch alle Altgewässer Produkte individueller, genetischer Prozesse und individuell einwirkender, abiotischer und biotischer Standortfaktoren. Abhängig von ihrem jeweiligen abiotischen und biotischen Ent- wicklungsstadium können die Altgewässertypen aus vegetationskundlicher Sicht vier unterschiedlichen Phasen zugeordnet werden. Dies sind einerseits drei überwiegend aquati- sche Phasen, die Initial-, Optimal- und Terminalphase, und andererseits eine überwiegend semiterrestrische bis terrestrische Phase, die Postterminalphase (Tab.3.1). In der Initialphase existieren an den Altgewässern noch abiotische und biotische Elemente der vorangegangenen Fließgewässerphase. Die stillgewässerähnliche Optimalphase wird bei mäßigem Nährstoffeinfluss durch relativ klare Wasserkörper mit ausreichender Wassertiefe gekennzeichnet. In der Terminalphase nimmt die Wassertiefe rasch ab und Helophyten sowie Gehölze bestimmen zunehmend das Bild. In der Postterminalphase sind ein permanenter Wasserkörper und aquatisch geprägte Biozönosen weitestgehend verschwunden. Da es sich bei Auen um sehr dynamische Lebensräume handelt, soweit sie nicht durch den Menschen stark überprägt sind, können die genannten Phasen in ihrer abiotische Ausprägung auch zyk-