1 Werner Güth und Hartmut Kliemt Evolutionstheorie und Ökonomik 1. Zur Geschichte des evolutionistischen Denkens in der Ökonomik Es wird häufig darauf hingewiesen, dass dem Auftreten des evolutionistischen Denkens in der Biologie die Verbreitung entsprechender Denkstrukturen in der Sozialphilosophie voraus ging. Insbesondere die Britischen Moralisten (vgl. Raphael (1969)) – insoweit durchaus beeinflusst von französischen Zeitgenossen wie de Reetz – kannten bereits die Vorstellung einer Ordnung, die Folge menschlichen Handelns, aber nicht menschlichen Entwurfs ist (vgl. die zentralen Auszüge in Schneider (1967)). David Hume dehnte das Argument in seinen „Dialogen über Natürliche Religion“ in Kritik am „teleologischen Gottesbeweis“ von der Sozialordnung auf die Natur und die wunderbare Anpassung der Tiere an ihre Umwelt aus (vgl. Hume (1779/1989)). Anders als Aristoteles, der diese Denkmöglichkeit ebenfalls bereits klar erkannt, aber als offensichtlich absurd ausgeschlossen hatte (vgl. eindrucksvoll in der „Physik“, von Aristoteles (1967), 198b), hielt Hume eine ungeplante Entstehung der Ordnung in der Natur für plausibel. Die Bekanntschaft mit diesen Überlegungen ebenso wie die mit dem soziatheoretischen Werk von Thomas Hobbes machte Darwins Zeitgenossen aufnahmebereit für den „Darwinismus“ (vgl. natürlich Darwin (1859/1976)). Die Vorstellung von Konkurrenz, Verdrängungswettbewerb und vor allem von Kooperation als Mittel der Zielverfolgung in der Konkurrenz mit anderen war vertraut. Die Einsicht, dass in einer Welt, in der eigennütziges Verhalten möglich ist, fremdnütziges Verhalten den Untergang des Verhaltensträgers heraufbeschwören kann, war den Gebildeten der Zeit ebenfalls nicht fremd. Malthus Idee von der sogenannten „geometrischen Vermehrung“, die von Darwin und Wallace selbst als Wurzel ihrer Konzeption von einem „Kampf