Die Heuschreckenfauna der jungen Düneninsel Trischen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer (Insecta: Saltatoria) Steffen Oppel Abstract: In 2003 the Saltatoria of the dune island Trischen in the German Wadden Sea were investigated. The island is a postglacial formation of sandbanks that has never been connected to the mainland by a landbridge. It contains natural sand dunes and salt-marsh vegetation types and is prone to erosion by wind and tidal currents. Seven species were found during the study, four Ensifera and three Caelifera. Three species (Chorthippus albomarginatus, Ch. apricarius, Conocephalus dorsalis) were confirmed to reproduce on the island, whereas the remaining four species were most likely visitors to the island from the mainland. The warm summer 2003 might have facilitated travel to the island, and it is postulated that the island may be colonized by two further species (Tettigonia viridissima, Metrioptera roeselii) in the near future. 1. Einleitung Entlang der deutschen Nordseeküste gibt es mehrere Düneninseln, von denen einige re- zent entstanden sind und daher nie eine trockene Verbindung zum Festland aufwiesen. Diese jungen Düneninseln weisen zumeist ein geringeres Biotoptypenspektrum auf als die älteren ost- und nordfriesischen Düneninseln. Aufgrund ihrer Isolation und Entste- hungsgeschichte sind diese Inseln für Untersuchungen über die Besiedlung durch Tier- arten von hohem Interesse (HAESELER 1988a). Die im Wattenmeer vor Dithmarschen, Schleswig-Holstein, gelegene Insel Trischen ist durch die Kernzone des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vollstän- dig geschützt. Biozönologische Untersuchungen über die auf der Insel anwesenden Or- ganismen gibt es nur für höhere Pflanzen (SCHWABE 1975) und Vögel (TODT 2000, OPPEL 2005). Während das Artenspektrum und die Besiedlungsgeschichte vieler Arthropoden- gruppen von den jungen niedersächsischen Düneninseln Memmert und Mellum gut do- kumentiert ist (z. B. HAESELER 1988 b, c, 1999, KRUMMEN 1988, LOBENSTEIN 1988, RITZAU 1988) liegen von Trischen derartige Informationen nur durch Gelegenheitsbeobachtungen der betreuenden Naturschutzwarte vor (DIEDERICHS 2000, WOLFF 2001, 2002). In dieser Arbeit soll die Heuschreckenfauna der Insel Trischen genauer untersucht wer- den. Den systematischen Erhebungen zur Beschreibung des Arteninventars auf Trischen folgen Vergleiche mit der Artenausstattung ähnlicher junger Düneninseln im deutschen Wattenmeer. 2. Untersuchungsgebiet Die Insel Trischen ist seit dem späten Mittelalter dokumentiert und entstand durch das Zusammen- wachsen zweier Sandbänke. Im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert wurde die Insel landwirt- schaftlich genutzt. Die permanente Besiedlung durch den Menschen musste jedoch nach 1945 auf- gegeben werden, da sich die sandige Insel durch Bauwerke zum Erosionsschutz nicht stabilisieren ließ (KEMPF et al. 2000). Seit Ende des 19. Jahrhunderts wanderte der Inselkern ca. 2 km in östliche Richtung. Ursache für diese Wanderung ist kontinuierliche Erosion durch Wellenschlag am West- strand sowie Anlagerung des Sediments in den leeseitig gelegenen Buchten. Seit den 1930er Jahren verläuft die Erosion deutlich rascher, so dass die Fläche der Insel von einstmals 750 ha auf derzeit ca. 180 ha abgenommen hat (TODT 2000). Trischen ist durch tiefliegende Wattflächen und mehrere Priele vom Festland getrennt und befindet sich etwa 10 km westlich der Küstenlinie (Abb. 1). Zwei wesentliche Lebensraumtypen bedecken die Insel Trischen. Im westlichen Teil liegt eine bis zu 4 m hohe Primärdünenkette, die seeseitig und auf dem Kamm mit Strandhafer (Ammophila arenaria), 1 DROSERA 2005: 1-5 Oldenburg 2005