Der Kardiologe Konsensuspapiere Kardiologe 2020 · 14:494–504 https://doi.org/10.1007/s12181-020-00411-2 Online publiziert: 14. Juli 2020 © Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. Published by Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature - all rights reserved 2020 J. Latus 1 · V. Schwenger 1 · G. Schlieper 2 · H. Reinecke 3 · J. Hoyer 4 · P. B. Persson 5 · B. A. Remppis 6 · F. Mahfoud 7 1 Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Autoimmunerkrankungen, Klinikum der Landeshauptstadt Stuttgart, Stuttgart, Deutschland; 2 Zentrum für Nieren-, Hochdruck- und Stoffwechselerkrankungen, Hannover, Deutschland; 3 Klinik für Kardiologie I: Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Angiologie, Universitätsklinik Münster, Münster, Deutschland; 4 Klinik für Innere Medizin, Nephrologie und Internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum Marburg, Marburg, Deutschland; 5 Institute of Physiology, Center for Cardiovascular Research, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland; 6 Klinik für Kardiologie, Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen, Bad Bevensen, Deutschland; 7 Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar, Deutschland Kontrastmittelinduzierte akute Nierenschädigung – Konsensuspapier der Arbeitsgemeinschaft „Herz – Niere“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. Präambel Potenziell nierenschädigendes jodhal- tiges Kontrastmittel (KM) wird in der interventionellen Medizin (u.a. Herzka- theteruntersuchung [HKU] und -inter- ventionen, transfemoraler Aortenklap- penersatz, Vorhofohrverschluss) und der Computertomographie(CT)-Diagnostik häufig eingesetzt. Die Menge des verwen- deten KM sollte so niedrig wie möglich gehalten werden (z. B. durch den Verzicht auf Lävo- und Aortographie und den Einsatz von technischen Innovationen mit „image-guided therapy“). Legt man Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit der Texte wird in Springer- Publikationen in der Regel das generische Maskulinum als geschlechtsneutrale Form verwendet. Diese Form impliziert immer alle Geschlechter. die aktuelle Kidney Disease – Improving Global Outcomes(KDIGO)-Definition der akuten Nierenschädigung (AKI) zu- grunde, so liegt die weltweite Inzidenz einer AKI während eines Krankenhaus- aufenthaltes bei etwa 22 % [59]. Die KM- induzierte Nephropathie (CIN, „contrast medium-induced nephropathy“) gilt da- bei als eine der Hauptursachen [16] mit einer Inzidenz zwischen 7 und 11 % [61]. Aktuelle Arbeiten geben die Häufigkeit einer CIN nach HKU mit 8–17% an [4, 17, 24]. Die variable Inzidenz der CIN in den publizierten Studien erklärt sich u.a. durch die Verwendung unter- schiedlicher Definitionen des AKI, ver- schiedener Applikationsarten des KMs (intravenös [i.v.] oder intraarteriell [i.a.]) sowie Unterschiede bei Dosierung und Wahl der eingesetzten KM. Entschei- dend ist zudem, dass die untersuchten Patientenkollektive hinsichtlich ihrer Begleiterkrankungen und insbesonde- re der Schwere der zugrunde liegenden Nierenerkrankung [37] heterogen waren. Einige Autoren sehen das Aufreten einer AKI nach KM-Gabe ohne Krank- heitswert[67].Newhouseetal.[45] konn- ten zeigen, dass bei 22 % der hospitalisier- ten Patienten (bei >30.000 Patienten wur- de an 5 aneinanderfolgenden Tagen das Serumkreatinin bestimmt) während ei- nes stationären Aufenthaltes unabhängig von der Gabe jodhaltiger KM innerhalb von 72 Stunden (h) die diagnostischen Kriterien einer CIN erfüllt waren. Ähn- liche Ergebnisse wurden von einer wei- teren Arbeitsgruppe berichtet [10]. Die Tatsache, dass neben der KM-Expositi- on auch andere klinische Interventionen zu einer Veränderung der Serumkreati- ninwerte führen können, lässt nicht den 494 Der Kardiologe 6 · 2020