7 Soziale und Individuelle Kontexte des Medienhandelns In der kommunikationswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Medien- aneignung und Medienhandeln lassen sich zwei Traditionen ausmachen: jene der Medienwirkungsforschung und jene der Medienrezeptionsforschung. Während sich die Medienwirkungsforschung für die Effekte von Massen- kommunikation und die Wirkung von Medieninhalten auf Rezipientinnen und Rezipienten interessiert, richtet die Medienrezeptionsforschung ihren Blick auf die Aneignung, Verarbeitung und das Erleben von Medien und medien- vermittelten Inhalten (Bilandzic et al. 2015, S. 11). Waren die Anfänge der Medienwirkungsforschung stark von extern gesetzten Forschungsthemen, wie etwa die Beeinflussung von Meinungen, geprägt (Bonfadelli und Friemel 2014, S. 23; McQuail 2010, S. 52–59) und der Fokus auf die Durchsetzung der Intention der Kommunikatoren ausgerichtet (z. B. Stimulus-Response- Modell), so erlangte im Laufe der Zeit auch die Funktion der Rezipientinnen und Rezipienten, beispielsweise als MeinungsführerInnen (z. B. Two-Step-Flow of Communication; Lazarsfeld et al. 1944), und nicht zuletzt ihre Perspektive im Hinblick auf die mit der Mediennutzung verbundenen Bedürfnisse (z. B. Uses-and-Gratification-Approach, Katz et al. 1973), an Bedeutung. Bonfadelli und Friemel (2014, S. 25) zeichnen diese Entwicklung anhand des Wandels des Wirkungsbegriffs in der Medienforschung nach. Sind bei Berelson und Steiner (1972, S. 334, zit. nach Bonfadelli und Friemel 2014, S. 25) sowie bei Maletzke (1963, S. 190, zit. nach Bonfadelli und Friemel 2014, S. 25) noch sehr enge Wirkungsdefinitionen zu finden, so hat sich heute ein breites und umfassendes Verständnis von diversen Phänomenen der Medienwirkung durchgesetzt. Unter diesem breiten Wirkungsbegriff verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer Wirkungs- und Rezeptionsforschung, da Wirkungen eng mit Rezeptionsprozessen verbunden sind. Daher wird die Auseinandersetzung mit 2 © Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert durch Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020 C. W. Trültzsch-Wijnen, Medienhandeln zwischen Kompetenz, Performanz und Literacy, https://doi.org/10.1007/978-3-658-29534-9_2