DIE BRITISCHE KRISE IN HISTORISCHER PERSPEKTIVE VON WOLFGANG KRIEGER I. VORzywvutsrponmlkjihgfedcbaWUTSRPNLKJIHGFEDBA mehr als zehn Jahren begannen amerikanische und westeuro- päische Sozialwissenschaftler sich intensiv mit der Frage zu beschäf- tigen, ob die westlichen Demokratien „unregierbar" würden. Wie Richard Löwenthal und andere damals bemerkten, war in jener De- batte das deutsche Krisenbewußsein sehr viel stärker ausgeprägt als das britische, obgleich die statistischen Daten eine ungleich tiefere Krise in Großbritannien auswiesen als in der Bundesrepublik. 1 ) In Fachgesprächen pflegten deutsche Beobachter sehr besorgt auf das Jammertal der britischen Arbeitslosigkeit, Streikwut, Inflation, der Handelsbilanzdefizite, Rassenkonflikte und des Bürgerkrieges in Nordirland hinzuweisen, was manche britische Kollegen wiederum für typisch deutschen Pessimismus hielten. Eine Krise des britischen Staates gebe es nicht, so bekam man zu hören. Das Land sei stabil wie eh und je. Lediglich die britische Wirtschaft sei etwas langsamer gewachsen als beispielsweise die deutsche und die französische, aber diese Differenz im Wachstum sei nicht jüngeren Datums, son- dern habe ihren Ursprung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Trotz der weiterhin sehr unterschiedlichen Einschätzungen sind seit Beginn dieser Debatte drei Dinge klar geworden: Erstens flöß ') Karl Rohe, Zur Typologie politischer Kulturen in westlichen Demokra- tien. Überlegungen am Beispiel Großbritanniens und Deutschlands, in: Heinz Dollinger/Horst Gründer/Alwin Hanschmidt (Hrsg.), Weltpolitik - Europagedanke - Regionalismus. Festschrift für Heinz Gollwitzer. Münster 1982, 581-596; zusammenfassend zur politikwissenschaftlichen Debatte An- thony H. Birch, Overload, Ungovernability and Delegitimation. The Theo- ries and the British Case, in: BritJPol 14, 1984, 135-160; Andrew Gamble. Britain in Decline. London 1981; Dennis Kavanagh, Thatcherism and British Politics. Oxford 1987.