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‚Neue Migrationen‘ und ‚Alte Migrationen‘
Der Wandel der bundesdeutschen
Migrationsverhältnisse
Jochen Oltmer
Was ist neu an der aktuellen Migrationssituation der Bundesrepublik Deutschland?
Seit den frühen 1990er Jahren gilt das Interesse der Forschung in verschiedenen
europäischen Staaten ‚Neuen Migrationen‘ (King 1993, Koser und Lutz 1998, Castles
und Miller 2003) In der Zwischenzeit wurden verschiedenste Bewegungen und
Kontexte den ‚Neuen Migrationen‘ zugeordnet, manche davon sind längst ‚Alte
Migrationen‘ geworden Selten ist in der Debatte Wert darauf gelegt worden, zu
einer systematischen Einschätzung des Neuen zu kommen Das Neue wird häufg
behauptet, selten aber belegt (Engbersen und Snel 2013, S 24f)
Das Neue lässt sich nur dann angemessen beschreiben, wenn zugleich ein Blick
auf das Alte geworfen wird Erforderlich ist es mithin, lange Linien im Wandel
der europäischen und deutschen Migrationsverhältnisse herauszuarbeiten Zwei
verschiedene Perspektiven könnten sich mit dem Reden über ‚Neue‘ im Verhältnis
zu ‚Alten Migrationen‘ verbinden: Zum einen wäre es möglich, dass sich neue von
alten Migrationen durch unterschiedliche Muster und Formen unterscheiden Zum
andern könnten Veränderungen im Kontext nationaler, europäischer und globaler
Migrationsregime neue Migrationspfade und -möglichkeiten zur Folge gehabt
haben, die zu einer Veränderung der Migrationstopographie führten, nicht aber
die grundlegenden Muster und Formen der Migration berührten Im Folgenden
wird im Aufriss ein sehr knapper Überblick zu den Kontinuitäten und Brüchen
der bundesdeutschen Migrationsverhältnisse der vergangenen Jahrzehnte geboten
Deutlich gemacht werden kann auf diese Weise, ob und inwieweit sich die aktuelle
Konstellation von jener der zweiten Hälfe des 20 Jahrhunderts unterscheidet
(ausführlich: Oltmer 2016c, Oltmer 2017)
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018
R. Ceylan et al. (Hrsg.), Neue Mobilitäts- und
Migrationsprozesse und sozialräumliche Segregation,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-18868-9_2