Erythema annulare centrifugum?
Erythema annulare centrifugum?
Autoren M. Ziemer
1
, K. Eisendle
2
, B. Zelger
2
Institute
1
Klinik für Dermatologie und Dermatologische Allergologie, Friedrich Schiller Universität, Jena
2
Klinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Bibliografie
DOI http://dx.doi.org/
10.1055/s-0029-1243851
Online-Publikation: 25. 1. 2010
Akt Dermatol 2010; 36:
222–225 © Georg Thieme
Verlag KG Stuttgart · New York
ISSN 0340-2541
Korrespondenzadresse
Dr. med. Mirjana Ziemer
Klinik für Dermatologie und
Dermatologische Allergologie
Friedrich Schiller Universität
Erfurter Str. 35
07743 Jena
mirjana.ziemer@
derma.uni-jena.de
Kasuistik 222
Einführung
!
Das Erythema annulare centrifugum (EAC) wird
in den meisten Lehrbüchern als eine entzündliche
Dermatose ungeklärter Ätiologie und als Haupt-
vertreter der „Figurierten Erytheme“ dargestellt
[3]. Zu Beginn, so die Ausführungen verschie-
denster Autoren, präsentieren sich erythematöse
Makulae oder urtikarielle Papeln, die sich lang-
sam zentrifugal ausbreiten und zentral aufhellen,
sodass ein annulärer Eindruck entsteht [4]. Kon-
fluierende Läsionen bilden bogenförmige oder
polyzyklische Herde [4]. Eine derartige Definition
triff jedoch tatsächlich für eine Vielzahl von Der-
matosen mit annulärer Morphe zu. So umfasst
die Gruppe der „Figurierten Erytheme“ in den
Lehrbüchern neben dem EAC auch solche hetero-
genen Erkrankungen wie das Erythema margina-
tum und Erythema gyratum repens. Zugleich
können sich mit figurierten Läsionen vielzählige
weitere spezifische Dermatosen präsentieren wie
eine annuläre Urtikaria, Tinea corporis, annuläre
Varianten einer Psoriasis oder Mycosis fungoides,
aber auch ein Lupus erythematosus (LE). Bereits
vor einigen Jahren erschienen Publikationen zum
EAC, die darlegten, dass sich hinter diesem Begriff
verschiedene Erkrankungen verbergen. Aktuelle
Untersuchungen konnten nachweisen, dass es
sich beim EAC um einen Sammelbegriff für ver-
schiedenste klinisch-histologische Reaktions-
muster handelt, hinter denen sich neben Varian-
ten eines LE vor allem spongiotische Dermatiti-
den vom Ekzemtyp und der Piytriasis rosea (PR)
aber auch Pseudolymphome, darunter Borrelien-
assoziierte verbergen [5]. Die folgende Kasuistik
soll das einmal mehr verdeutlichen.
Kasuistik
!
Ein 61-jähriger Patient stellte sich erstmalig An-
fang August 2006 in unserer Klinik vor. Er beob-
achtete am rechten Unterschenkel eine stark ju-
ckende Rötung seit ca. Mitte Juli 2006, welche er
mit einem Stoß in Zusammenhang bringt. In die-
sem Zusammenhang kam auch eine „Salbe“ zur
Anwendung, an deren Namen sich der Patient je-
doch nicht erinnert. Im Verlauf der nächsten Wo-
chen kam es zur Ausbreitung der Hautverände-
rungen auf den linken Unterschenkel, die Innen-
seiten beider Oberschenkel, das Gesäß sowie den
kaudalen Teil des Rumpfs.
Nebendiagnosen sind ein Diabetes mellitus Typ 2,
eine koronare Herzkrankheit (Z. n. Bypass) und
Herzinsuffizienz sowie eine periphere arterielle
Verschlusskrankheit. Ödeme beider Unterschen-
Zusammenfassung
!
Das Erythema annulare centrifugum (EAC) ist ein
klinisches Reaktionsmuster und verkörpert keine
spezifische klinisch-histologische Entität [1, 2].
Wie der vorliegende Fall eines EAC-artigen streu-
enden allergischen Kontaktekzems veranschau-
licht, können sich hinter dem Begriff EAC ver-
schiedene distinkte Diagnosen verbergen. Diese
Beobachtung konnte inzwischen durch eine um-
fangreiche retrospektive Analyse von so genann-
ten EAC-Fällen bestätigt werden. Schlussfolgernd,
muss die klinische und histologische Differenzial-
diagnose „EAC“ dazu führen, wenigstens drei
Hauptgruppen an Erkrankungen in Erwägung zu
ziehen, die sich häufig dahinter verbergen. Neben
einem (tumiden) Lupus erythematosus handelt es
sich dabei um Fälle spongiotischer Dermatitiden
entweder im Sinne einer subakuten und chroni-
schen Dermatitis („Ekzem“), exzessiver Varianten
einer Pityriasis rosea oder Stasis-Dermatitis. Da-
rüber hinaus, weniger häufig, liegen Pseudolym-
phome, insbesondere Borrelien-assoziierte Pseu-
dolymphome vor.
Ziemer M et al. Erythema annulare centrifugum? … Akt Dermatol 2010; 36: 222 – 225
Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.