GW-UNTERRICHT Nr. 120 / 2010 FACHWISSENSCHAFT Partizipative Planung, kollaboratives Lernen und digitales Webmapping – Versuch einer Schnittmengenkonstruktion Robert Vogler, Thomas Jekel, Sabine Hennig, Noemi Müller, Lisa Sönser robert.vogler@oeaw.ac.at, Institut für GIScience, Österreichische Akademie der Wissenschaften, 5020 Salzburg thomas.jekel@oeaw.ac.at, Institut für GIScience, Österreichische Akademie der Wissenschaften, 5020 Salzburg sabine.hennig@oeaw.ac.at, Institut für GIScience, Österreichische Akademie der Wissenschaften, 5020 Salzburg noemi_sophie@hotmail.com, Bundesgymnasium Salzburg-Nonntal (Schülerin), 5020 Salzburg soeli@gmx.at, Akademischen Gymnasium Salzburg (Schülerin), 5020 Salzburg 1 Einleitung: Partizipation und Kollaboration in Raumplanungsprojekten Seit etwa 30 Jahren wird partizipative Raumplanung betrieben und auch in den entsprechenden Gesetzesgrundlagen ist Bürgerbeteiligung in der Regel vorgesehen. Für eine echte Beteiligung und eigenständige Gestaltung, die über die Abgabe einer verbalen Stellungnahme – etwa zur Ände- rung eines Flächenwidmungsplanes – hinausgeht, fehlen Bürger/innen allerdings oft die entspre- chenden technischen und kartographischen Mittel. Dies liegt zum einen daran, dass die Planungs- grundlagen oft nicht einfach öffentlich zugänglich sind. Zum anderen fehlen Instrumente, um indi- viduelle und kollektive Visionen zur Gestaltung auf kommunaler Ebene professionell kartogra- phisch darzustellen. Seit Mitte der 1990er Jahre die Kritik an expertenorientierten GIS-Systemen, die in der Raumpla- nung stark zum Einsatz kommen, laut wurde, arbeitet man verstärkt in Richtung der Entwicklung von PPGIS (Public Participation GIS). Diese waren allerdings immer noch an Expert/innen gebun- den und kamen in der Folge trotz vielversprechender Ansätze selten zum Einsatz. Erst die Entwick- lung von geo-web Applikationen verspricht nun Möglichkeiten, Planungsbeteiligung gleichbe- rechtigter zu gestalten. Gleichzeitig kann Schüler/innen Raumplanung mit Hilfe dieser Mittel deut- lich besser als früher nahe gebracht werden. Ziel dabei ist, Planungsbeteiligung schon frühzeitig als Chance zur Mitgestaltung des eigenen Lebensumfeldes zu begreifen. Der vorliegende Artikel diskutiert zunächst knapp jene konzeptionellen und rechtlichen Grundla- gen partizipativer Raumplanung, die auch für die Übersetzung der zunächst oft schwierigen Raumordnungsmaterie in den Unterricht notwendig erscheinen. Im Weiteren werden Ansätze technischer Beteiligungsunterstützung vorgestellt, die auf der Idee des PPGIS beruhen. Er stellt in der Folge fest, dass partizipative Raumplanung und konstruktivistisch verstandene Lernprozesse sehr ähnliche Grundelemente aufweisen und daher parallel gefasst werden können. Anschließend stellt der Beitrag die Konzeption des Prototypen einer Plattform zur diskursiven Visi- onsentwicklung im Raumplanungsbereich vor, der gemeinsam mit Schüler/innen im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt wurde und der versucht, raumplanerische Visionsentwicklung auch für Laien zugänglich zu machen. www.gw-unterricht.at 15