Z Rheumatol 2006 · 65:688–699 DOI 10.1007/s00393-006-0122-8 Online publiziert: 22. November 2006 © Springer Medizin Verlag 2006 C. E. Althoff 1 · K. G. Hermann 1 · J. Braun 2 · J. Sieper 3 1 Institut für Radiologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte 2 Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne 3 Rheumatologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin Ankylosierende Spondylitis Aktueller Stand der bildgebenden Verfahren einschließlich Scoring-Methoden Leitthema Die uns derzeit zur Verfügung stehenden Methoden der radiologischen Bildgebung werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Verlauf der Behandlung von Patienten mit ankylosierender Spondylitis (AS) ein- gesetzt: 1. Diagnosestellung, 2. Management und Bestimmung der Krankheitsaktivität im Verlauf, 3. Bestimmung von strukturellen Ver- änderungen, 4. Abbildung von Komplikationen sowie 5. bei minimal-invasiven interventio- nellen Lokaltherapien an der Wirbel- säule einschließlich der Sakroiliakal- gelenke (SIG). Die AS weist eine Prävalenz von 0,1–1,1% [18] auf und ist damit neben der rheuma- toiden Arthritis die häufigste rheumato- logische Erkrankung. Die AS gilt als Pro- totyp der Spondyloarthritiden (SpA), ei- ner Gruppe entzündlich rheumatischer Erkrankungen mit Assoziation zum hu- manen Leukozytenantigen HLA-B27. Neben der AS gehören zu dieser Grup- pe die Psoriasisarthritis, die SpA im Rah- men chronisch entzündlicher Darmer- krankungen, die reaktive Arthritis nach urogenitalen oder enteralen Infekten so- wie die undifferenzierte SpA (USpA). Die unterschiedlichen Subtypen können sich überlappen und letztlich in eine AS über- gehen bzw. gleichzeitig mit einer AS vor- kommen. Die AS und USpA sind in dieser Gruppe am häufigsten vertreten. E Die definitive Diagnose einer AS wird im Mittel erst 8,8 Jahre nach dem Auftreten erster Symptome gestellt. Sind die Patienten HLA-B27-negativ wird sie sogar erst nach 11,4 Jahren gestellt [39]. Einer der Gründe liegt u. a. in der gerin- gen Sensitivität der konventionellen Rönt- gendiagnostik [38]. Besonders in den letz- ten Jahren konnte mit Hilfe der moder- nen Bildgebung diese diagnostische Lü- cke erheblich verkleinert werden. Heute ist es möglich, auch frühe Formen der AS zu diagnostizieren, die noch keine struk- turellen Veränderungen aufweisen, um frühzeitig eine Therapie einzuleiten. Die- ser Übersichtsartikel stellt die verwende- ten Methoden der Bildgebung sowie ih- re Befunde vor. Neue Entwicklungen auf diesem Gebiet werden berücksichtigt. Konventionelle Röntgentechnik Die Standarddiagnostik der AS durch konventionelle Röntgentechnik beinhal- tet Aufnahmen der SIG und der Wirbel- säule. Die Diagnose einer AS wird ent- sprechend den modifizierten New-York- Kriterien [81] gestellt, wobei für eine defi- nitive Diagnose typische strukturelle Ver- änderungen in der konventionellen Rönt- genaufnahme an den SIG vorhanden sein müssen. Ein klinisches Klassifikationssystem für die Spondyloarthritiden wurde von Abb. 1 9 Becken- übersicht mit Darstel- lung einer Sakroiliitis Grad IV nach [4] mit vollständiger Ankylose beider SIG. Zusätzlich lassen sich verknöcher- te Bandansätze an bei- den Beckenschaufeln (Pfeilspitzen) abgren- zen, welche durch chronische Enthesiti- den bedingt sind 688 | Zeitschrift für Rheumatologie 8 · 2006