Möglichkeiten, Räume zu schaffen, womit klar wird, dass Mechanismen sozialer Ungleichheit von hoher Bedeutung für die Produktion von Räumen sind. „Die Möglichkeiten, Räume zu konstituieren, sind abhängig von der Handlungs- situation aufgrund vorgefundenen symbolischen und materiellen Faktoren [und] vom Habitus der Handelnden. ... Räume bringen Verteilungen hervor, die in einer hierarchisch organisierten Gesellschaft zumeist ungleiche bzw. unterschied- liche Personengruppen begünstigende Verteilun- gen sind“ (272). Obwohl Martina Löw damit verschiedene Handlungsrestriktionen für den Ak- teur benennt, baut sie in ihrem theoretischen Konzept auf den unzureichend definierten Hand- lungsbegriff von Anthony Gidddens auf. Das Fundament der Arbeit ist dadurch m.E. etwas wackelig. Anders und etwas grundsätzlicher for- muliert: Zwar werden viele theoretische Konzep- te aus unterschiedlichen Theorierichtungen ge- nannt und für relevant erklärt für die Konstituti- on von Raum (Macht, Handeln, Habitus, Struk- turprinzipien), die theoretische Diskussion dieser Begriffe bleibt jedoch, nach Ansicht der Rezen- sentin, hinter dem erforderlichen Maß zurück. So lässt Martina Löw den Leser/die Leserin bei- spielsweise im Unklaren, welchen Handlungsbe- griff sie zu Grunde legt. Es könnte aber für die Raumsoziologie von erheblicher Bedeutung sein, ob beispielsweise das verwendete Akteurskonzept aus dem Rational Choice-Ansatz stammt oder der Parsonianischen Theorie entliehen wurde. Auch wenn die Zielsetzung in der empirischen Verwendbarkeit des Raumbegriffs liegt, so wird dieses Ziel doch allzu sehr auf Kosten der theore- tischen Präzision verfolgt. Obwohl ich dies für ein zentrales Problem halte, möchte ich der Arbeit von Martina Löw dennoch, in der Gesamtschau, Lob und Respekt ausdrücken. Bislang hatte sich niemand an dieses schwierige Unterfangen gewagt. Der konsequent prozessorientierte und relationale Ansatz der Au- torin stellt einen gewichtigen Beitrag zur Diskus- sion des Raumphänomens dar. Wichtig wäre nun, dass Forscherinnen und Forscher, die in an- deren Feldern beheimatet sind als Martina Löw, sich ebenfalls an die Raumthematik heranwagten. Gerade in der Auseinandersetzung mit der „Raumsoziologie“ können vielleicht weitere Bau- steine zur Erfassung des komplexen Phänomens Raums erarbeitet werden. Eine beachtliche Dis- kussionsgrundlage wurde von Martina Löw vor- gelegt. Petra Deger METHODIK Götz Rohwer und Ulrich Pötter: Methoden sozial- wissenschaftlicher Datenkonstruktion. Wein- heim und München: Juventa 2002. 320 Sei- ten. ISBN 3-7799-1473-5. Preis: 22,–. Der Werbetext dieses Buches hebt die Auseinan- dersetzung mit der „gegenwärtigen Methodenlite- ratur der empirischen Sozialforschung“ hervor, in der es „unterschiedliche und teilweise fragwürdi- ge Auffassungen“ darüber gebe, „ob und ggf. wie sinnvolle Daten gewonnen werden können“. Das Buch ist jedoch nicht als Alternative zu gängigen Einführungen in die empirische Sozialforschung gedacht. Es steht, wenn man der üblichen Abfol- ge der empirischen Methodenlehre folgt, nicht vor der bereits erschienenen Statistik-Einführung derselben Autoren, sondern eher dahinter: als ein Buch über die statistischen Techniken der Da- tenklassifizierung und -reduktion, wie Indexbil- dung und Skalierungsverfahren (Kap. 6, 7 und 15), Rangordnungen (Kap. 10 und 11) und Conjoint- und Faktorenanalyse (Kap. 12 – 14). In der Perspektive der Autoren teilt sich die „sta- tistische Sozialforschung“ in die zwei Teile der „Daten verwendenden Verfahren“, die mit Hilfe von Daten auf der makrosozialen Ebene Aussa- gen über Zusammenhänge zwischen Eigenschaf- ten von Individuen machen wollen, und die „Da- ten konstruierenden Verfahren“, die Individuen mit Hilfe von Daten klassifizieren wollen. Letzte- re sind das Thema des aktuellen Buches. Weil aber diese Verfahren in der empirischen Sozialforschung oft als Teil der Datenerhebung eingesetzt werden, um zu den Ausgangs-Daten für die eigentlich interessierenden Analysen zu gelangen, widmet sich ein beträchtlicher Teil des Buches den mit dieser Vorgehensweise verbunde- nen Schwierigkeiten. In dieser Auseinanderset- zung werden fast alle neueren deutschen, aber auch zahlreiche englische bekannte Lehrbücher zur Einführung in die empirische Sozialforschung mit längeren Stellen zitiert und in die Kritik ge- nommen („fragwürdig“, „irreführend“, „nicht sinnvoll“, ...). Die Autoren nehmen insbesondere diejenigen Passagen aus diesen Büchern aufs Korn, die sich mit Definitionen, z.B. von „Varia- ble“ (Kap. 1), „Index“, „Skala“ (Kap. 5), und der Verbindung realer sozialer Verhältnisse mit den zugehörigen Daten, z.B. von „Interview“ (Kap. 2), „Operationalisierung“, „Messen“ (Kap. 8), be- fassen. Die Auffassung, die die Autoren mit ihrer Kri- tik vertreten, scheint die eines gemäßigten „statisti- schen Konstruktivismus“ zu sein: Alle Daten, die Literaturbesprechungen 609