Zahlreiche Noxen können nach initialer Schädigung der Niere einen automati- schen Prozess einleiten, der zur Progres- sion des Schadens beiträgt. Entzündliche, metabolische und hypertensive Schädi- gungsmechanismen führen zu glomeru- lären und renal tubulointerstitiellen Ver- änderungen, gefolgt von einer Abnahme der Zahl an funktionsfähigen Nephronen und damit einhergehend einer Reduktion der glomerulären Filtrationsrate ([1]; Abb. 1).Auch wenn für die überwiegen- de Zahl chronisch progredienter Nieren- erkrankungen keine kausalen Therapie- ansätze existieren, gibt es doch sehr er- folgreiche primär- und sekundärpräven- tive Strategien. Diese sog. „supportive“ Therapie niereninsuffizienter Patienten (Tabelle 1), auf die im Folgenden detail- liert eingegangen wird, hat neben der Prä- vention bzw. Progressionshemmung der Nierenerkrankung auch die Minimierung diverser Sekundärkomplikationen der Nierenfunktionsstörung zum Ziel. Nach Ausschöpfen bestehender kau- saler Therapieansätze stellen der Blut- druck und das Ausmaß der Proteinurie die zentralen beeinflussbaren Determi- nanten in der Progression einer Nierener- krankung dar.Eine therapeutische Inter- vention ist vor allem dann effektiv, wenn diese in einem frühen Stadium initiiert wird. Eine frühzeitige Intervention ist je- doch nicht nur für die Niere, sondern auch für das kardiovaskuläre System von zen- traler Bedeutung, da bereits eine milde Niereninsuffizienz bei älteren Menschen, Hypertonikern oder Patienten mit Herz- Kreislauf-Erkrankungen einen bedeuten- den und unabhängigen kardiovaskulären Schwerpunkt: Endorganschäden V. M. Brandenburg · B. Heintz · J. Floege Medizinische Klinik II, Nephrologie und klinische Immunologie, Rheinisch Westfälische Technische Hochschule Aachen Therapie und Prophylaxe von Endorganschäden der Niere Morbiditäts- und Mortalitätsprädiktor darstellt ([2, 3]; Abb. 2). Eine zu späte oder unzureichende sup- portive Therapie hat gravierende Konse- quenzen für betroffene Patienten und das Gesundheitssystem: 1) Dialysepatienten weisen eine hohe Mortalitätsrate auf, die nach 5 Jahren ca. 70% beträgt und damit im Be- reich maligner Erkrankungen liegt (Quelle: US Renal Data System; siehe unter „weiterführende Links“). In extremer Weise sind dialysepflich- tige Diabetiker gefährdet, deren Fünfjahresüberlebensrate nochmals um 15–35% unter der von nichtdiabe- tischen Dialysepatienten liegt [4] mit einer mittleren Überlebenszeit für dialysepflichtige Typ-2-Diabetiker von 34 Monaten [5]. 2) Die hohe Mortalität resultiert vorran- gig aus kardiovaskulären Erkrankun- gen, die mit zunehmender Nierenin- suffizienz schneller fortschreiten (sog.„akzelerierte Arteriosklerose“). Die pathophysiologischen Wurzeln liegen bereits weit vor dem Eintritt in das Dialysestadium. Eine effektive, frühzeitige supportive Therapie re- duziert kardiovaskuläre Komplika- tionen signifikant [6, 7, 8]. Neben den klassischen kardiovaskulären Risiko- faktoren (Adipositas, arterielle Hy- pertonie, Diabetes, Nikotinkonsum, Dyslipidämie) werden bei nierenin- suffizienten Patienten zunehmend auch „nicht-klassische“ Risikofakto- ren identifiziert: Hyperhomozy- steinämie, erhöhtes Kalzium-Phos- phat-Produkt, asymmetrisches Dimethylarginin (ADMA), Fetuin-A- Defizienz u. a. [9, 10, 11, 12, 13]. Letzte- re sind häufig therapeutisch mit ge- ringem Aufwand beeinflussbar (z. B. Therapie mit Phosphatbindern oder mit Folsäure bei Hyperhomozy- steinämie; [14]), obwohl in vielen Der Internist 7 · 2003 | 819 Internist 2003 · 44: 819–830 DOI 10.1007/s00108-003-0948-y Online publiziert: 16. Mai 2003 © Springer-Verlag 2003 Abb. 1 Typisches licht- mikroskopisches Erschei- nungsbild einer irreversi- bel geschädigten Niere mit Glomerulosklerose (weiße Pfeile) sowie interstitieller Fibrose (roter Pfeil) im Bereich atrophischer Tubuli (PAS-Färbung)