Wirkungsmodelle: die digitale Herausforderung revisited. Forschungsstand zu Wirkungen von Online-Kommunikation – ein rückblickender Essay Patrick Rössler Traditionell stellt die Frage nach den Wirkungen von Medienangeboten eines der, wenn nicht sogar das zentrale Gebiet der kommunikationswissenschaftli- chen Forschung dar (z.B. Schenk 2002; Schulz 1992: 7). Historisch hat sich das Fach aus der Analyse der Funktionen von Massenkommunikation für die Ge- sellschaft entwickelt, und aktuell erwartet diese Gesellschaft fundierte Lösungs- vorschläge für Probleme, die sich aus einer zunehmenden Mediatisierung des Alltags ergeben (Krotz 2001). Daher kann es nicht verwundern, dass mit dem weltweiten Siegeszug des Internet schon bald auch verstärkt die Auswirkungen dieses rapiden Diffusionsprozesses in den Blick gerieten. Vor bald einer Dekade, nämlich im Jahr 1998, organisierte die seinerzeit frisch gegründete "Deutsche Gesellschaft für Medienwirkungsforschung" ihre erste Tagung unter dem Titel "Die Medienwirkungsforschung vor der Jahrtau- sendwende – Stand und Perspektiven" (vgl. Schorr 2000). Die Veranstalter haben damals bei mir angefragt, ob ich ein Panel zum Thema "Internet- Wirkungen" zusammenstellen wollte. Aus dem modischen Schlagwort "Inter- net" wurde "Online-Kommunikation", und insgesamt 15 Kollegen beteiligten sich mit Vorträgen, deren schriftliche Fassung bereits zur Tagung vorlag – in Form einer der ersten systematischen Publikationen des Fachs zu dem seinerzeit noch besonderen medialen Phänomen (Rössler 1998a). Als Einleitung dieses Bandes durfte ich erste "Überlegungen zu einer Inven- tur bestehender Ansätze der Medienwirkungsforschung" vorlegen (Rössler 1998b). Die Grundannahme dieses Beitrags lautete, dass die neue Kommunika- tionstechnologie es per se noch nicht erforderlich mache, auch vollkommen neue Hypothesen über Medienwirkungen zu formulieren. Vielmehr stellte sich die Frage, welche der klassischen, bereits existierenden Wirkungsmodelle der Kommunikationsforschung noch für die neue, digitale Medienumgebung rele- vant sein könnten, und wie die Spezifika der Online-Kommunikation ggf. eine Modifikation dieser Modelle erforderlich machen könnten. Der vorliegende Essay untersucht im Rückblick, wie sich die Wissenschaft (und insbesondere natürlich die Kommunikationswissenschaft) in den vergan-