DETLEF SEMBILlf LUTZ SCHUMACHERI KARSTEN D. WOLF! EVELINE·WUTTKE!
INA SANTJER-SCHNABEL
Förderung der Problemlösefähigkeit und der Motivation durch
Selbstorganisiertes Lernen
1. Einleitung
Unsere Gesellschaft befmdet sich in einem immer schnelleren Wandel von
der Industriegesellschaft hin zur Informationsgesellschaft. Dieser Wandel; her-
vorgerufen durch die Neuerungen der Informations- und Kommunikationstechno-
logie, geht einher mit ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungstenden-
zen wie z.B. der Globalisierung und Internationalisierung der Märkte sowie einer
Infragestellung traditioneller Werte. Bestimmte Elemente individueller Identität
wie Z.B. Selbstverwirklichung, Freizeitwerte und Zeitsouveränität gewinnen an
Bedeutung (SCHUNCK 1993). Darüber hinaus ist zu bedenken, dass sich im Rah-
men' dieser Umwälzungen die Halbwertzeit von Wissen', speziell von Fachwissen,
dramatisch verkürzt hat. Der Arbeitnehmer muss deshalb kontinuierlich (lebens-
lang) neues Wissen und aktuelle Kompetenzen erwerben (SEMBILL 2000 b).
In der heutigen Berufswelt werden Mitarbeiter mit komplexen Problemstel-
lungen konfrontiert, die sie allein oder zusammen mit anderen eigenverantwort-
lich lösen sollen. Die Lösung komplexer Probleme erfordert Wissens- und Hand-
lungskompetenzen sowie Ausdauer und Engagement. Die berufliche Aus- und
Weiterbildung steht vor der Aufgabe, Schülern und Mitarbeitern zu helfen, erfolg-
reiche Problemlöser zu werden. Es reicht heute nicht mehr aus, ausschließlich
Wissens vermittlung anzustreben. Problemlösefähigkeit, Kreativität, Flexibilität
sowie der Mut zur Übernahme von Selbstverantwortung und die Fähigkeit zu ko-
operieren und zu kommunizieren werden von Mitarbeitern gefordert. Ein Ziel von
Bildung muss es daher sein, auf diese neuen QualifIkationsanforderungen bereits
in der Schule bzw. Berufsschule vorzubereiten.
Betrachtet man die praktizierte Lernrealität, zeigt sich dazu eine Diskrepanz:
der Unterricht verläuft meist lehrerzentriert, nach tayloristischem Vorbild in bis
zu 15 Fächer auf gesplittert und auf lineares und monokausales Denken ausgerich-
tet. Die Reproduktion von schnelllebigem Fachwissen steht im Vordergrund, ohne
dem Problem der handlungswirksamen Umsetzung dieses Wissen gerecht zu wer-
den. Um die oben genannten Anforderungen zu erfüllen und vorhandene DefIzite
aufzuarbeiten, muss neben der nach wie vor wichtigen Vermittlung von Verfü-
gungswissen (Wissen über Natur und Gesellschaft) besonderes Augenmerk auf
die Vermittlung von Orientierungswissen (handlungsleitendes Wissen in Natur
und Gesellschaft) (MITIELSTRASS 1982) gelegt werden. Dies erfordert Lehr-Lern-
Prozesse mit Denk- und Handlungsspielräumen, die den Umgang mit komplexen
K. Beck et al. (eds.), Lehren und Lernen in der beruflichen Erstausbildung
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