Online Partizipation: Evaluation und Entwicklung – Status quo und Zukunft Norbert Kersting 1. Einleitung Die gesellschaftlichen und politischen Risiken nehmen zu. Neben den Umweltri- siken zeigen sich auf der gesellschaftlichen Ebene starke Individualisierungs- und Segregationstendenzen, die zum Teil durch demographischen Wandel (»Greyif- cation«), multikulturelle Parallelgesellschaften und ökonomische Ungleichheiten verstärkt werden (vgl. u.a. Reckwitz 2017; Schäfer 2015; Beck 2016). Digitalisie- rung scheint hierbei diese Prozesse nicht zu heilen, sondern zum Teil sogar zu verschärfen. So gibt es zwar eine Zunahme sozialer Netzwerke, aber wohl auch eine Zunahme der Vereinzelung. Mit dem gesellschaftlichen Wandel zeigen sich drastische Veränderungen des politischen Parteiensystems, der politischen Parti- zipationsmuster und ein Erstarken rechtspopulistischer Parteien. Nach dem En- de des Kalten Krieges wurde in den 1990ern noch der Siegeszug der Demokratie (Huntington 1992) und das Ende autoritärer Strukturen konstatiert. Es zeigten sich aber schon mit dem Beginn des neuen Millenniums international demokratische Rückschritte und eine Revitalisierung autoritärer Regime in Form eines modernen Autoritarismus. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Digitali- sierung und Online-Beteiligung dazu beitragen können, die Probleme zu lösen? Politische Beteiligung, die auf Entscheidungsfndung ausgerichtet ist, wird von bürgerschaftlichem Engagement, das auch soziale und gemeinwohlorientierte Be- teiligung umfasst, unterschieden. Politische Partizipation zielt auf die individuelle und organisierte Beeinflussung der politischen Entscheidungsfndung ab. Dabei lässt sie sich grundsätzlich in einem in die Zukunft gerichteten Planungsprozess realisieren wie auch als Kontrollinstrument nach der Implementation von Politiken charakterisieren. Online Partizipation scheint die Formen und Temen des Enga- gements zu verändern und dabei die Grenzen zwischen aktiv und passiv, zwischen öffentlich und privat, zwischen Produktion und Konsum, in hybriden Formen auf- zulösen. Im folgenden Beitrag wird versucht, einen Teil des Forschungsfeldes der Online-Partizipation zu umreißen und programmatisch zukünftige Fragestellun-