74 © 2006 Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Beton- und Stahlbetonbau 101 (2006), Heft 2
Fachthemen
DOI: 10.1002/best.200500467
Die Sicherheit in den Tunnels wird einerseits durch das Verhalten
der Benützer und andererseits durch die Konstruktion und Aus-
stattung bestimmt. Neben der Modellierung des Verhaltens und
der Anwendung von Sicherheitstheorien in Tunnel gilt es, organi-
satorische und erzieherische Maßnahmen in der Planungs-, Aus-
führungs- und Betriebsphase zu setzen. Durch die extreme Hitze-
entwicklung können die Einbauten und das Tunneltragwerk be-
schädigt werden. Dabei kann es zu Betonabplatzungen (spalling)
und zum Ablösen von Betonstücken bzw. Verankerungen kom-
men. In diesem Beitrag werden unterschiedliche Spritzbetone
experimentell unter hohen Temperaturen untersucht. Dabei zeigt
sich, daß die Dichte und die Porenverteilung sowie die Zugkapa-
zität der Betonformulierung von ausschlaggebender Bedeutung
sind.
Concrete exposed to high Temperatures – a safety Issue
of tunnels
The safety of tunnels is related to the behaviour of the users as
well as to the construction and the equipment, which may be
damaged due to heat impact. Concrete spalling decreases the
effects of corrosion protection and the bonding of the reinforce-
ment, and the load capacity is also diminished. Predictions about
possible concrete spalling and failure mechanism often are
based on experimental research. The crucial parameters for con-
crete spalling are the gas pressure in the pores, the physical
properties e. g. water absorption at 20 °C and after 1000 °C and
the mechanical resistance.
In a full scale fire test in a highway tunnel there have been
investigated various shotcrete mixtures. Pore size and distribu-
tion have been determined with the Mercury Intrusion (MIP)
Porosimeter, whereas the permeability was calculated using the
results of the MIP at different temperatures. It could be shown,
that the moisture in the pore system and the physical and chemi-
cal adsorpted water in the matrix as well as in the aggregates
evaporates under external increase of temperature and thus
leading to higher pressure. Fire resistant shotcrete for use in tun-
nel shells should exhibit a certain volume of open pores in order
to equalize the vapour pressure.
1 Einleitung
1.1 Große Tunnels in Planung
Die Sicherheit in den Tunnels wird einerseits durch das
Verhalten der Benutzer und andererseits durch die Kon-
struktion und Ausstattung bestimmt. In den 15 EU-Staa-
ten vor der Erweiterung gab es 530 Tunnel, die über 500 m
lang sind. Derzeit wird eine Reihe von großen Tunnels
hauptsächlich für die Eisenbahn geplant und teilweise
schon gebaut. Der Eurotunnel (Channel Tunnel) zwischen
England und Frankreich weist eine Länge von 50 km auf,
wobei 39 km etwa 40 m unter dem Meeresspiegel verlau-
fen. Das Tunnelsystem besteht aus drei Röhren, wobei
zwei jeweils für den Betrieb (Durchmesser ca. 7,6 m) und
die dritte Röhre Durchmesser ca. 4,8 m) zum Service ver-
wendet werden. Der zentrale Sicherheits- und Dienststol-
len ist weltweit einzigartig. Er dient bei Brandunglücken
als Rettungsstollen, da dort ein höherer Luftdruck herr-
scht und damit dieser zentrale Sicherheitsstollen rauchfrei
gehalten werden kann. Dabei muß erwähnt werden, daß
beim Eurotunnel auf einer Strecke von etwa 30 km keine
sogenannten Multifunktionsflächen oder -stellen vorhan-
den sind, wie diese bei den Alpenbasistunnels geplant
sind.
Der Lötschberg-Basistunnel mit einer Länge von
34,6 km befindet sich im Bau. Dieser zweiröhrige, rich-
tungsgetrennte Einspur-Eisenbahntunnel führt von Fruti-
gen im Kandertal/Berner Oberland nach Raron im Wallis.
Es ist geplant, den Tunnel in mehreren Ausbauetappen
den wachsenden Bedürfnissen anzupassen. Auch der
57 km lange Gotthard-Tunnel besteht aus einem Zwei-
röhrensystem mit Querverbindungen. Der Brenner-Basis-
tunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste weist eine
Länge von 56 km auf und ist auch als zweiröhriger Ein-
spurtunnel geplant. Dieser Tunnel soll, sofern die Finan-
zierung ermöglicht wird, zwischen 2015 und 2020 in
Betrieb gehen. International gesehen werden heute Eisen-
bahntunnel mit Längen über 15 km als Zweiröhrensyste-
me mit Querverbindungen zwischen 300 und 500 m aus-
geführt; in Italien ist bereits ab 2 km ein Zweiröhren-
system vorgeschrieben.
Neben der Modellierung des Verhaltens und der An-
wendung von Sicherheitstheorien in Tunnel gilt es, orga-
nisatorische und erzieherische Maßnahmen in der Pla-
nungs-, Ausführungs- und Betriebsphase zu setzen. Jede
Systemlösung und Selbst- oder Fremdrettungsmaßnahme
kann die Sicherheit in Tunnel für den Benützer zwar ver-
bessern, jedoch nie das Risiko ausschalten. Stets bleibt ein
Mindestmaß an Risiko, welches der Betreiber und die
Benützer bzw. Fahrgäste akzeptieren müssen.
1.2 Vorschriften, Richtlinien
Im Weißbuch der europäischen Kommission vom 12. Sep-
tember 2001 über „die europäische Verkehrspolitik bis
2010“ wurde die Notwendigkeit einer EU-Richtlinie zur
Beton unter hohen Temperaturen –
eine Frage der Tunnelsicherheit
Konrad Bergmeister